In der Propaganda der SVP für ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» gehört die Zahl 40 000 zum Standard-Argumentarium. In der jüngst gestreuten Abstimmungszeitung sagt Nationalrat Werner Salzmann, 40 000 Einwanderer seien ausreichend «um offene Fachstellen ...
In der Propaganda der SVP für ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» gehört die Zahl 40 000 zum Standard-Argumentarium. In der jüngst gestreuten Abstimmungszeitung sagt Nationalrat Werner Salzmann, 40 000 Einwanderer seien ausreichend «um offene Fachstellen zu besetzen». In unserer Dorfzeitung wurde uns jüngst von der örtlichen SVP erklärt: «Die Sorge der Initiativgegner ist dabei unbegründet. Mit dieser Regelung könnten immer noch rund 40 000 Personen (Fachkräfte) pro Jahr einwandern.» Interessant und abenteuerlich ist in beiden Fällen die Gleichsetzung von Einwanderern oder Personen mit «Fachkräften». Warum?
Erstens: Gemäss Einwanderungs-Statistik 2025 kamen in diesem Jahr allein über 6300 ausländische Menschen ins Land, weil sie Schweizerinnen oder Schweizer heirateten. Dass Ehepartner nach dem Kriterium «Fachkraft» ausgewählt werden, ist eher unwahrscheinlich. Will man solche Heiraten verbieten? Wenn nicht, bleiben noch 33 700 «Fachkräfte». Zweitens: Ausländische Fachkräfte haben dummerweise häufig auch Partnerinnen oder Partner. Will man ihren Zuzug verbieten? Wenn nicht: Kommen von den genannten 33 700 nur ein Viertel zu zweit und nimmt man an, die Partnerin oder der Partner sei nicht ebenfalls eine «Fachkraft», dann verbleiben noch 16 850 der begehrten Fachleute. Drittens: Sollte jedes zweite der zuziehenden Paare dummerweise auch noch jeweils ein Kind haben, fallen nochmals gut 4000 potenzielle «Fachkräfte» weg. Statt von 40 000, reden wir dann noch von rund 13 000.
Fazit: Geht man davon aus, dass in den Arbeitsmarkt Einwandernde nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Menschen sind und sein dürfen, haben die von der SVP propagierten «40 000 Fachkräfte» nichts mit Realität zu tun, sondern mehr mit dem Versuch, den Stimmberechtigten Sand in die Augen zu streuen.
Robert Frauchiger, Hägglingen