Liebes «Schöner Wohlen»
24.02.2026 Wohlen, LeserbriefeZunächst möchte ich festhalten, dass Ihr junger Verein meines Erachtens eine Lücke in Wohlen füllt. Es ist wertvoll, wenn Ortsbild, Baukultur und Lebensqualität öffentlich thematisiert werden. Dies – und insbesondere der Leserbrief Ihres Präsidenten im ...
Zunächst möchte ich festhalten, dass Ihr junger Verein meines Erachtens eine Lücke in Wohlen füllt. Es ist wertvoll, wenn Ortsbild, Baukultur und Lebensqualität öffentlich thematisiert werden. Dies – und insbesondere der Leserbrief Ihres Präsidenten im «WA» vom 17. Oktober 2025 zu «Wer zählt das Volk?», der meine eigene Sichtweise widerspiegelt – hat mich ursprünglich bewogen, Ihrem Verein beizutreten.
Nun habe ich mich jedoch entschieden, wieder auszutreten.
Ich möchte dies kurz begründen: Bereits vor Ihrem Engagement in der Stach-Angelegenheit hatte ich Mühe, nachzuvollziehen, was dort genau abläuft. Bis heute habe ich den Eindruck, dass es sich erstens um eine weitgehend verlorene Sache, zweitens um eine gewisse Selbstinszenierung einzelner Ortsbürger und drittens um ein unschönes Perroud-Bashing handelt (siehe auch Aufsichtsbeschwerde von Dubler, Donat und Meier, welche vom Regierungsrat abgelehnt wurde).
Mit Ihrem Verein wird diese Dynamik aus meiner Sicht weitergeführt. Schlagzeilen in eigener Sache sind legitim und Petitionen gehören zur demokratischen Kultur. Sie springen aber mit Ihrem Verein auf einen alten Zug auf und beklagen sich über den abgewählten Gemeinderat. Da bleibt mir ein Déjà-vu mit Anschuldigungen und Klagen. Einige bekannte Ortsbürger und der «WA» werden sich bestimmt über Ihre Aktivitäten freuen. Ich empfinde diese Entwicklung allerdings als unergiebig.
Und noch etwas zum Isler-Areal: 1. Das Jacob-Isler-Areal ist für mich – und sollte es auch für «Schöner Wohlen» sein – einer der wichtigsten Orte in Wohlen. – 2. Seit Jahrzehnten existiert dort eine Brache (und ein Gestaltungsplan). Statt primär über Stach, Raiffeisen und «Zubetonieren» der Bünz zu lamentieren, sollte meines Erachtens Ihr Verein das ganze Isler-Areal thematisieren. – 3. Leider habe ich von Ihrem Verein bislang keine Initiativen gesehen, um dort wenigstens temporäre Begegnungsräume zu schaffen. – 4. Seit Jahren könnten mit überschaubaren Mitteln beispielsweise ein Kiesplatz, eine Blumenwiese, einige Bänke, ein paar Sträucher, eine Feuerstelle oder ein Schachfeld realisiert werden. – 5. Solche niederschwelligen Angebote würden Begegnungen fördern – dafür braucht es keine grossen Ressourcen. Bei einem erfolgreichen Crowdfunding würde kein Steuerprozent in die Höhe getrieben und kein Steuerfranken missbraucht.
Meine Bitte: Nutzen Sie Ihr Potenzial nicht nur für Kritik (Raiffeisen, Stach), sondern auch für kreative und konstruktive Impulse. Wohlen schöner zu gestalten, hat viel mit Gestaltungskraft und Ideenreichtum zu tun.
Es ist gut möglich, dass ich in einzelnen Punkten falsch liege. Dennoch habe ich für mich entschieden, mich nicht weiter zu engagieren, und trete hiermit aus Ihrem Verein aus. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Energie für zukünftige Projekte in Wohlen.
Silvio Abt, Wohlen
