Neue Energie tanken
22.05.2026 Dottikon, Region UnterfreiamtDas Festival «Sounds of Garden» findet dieses Jahr nicht statt
Es ist wohl das Open Air mit dem schönsten Gelände. Mitten im Schaugarten der Firma Rosen Huber fand seit 2016 jährlich das «Sounds of Garden» statt. Dieses Jahr legt das OK ...
Das Festival «Sounds of Garden» findet dieses Jahr nicht statt
Es ist wohl das Open Air mit dem schönsten Gelände. Mitten im Schaugarten der Firma Rosen Huber fand seit 2016 jährlich das «Sounds of Garden» statt. Dieses Jahr legt das OK eine Pause ein. «Die letzten zwei Ausgaben gingen an die Substanz», sagt OK-Chef Jascha Baumann.
Chregi Hansen
Ein Open Air ist eben immer ein Risiko – wenn das Wetter nicht mitspielt, droht schnell ein Minus in der Kasse. Jascha Baumann weiss das bestens, schliesslich ist er beruflich im Bereich der Veranstaltungstechnik tätig. Aber auch sein eigenes Festival musste diese Erfahrung machen. «In den letzten beiden Jahren gab es jeweils ein grösseres Defizit. Nun ist der Gewinn aus den früheren Ausgaben vollständig weg», erklärt er. Für den kleinen Verein, der hinter dem «Sounds of Garden» steht, ein Warnschuss. «Wir stecken so viel Arbeit und Herzblut in das Projekt. Wir wollen nicht auch noch Geld verlieren», sagt der Hendschiker.
Einfach mal den Juni geniessen
Und darum hat der Verein schweren Herzens den Entschluss gefasst, dieses Jahr auf ein Open Air zu verzichten. Der Entscheid sei ihnen schwergefallen, berichtet der OK-Chef. Und es gab durchaus unterschiedliche Meinungen im Team. Letztlich aber habe die Vernunft gesiegt. «Wir sind im OK ein sehr kleines Team. Wir brauchen dringend Verstärkung und müssen einfach mal wieder Energie tanken», erklärt Baumann. Man wolle die Zeit auch nutzen, um neue Ideen zu entwickeln, auch bei der Finanzierung. Ob es eine Neuauflage gibt, sei offen. Grundsätzlich wolle man weitermachen, so der OK-Chef. Aber ein definitiver Entscheid über die Zukunft sei noch nicht gefallen. «Jetzt geniesse ich es einfach, im Juni mal Zeit für mich zu haben», gesteht er.
Auch wenn das «Sounds of Garden» ein Herzensprojekt war für ihn, so hat ihn die viele Arbeit doch gefordert. Und er war sich nicht zu schade, überall mitanzupacken, wenn Not am Mann war. So hat er sich auch schon mal in die Küche gestellt, wenn der Koch kurzfristig ausgefallen ist. Herausfordernd war stets der Aufbau – es war stets das Ziel des Teams, eine ganz spezielle Atmosphäre zu schaffen mit viel Liebe fürs Detail. Es sei immer sehr toll, mit dem ganzem Team eine Woche zu krampfen und gemeinsam das Gelände zu gestalten, so Baumann in einem früheren Gespräch, «aber es fehlt manchmal einfach an handwerklich begabten Leuten.»
Auch andere Festivals leiden
Trotzdem packte man die Herausforderung Jahr für Jahr wieder an. Allen Rückschlägen zum Trotz. Selbst während der Corona-Zeit, in der fast alle Open Airs Pause machten, zogen die Macher ihr Ding durch und fanden ein Konzept, mit dem das Dottiker Festival stattfinden konnte. Immer wieder hat man Neues ausprobiert. Hat etwa Gourmet-Tickets angeboten, Programme für Familien oder Themenabende eingeführt. Und jedes Jahr tolles Feedback von Publikum und Bands erhalten. Einzig die Zuschauerzahlen waren nicht immer genügend. Gerade die letzten beiden Ausgaben blieben weit unter den Erwartungen. «Kleinere und mittlere Festivals haben es schwer, das sieht man auch andernorts. Alles wird teurer, gerade auch die Gagen der Künstler. Umgekehrt nutzen immer weniger den Vorverkauf, entscheiden spontan über den Besuch», so Baumann. Damit haben die Veranstalter keine Planungssicherheit, erhöht sich umgekehrt das Risiko.
Doch Jammern mag er nicht. Auch weil er weiss, wie viel Freude er mit dem «Sounds of Garden» anderen gemacht hat. Das wurde ihm bewusst, als der Verein die Pause öffentlich gemacht hat. Am traditionellen Helferessen war die Enttäuschung gross, «viele waren seit der ersten Ausgabe mit dabei». Und so langsam macht die Meldung auch bei den potenziellen Besuchern die Runde, auch hier gibt es immer wieder Rückmeldungen. Jascha Baumann sieht die Pause aber auch als Chance. «Wir können uns verstärken im Team. Und allenfalls neu ausrichten. Wir brauchen vor allem auch neue Ideen in Sachen Finanzierung», sagt er. Heisst: Es muss erst wieder Geld da sein, bevor man eine neue Ausgabe anpacken kann. Denn ohne finanzielle Reserven sei das Risiko zu gross. Schliesslich will niemand im OK privates Geld verbrennen.
Keine Prognose abgeben
Und wie gross schätzt Jascha Baumann die Chance für eine Neuauflage des «Sounds of Garden» ein? Er hält sich bedeckt. Auch hier seien die Meinungen im OK unterschiedlich, gibt er zu. Das lässt zumindest hoffen, dass die Jubiläumsausgabe vom letzten Jahr nicht auch die letzte war. Und dass es nach dem 10. Festival auch noch ein 11. gibt. Es wäre wirklich schade, wenn in dieser fantastischen Umgebung keine Party mehr gefeiert würde. Doch vorerst geniesst das OK die Pause. Die Mitglieder haben sie verdient.

