Neuer Reuss-Seitenarm entsteht
15.05.2026 Fischbach-Göslikon, Region BremgartenAm Mittwoch erfolgte der Spatenstich der Auenrenaturierung Grien
Rund 20 Jahre dauerte die Planung für die Auenrenaturierung im Gebiet Grien von Fischbach-Göslikon. Die Verantwortlichen sprechen von einem hochkomplexen Projekt. Jetzt wurde der Startschuss ...
Am Mittwoch erfolgte der Spatenstich der Auenrenaturierung Grien
Rund 20 Jahre dauerte die Planung für die Auenrenaturierung im Gebiet Grien von Fischbach-Göslikon. Die Verantwortlichen sprechen von einem hochkomplexen Projekt. Jetzt wurde der Startschuss für die konkrete Umsetzung gelegt.
Roger Wetli
«Ich bin überzeugt, dass auch diese Renaturierung von der Bevölkerung sehr gut aufgenommen wird», sagte Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, anlässlich des Spatenstichs. Seine Naturschutzorganisation hat in den letzten Jahrzehnten bereits ähnliche Projekte umgesetzt. Betsche weiss aus Erfahrung: «Die Bevölkerung identifiziert sich schon kurze Zeit nach der Umsetzung mit der neuen Auenlandschaft.» Er ist überzeugt, mit der Aue Grien einen Mehrwert zu schaffen, von dem Menschen und die Natur profitieren.
Bis es so weit ist, dominieren in den nächsten Monaten Bagger und Lastwagen die Szenerie bei der Sandbank. Von diesen Baufahrzeugen war am Spatenstich noch nichts zu sehen. «Sie tauchen schon bald auf», versicherte Ulysses Witzig, Geschäftsführer der Crea Natira GmbH, der Tochterfirma von Pro Natura Aargau. Diese Bagger werden einen rund 250 Meter langen, 20 Meter breiten Seitenarm der Reuss ausheben und dafür 2,5 bis 3 Meter tief graben. Den Oberboden der heutigen Wiese verwenden die Verantwortlichen für die Aufwertung eines anderen Standorts, der restliche Aushub wird so gut wie möglich vor Ort verwendet.
Im Grien soll eine Landschaft entstehen, die sich teilweise selbst reguliert. Wobei einzelne Uferverbauungen dafür sorgen, dass bei Hochwasser nicht zu viel Land erodiert. «Wir stellten an anderen Orten fest, dass selbst diese Uferverbauungen einen wichtigen Lebensraum für seltene Libellen darstellen», weiss Witzig. «Zudem profitieren Fischarten wie die Äsche und das Bachneunauge von den Massnahmen.» Der Eisvogel soll seine Bruthöhlen in die neuen Steilufer graben können. Der kleine und sehr laute Laubfrosch profitiert von zwei neu geschaffenen Tümpeln.
Bevölkerung miteinbezogen
«Sehr wichtig ist uns aber auch die Bevölkerung», versicherte Ulysses Witzig. «Für sie schaffen wir im Bereich der Sandbank einen Picknick-Platz.» Da der neue Reuss-Seitenarm den bisherigen Weg entlang der Reuss unterbricht, wird dieser neu auf der Hangkante gebaut. Die Sandbank bleibt erhalten. «Wir rechnen gar damit, dass sie wohl etwas grösser wird», so Witzig. Weiter stehen bleibt auch die ortsbildprägende und Schatten spendende Linde bei der Sandbank.
Keine Menschen möchten die Verantwortlichen im Seitenarm, da dieser den Lebensraum für viele bedrohte Arten darstellt. Deshalb wird die Durchfahrt per Boot untersagt. Ebenso soll die neu geschaffene Insel nicht betreten werden, damit sich die Tier- und Pflanzenarten dort ungestört entfalten können.
Eine Attraktion verspricht Ulysses Witzig der Bevölkerung bereits während der Bauphase: «Um besseren Einblick in die Baustelle zu erhalten, stellen wir bald einen mobilen Turm auf.»
Arbeiten bis Ende November
Läuft alles nach Plan, werden die Arbeiten bis Ende November abgeschlossen sein. Damit findet ein Projekt seinen Abschluss, dessen Wurzeln bereits 20 Jahre zurückreichen. «Es brauchte sehr viele Gespräche und enorme Ausdauer, bis wir jetzt so weit sind», blickte Matthias Betsche zurück. «Das Projekt ist sehr komplex. Es gilt, die verschiedensten Bedürfnisse aufeinander abzustimmen.» Dazu gehörte nur schon, überhaupt das Land zu erwerben. Das gelang der Naturschutzorganisation, indem sie anderes Land kaufte, und dann gegen jenes im Grien abtauschte. Aber auch gewässerbaulich sei diese Renaturierung eine Herausforderung. Betsche dankte deshalb allen, die bisher irgendwie an diesem Projekt beteiligt waren und sind.
Ein wichtiges Bedürfnis der Bevölkerung stellt das Sankbankbeizli dar. Dieses betreibt der Turnverein Fischbach-Göslikon seit vielen Jahren während der Wochenenden der Schulsommerferien bei der Sandbank. Dieses erhält trotz Baustelle auch heuer einen Platz.
Weitere Projekte vorgesehen
Für Matthias Betsche stellt diese Auenrenaturierung ein sehr wichtiges Projekt dar. Sie ist Teil des Auenschutzparks. Dieser wird seit der Annahme der Auenschutzinitiative 1993 umgesetzt. Ziel ist, mindestens 1 Prozent der Kantonsfläche wieder zu Auen zu machen. Wobei die 1 Prozent bereits erreicht wurden. «Der Auenschutzpark ist trotzdem noch nicht fertig. Denn die Initiative sprach von mindestens einem Prozent», betonte Betsche. «Wir setzen uns deshalb weiter für ähnliche Projekte ein, damit Mensch und Natur profitieren.»

