Mit Herz und Unternehmergeist
29.05.2026 WohlenDer Unternehmer
Neuer Gemeinderat Thomas Geissmann
Er ist der grosse Rückkehrer. Nach zwölf Jahren Einwohnerrat legte Thomas Geissmann eine Polit-Pause ein. Dann plante er sein Comeback und wurde auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt ...
Der Unternehmer
Neuer Gemeinderat Thomas Geissmann
Er ist der grosse Rückkehrer. Nach zwölf Jahren Einwohnerrat legte Thomas Geissmann eine Polit-Pause ein. Dann plante er sein Comeback und wurde auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt – vor allem auch, weil er
Unternehmer ist. Nach der Einarbeitungszeit hat er nun Tritt gefasst. Gemeinderat? Das sei der richtige Entscheid gewesen, betont er. --dm
Serie: Die neuen Gemeinderatsmitglieder – eine erste Bilanz: Thomas Geissmann, Ressort Volksschule
Nach zwölf Jahren Einwohnerrat brauchte er eine Politpause. Dabei holte Thomas Geissmann neuen Schwung. Mit Elan und mit Unternehmergeist startet der Freisinnige nun in seine neue Ära. Im Gemeinderat kann er zudem seine Herzensangelegenheit betreuen.
Daniel Marti
Endlich ein Unternehmer im Gemeinderat. Mehr Unternehmergeist wurde in der Vergangenheit schon verschiedentlich gefordert, aber ausgerechnet Unternehmer tun sich oft schwer, in die Politik einzusteigen. Thomas Geissmann bringt beides mit: Mut zur Politik und Unternehmertum. «Logisch», sagt er heute, «meine Erfahrung als Unternehmer hat mir im Wahlkampf sicherlich geholfen.» Vor allem von bürgerlicher Seite habe er viel Support erhalten. «Das steigert aber auch die Erwartungshaltung.» Und die möchte er nun als Gemeinderat erfüllen.
Geissmann ist nicht «nur» Unternehmer oder Betriebsökonom oder Garagist. «Ich engagiere mich gerne, packe gerne an, wo ich etwas bewirken kann.» Die Extrameile zurückzulegen, dafür ist sich Thomas Geissmann nicht zu schade. Er nennt den Neubau des Pfadiheims als gutes Beispiel. Dort engagiert er sich mit den alten Pfadern stark und gerne. «Das ist etwas Bleibendes». Gleiches strebt er im Gemeinderat an. Auch darum ist ihm eine grundsolide Einarbeitungszeit eminent wichtig. Zu Beginn brauchte es Zeit, die Abläufe in der Verwaltung und das politische Prozedere zu verstehen, gibt er zu. Aber mittlerweile habe er Tritt gefasst im Gemeinderat. Und zwar so, dass er seine Freiräume weiterhin geniessen kann. Musik (Klavier, Geige), Sport, Familie und Ausflüge in die Berge sind ihm wichtig.
Bewusster Rückzug und vier Jahre Abstand
Bis der Sprung in den Gemeinderat geschafft war, dauert es seine Zeit. Thomas Geissmann (Jahrgang 1974) machte den Weg über den Einwohnerrat. Bis er zur Einsicht kam, «dass ich als Einwohnerrat nur begrenzt etwas bewirken kann». Die Tatsache, dass der Gemeinderat oftmals andere Gedanken nicht einbinden wollte, «hat mich genervt». Nach zwölf Jahren im Dorfparlament (2010 bis 2021) hatte er genug von der Lokalpolitik. Er zog sich sogar komplett zurück. Um dann ein Comeback im Gemeinderat anzustreben. «Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir die Auseinandersetzungen, damit man auf einen gemeinsamen Nenner kommt, fehlen», blickt er zurück. «Aber die vier Jahre Abstand haben mir gutgetan.»
Und jetzt geniesse er als Gemeinderat den Vorteil, die Perspektiven auch aus der Sicht des Einwohnerrates zu kennen. Darum wolle er eines besser machen als die Vorgänger: Alle Meinungen sollen stets frühzeitig eingebunden und die Menschen abgeholt werden. Gross planen und dann eine Abfuhr des Stimmvolkes kassieren, das soll es unter seiner Führung nicht (mehr) geben.
Die Schule Wohlen – ein schönes Geschenk
Dafür macht er sich im Gemeinderat grundsätzlich stark – und in seinem Ressort. Dort hatte er das Glück, dass er mit der Volksschule seine Herzensangelegenheit vertreten darf. «Die Bildung ist ein wichtiges Fundament und ein ganz wesentlicher Teil der persönlichen Entwicklung jedes Menschen», so Geissmann. Darum habe diese auch mehr Aufmerksamkeit verdient. «In Wohlen haben wir eine gute Schule, das ist schon mal ein schönes Geschenk.» Mit über 2400 Schülerinnen und Schülern sowie gegen 400 Lehrpersonen ist die Volksschule ein riesiges Unternehmen. «Und dieses Unternehmen läuft gut», sagt Geissmann, nachdem er über vier Monate lang Einblick nehmen konnte.
Er ging ohne Erwartungen an die Einarbeitung heran, er wollte einfach die Volksschule kennenlernen. Und er wurde positiv überrascht. Vor allem weil in Wohlen ein «besonderes Führungsmodell» angewandt wird. «Wegen diesem Schulleitungsmodell haben sich viele Lehrkräfte für die Schule Wohlen entschieden», weiss er inzwischen. «Alle Schulleitungen dürfen ihre Meinungen und ihr Wissen einbringen, das motiviert und das ergibt einen guten Spirit», beschreibt er seine positiven Erkenntnisse.
Neues Schulzentrum Farn: Es braucht sorgfältigen Entscheid
Für Gemeinderat Geissmann ist so ein gutes Gefühl entstanden. Von der Schulleitungskonferenz bekomme er sehr viel mit. «Das ist eine grosse Hilfe.» Auch darum fühlt er sich bestätigt, dass man seinerzeit die Schulpflege aus gutem Grund abschaffen konnte. «Jetzt ist die Schule stärker im Gemeinderat eingebunden. So gibt es einen direkten Draht von den Schulverantwortlichen zum Gemeinderat und umgekehrt.» In diesen Gremien Schulleitungskonferenz und Gemeinderat ist ein Thema omnipräsent: der fehlende Schulraum. «Das muss man als ständige Aufgabe betrachten», sagt der Freisinnige sofort. Früher sind gemäss Geissmann in der Schulraumplanungskommission zu viele Pausen eingelegt worden, betont er. «Und es haben die kritischen Stimmen gefehlt.» Das will er als neuer Präsident der Kommission schleunigst ändern. Er nennt gleich ein Beispiel: Ein neues Schulzentrum «Im Farn» – für viele Politmitglieder schon entschieden – muss zuerst mit Fakten überzeugen. «Da gibt es noch viele Diskussionen, bis ein fundierter Entscheid gefällt werden kann. Das Ergebnis ist aktuell offen», macht er klar.
Ganz vieles ist dafür beim Schulzentrum Halde klar. Die Erneuerung und Modernisierung geht dem Ende entgegen. Bald ist Einweihung. «Das neue Halde-Schulzentrum ist imposant», betont er, um gleich darauf hinzuweisen, dass er selbst nicht viel dazu beigetragen hat. «Mit diesem Bau schafft es die Gemeinde Wohlen endlich, auf die wachsende Schülerzahl zu reagieren. Es entsteht ein schönes, kompaktes neues Schulzentrum. Es ist funktional und geht auf die Bedürfnisse der Schule Wohlen ein. Es ist ein Jahrhundertprojekt. Das hat Wohlen gut gemacht.»
Die Vorfreude auf die Eröffnung ist jedenfalls riesig. Und man dürfe nicht vergessen, dass die Bezirksschule etliche schwierige Jahre hatte mit Platznot und Umzug ins Provisorium.
Erst eine Auslegeordnung
Kaum ist die Neuentwicklung des Halde-Zentrums vollendet, stehen die nächsten Schulraumprojekte vor der Umsetzung. Vor allem die Provisorien im Bünzmatt und im Junkholz. Dann folgt die Planung der Junkholz-Sanierung. «Das Gesamtbild ist wichtig, wir dürfen die Schulzentren nicht isoliert betrachten», räumt Geissmann ein. «Wenn beispielsweise das Schulzentrum Farn realisiert werden sollte, dann hat dies Auswirkungen auf das Junkholz.» Gemeinderat Thomas Geissmann will zuerst eine Auslegeordnung vornehmen. Der Schulraum sei enorm wichtig, «damit Schülerinnen und Schüler in der Schule eine gute Zeit verbringen können».
Dazu braucht es auch stabile Teams bei den Lehrkräften. Bei diesem wesentlichen Punkt kann sich die Volksschule Wohlen glücklich schätzen, dass sie den Lehrermarkt einigermassen entspannt betrachten darf. Es sei schwierig, gute Lehrkräfte zu finden, weiss Geissmann und nennt die Gründe, die für Wohlen sprechen: gute bestehende Lehrerteams, gutes Arbeitsklima, zeitgemässe Infrastruktur sowie eine ideale Organisation. Dadurch sei die Fluktuation recht tief.
In der Wachstumsphase zu zurückhaltend
Der Lehrermangel ist aktuell nicht akut, dafür mangelt es an Finanzen. Zusätzlichen Schulraum und Bildung zusammen markieren den grössten Ausgabeposten der Gemeinde. Die Finanzlage ist sehr angespannt. Das erzeugt Druck. Er sei sich dieser Verantwortung bewusst, so Geissmann. «Die finanzielle Verantwortung liegt beim Gesamtgemeinderat, und dieser will nicht nur weitere Schulden machen.» Die Investitionen in den fehlenden Schulraum seien zwar unbestritten, aber die Finanzlage dürfe deswegen nicht ausser Acht gelassen werden. Ihn interessiert vor allem die laufende Rechnung, erklärt er. «Wenn hohe Schuldzinsen die Rechnung belasten, wird der Handlungsspielraum eingeschränkt.» Darum müsse zumindest die Rechnung ausgeglichen sein.
Dass viele Einwohnerinnen und Einwohner mittlerweile einen grossen Respekt haben vor der Schuldenlast von bald 100 Millionen Franken mit Aussichten Richtung 150 Millionen, das ist für Thomas Geissmann nachvollziehbar. Zu früheren Zeiten sei man halt zurückhaltend mit Investitionen umgegangen, «oder man hat es verpasst, zum richtigen Zeitpunkt zu investieren». Zudem steckt Wohlen mitten in einer Wachstumsphase. Wenn die Gemeinde rasant von 11 000 auf 18 000 Einwohner wächst, dann können das Gemeindehaus und der Schulraum nicht gleich gross bleiben. Darum werde er sich auch bei den Finanzen einbringen, verspricht er. Also gute Tipps an Finanzministerin Claudia Hauri? «Nein, die ist selbst hervorragend aufgestellt, die braucht keine Tipps von mir», sagt er und schmunzelt.
Unternehmer sind auch Allrounder
Dagegen ist die Zusammenarbeit mit Gemeinderat Olivier Parvex intensiv. Parvex ist Vorsteher des Ressorts Planung, Bau und Umwelt. «Da gibt es viele Schnittpunkte.» Für Geissmann ein Vorteil. Denn von einem Gemeinderat werde sowieso erwartet, dass er «über sehr vieles Bescheid weiss», ergänzt der FDP-Politiker. Damit ist der Unternehmer wieder beim Unternehmertum angelangt. Geissmann geht als Unternehmer im Gemeinderat sehr gerne voran. Gleichzeitig wünscht er sich, dass sich der Handwerker- und Gewerbeverein «stärker politisch engagiert». Oft wollen sich diese Personen nicht exponieren, vermutet er. Vor allem KMU-Verantwortliche sind Allrounder und ein Stück weit Alleskönner. Personalwesen, Finanzen, Marketing gilt es zu beherrschen. «Das passt ja zur Politik.»
Thomas Geissmann könnte also sehr wohl ein Vorreiter sein. Da muss er schmunzeln. «Nein, da bin ich zu bescheiden. Aber andere Personen dürfen mir gern folgen. Denn im Gemeinderat ist es spannend und interessant.» Mit seinem Engagement möchte er beitragen, dass «sein» Wohlen, «seine» Stadt mit Dorfcharakter, sich weiterentwickelt. «Ich wünsche mir jedenfalls ein stärkeres Selbstbewusstsein. Und dass die negativen Stimmen verstummen.» Aus seiner Sicht ist es erstrebenswert, miteinander vorwärtszugehen. «Damit wir stolz auf unser Wohlen sein können.» Auch hier ist er absolut bereit, voranzugehen.


