Mit Suzi Quatro durch die Nacht
28.07.2026 Region Unterfreiamt, MusikDas 25. Schützi-Open-Air in Fahrwangen war ein voller Erfolg
Rund 2000 Menschen strömten am Samstag an die 25. Ausgabe des Schützi-Open-Airs in Fahrwangen. Zwischen langen Kolonnen, treuen Helfern, Nickless und Suzi Quatro wurde die Jubiläumsausgabe zu einer besonderen Sommernacht.
Heinz Strebel
Schon um 19.20 Uhr war klar: Dieser Abend würde nicht erst mit den grossen Namen beginnen. «Mitlizz7» spielte, vor der Bühne wurde getanzt, aus der Menge tönte «Freude herrscht!». Wenig später standen vor den Verpflegungsständen lange Reihen. Sie sollten bis zum Schluss kaum kürzer werden. Mann und Frau warteten geduldig, Gedränge oder Unruhe blieben aus. Organisator Res Kunz lobte die Gäste ausdrücklich für ihre Disziplin. Gegessen wurde reichlich: Rund 100 Kilogramm Schweinsbraten und 180 Kilogramm Pommes frites gingen über die Theken. Am Ende des Tages war alles ausverkauft.
Dutzende Freiwillige hielten den Betrieb am Laufen. Viele sind seit Jahren dabei. «Man hilft einander einfach», sagte Kunz. Helen Wallimann aus Zufikon gehört seit rund zehn Jahren zum Team. Sie mache mit, weil es eine gute Sache sei und viel Positives zurückkomme. «Res ist so ein guter und freundlicher Typ», sagt sie.
Kurz nach 20 Uhr gehörte die Bühne Nickless. Anfangs reagierten die Zuhörer noch verhalten. Spätestens bei seinem Radiohit «Waiting» änderte sich das. Vorne wurde es dichter, bald klatschten und tanzten die Leute mit. Viele Frauen rückten näher. Aus der Menge kam der Ruf: «Nickless, mer wänd es Chind vo dir!» Wie ernst das gemeint war, blieb offen. Der Strahlemann zauberte jungen und nicht mehr ganz so jungen Damen ein Lächeln ins Gesicht.
Anstrengende Wochen
Der Schweizer Sänger überzeugte mit kraftvollen Drumeinlagen, Soli und Gesang in hohen Lagen. Während seines Konzerts brach die Dämmerung herein. Paul Koch aus Wohlen war vor allem wegen Suzi Quatro gekommen. Doch auch Nickless gefiel ihm: «Er ist toll und sehr professionell.» Zudem spreche er ein etwas jüngeres Publikum an.
In der Pause zeigte sich das Ausmass des Andrangs. Zusätzliche Festbänke und Tische wurden aufgestellt, praktisch jeder Winkel genutzt. Trotzdem blieben viele stehen. «Wir hatten noch nie so früh so viel Publikum», sagte Res Kunz. Seine erste Schätzung: rund 500 Gäste am Freitag, etwa 2000 am Samstag.
Res Kunz sass für einen Moment da und liess den Blick über die volle Arena schweifen. Hinter ihm lagen anstrengende Wochen. Seit mehr als 25 Jahren trägt er das Schützi organisatorisch und finanziell; allfällige Löcher stopfte er selbst. Unter dem Strich sei die Rechnung gerade so aufgegangen. Geld und Gewinn seien zweitrangig. Entscheidend seien Freude, Musik und Stolz. «Heute ist einer jener Abende, für die sich der riesengrosse Aufwand lohnt.»
Dann kam Suzi Quatro
Schon lange vor Suzi Quatros Auftritt waren die besten Plätze besetzt. Als die 76-Jährige mit Bass und Band die Bühne übernahm, wurde es davor eng. Bläser, zwei Backgroundsängerinnen, Keyboard, Schlagzeug und Rockgitarre machten darauf eine grosse Show. Ihre berühmte Mähne fliegt noch immer durch das Bühnenlicht, heute grau meliert, aber mit derselben Wirkung wie einst. Vor allem aber hatte sie Energie. Sie sang, spielte Bass, setzte sich ans Piano und wechselte später sogar ans Schlagzeug. In der zweiten Hälfte lieferte sie ein langes Basssolo und stimmte danach mit ihrem Drummer ein Duo an. Dazwischen gab es leisere Momente, etwa allein am Klavier mit einem Lied an ihre schon lange verstorbenen Eltern oder bei «Stumblin’ In», das auch ohne Chris Norman das Publikum in seinen Bann zog. Mit Humor, Schalk und Selbstironie führte sie durch den Abend. Und wenn sie zum «Woah, yeah!» ansetzte, zeigte sich, dass sie auch in hohen Lagen immer noch Kraft besitzt.
Zum Mitsingen musste sie die Menge kaum auffordern. Die meisten kannten die Songs ohnehin und hatten schliesslich Jahrzehnte Zeit zum Üben. Bis nach 23.30 Uhr beherrschten Suzi Quatro und ihre Band die Bühne. Auch Petrus liess sich bis zum Schluss Zeit. Manche Konzerte enden mit dem letzten Ton, dieses nicht. Noch lange nach der Heimfahrt liefen die Songs im Kopf weiter, beim schreibenden Journalisten jedenfalls bis weit in die Nacht.



