Komplexität nimmt laufend zu
05.06.2026 Bremgarten, WohlenDas Vorbild geht neue Wege
Kesd Bezirk Bremgarten: Präsidentenwechsel von Arsène Perroud zu Natascha Brunold
Es war seine letzte Amtshandlung als Präsident des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes Bezirk Bremgarten. Arsène ...
Das Vorbild geht neue Wege
Kesd Bezirk Bremgarten: Präsidentenwechsel von Arsène Perroud zu Natascha Brunold
Es war seine letzte Amtshandlung als Präsident des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes Bezirk Bremgarten. Arsène Perroud, ehemaliger Wohler Gemeindeammann, übergab das Präsidium an Natascha Brunold und ernteten ganz viel Anerkennung und Wertschätzung.
Daniel Marti
Acht Jahre lang war er Präsident des Kesd des Bezirks Bremgarten. Und in dieser Zeit habe Arsène Perroud den Vorstand und die gesamte Organisation geprägt. Dies sagen Vizepräsident Daniel Sommerhalder (Bremgarten) und die neue Präsidentin Natascha Brunold (Zufikon). Die Fussstapfen von Perroud sind laut Brunold riesig. «Arsène Perroud hat für uns alle vom Vorstand eine Vorbildfunktion.» Es stehe viel Arbeit an, sagte die neue Kesd-Präsidentin noch. «Und ich werde mein Bestes geben.»
Ein neuer Kick, ein neuer Job
Auch Arsène Perroud gab sein Bestes – acht Jahre lang als Präsident und mit seiner Abschiedsrede. Würdevoll verabschiedete er sich von seinem Team und von den Abgeordneten der 14 Kesd-Gemeiden. Es sei eine edle Aufgabe Menschen zu helfen, die in Not sind, betonte er.
Nun steht für den ehemaligen Wohler Gemeindeammann ein wesentlicher Schritt an. Der Schritt in die Privatwirtschaft. «Es ist wie ein neuer Kick», erklärt er. Arsène Perroud startet nach den Sommerferien eine neue Herausforderung als Projektleiter bei der Firma TBF, einem Ingenieur-, Planungsund Beratungsunternehmen. Bei TBF werden Vorhaben zu komplexen Fragen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Mobilität und Umwelt geplant und realisiert. «Dies umfasst Projekte im Schienen- und Strassenverkehr, den Ausbau thermischer Netze und erneuerbarer Energien, Entsorgungs- und Recyclinganlagen sowie den Hochwasserschutz, Gewässerraumaufwertungen oder das Management von Naturgefahren», beschreibt er seinen neuen Job. Auch die nachhaltige Areal- und Raumplanung, Gesamtverkehrskonzepte oder digitale Transformationen im Infrastrukturbereich gehören zum vielfältigen Leistungsportfolio.
«Bei solchen weitreichenden Infrastrukturprojekten und strategischen Prozessen treffen vielfältige Interessen unterschiedlicher Anspruchsgruppen aufeinander.» Hierbei könne er seine Expertise aus der Gemeindeexekutive und der Regionalplanung einbringen, «um an den Schnittstellen zu Bevölkerung, Politik und Behörden tragfähige Lösungen sicherzustellen», sagt Arsène Perroud. Mit neuem Elan möchte er diese Herausforderung angehen.
Abgeordnetenversammlung Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (Kesd) des Bezirks Bremgarten
Beim Kesd blickt man zuversichtlich in die Zukunft. Ein neues Personalreglement und ein Verpflichtungskredit für den Umbau am Sitz in Wohlen in der Höhe von 500 000 Franken wurden einstimmig genehmigt. Der Vorstand erlebt einen Erneuerungsprozess.
Daniel Marti
Die Bevölkerung im Bezirk Bremgarten wächst – und somit gehen auch die Fallzahlen beim Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (Kesd) Bezirk Bremgarten nach oben. Diese Entwicklung erklärte der scheidende Präsident Arsène Perroud, der seine letzte Abgeordnetenversammlung leitete, ausführlich. Dass das Bevölkerungswachstum Auswirkungen für den Kesd hat, liegt auf der Hand. Im Jahr 2020 wohnten rund 53 700 Einwohnerinnen und Einwohner im Bezirk Bremgarten, aktuell sind es 57 900. Also eine Steigerung von 7,8 Prozent.
Die Schutzmassnahmen bei den Erwachsenen liegen zurzeit noch unter dem kantonalen und nationalen Durchschnitt, bei den Kinderschutzmassnahmen liegen die Kennzahlen leicht über dem kantonalen Durchschnitt. Beim Fallwachstum ist der Kesd des Bezirks Bremgarten jetzt wieder auf dem gleichen Niveau angelangt wie im Jahr 2020 – dazwischen liegen jedoch die Austritte der Gemeinden Berikon, Büttikon und Villmergen. Das sei ein normales Wachstum, so Perroud. Total waren es 1045 Mandate im Jahr 2025. Auch bei den rapportierten Stunden (rund 35 000) geht die Zahl nach oben. «Die Komplexität der Fälle nimmt laufend zu», erklärte Perroud. Auch die aktuellen Fallzahlen der ersten vier Monate des aktuellen Jahres zeigen nach oben.
Der Druck auf des Personal wächst also. Und beim Kesd Bezirk Bremgarten werden die nationalen Empfehlungen nicht erreicht. Pro 100-Prozent-Stelle sollten beim Erwachsenenschutz maximal 60 Mandate geführt werden, im Kindesschutz sind es 50 Mandate. Man gehe das Personalwachstum gestaffelt an, so Perroud. Bis ins Jahr 2030 sollten es gegen 35 Angestellte sein. «Das Personal ist ein grosses Thema. Wir haben einen stabilen Dienst mit kompetenten Mitarbeitenden.» Es ist erstrebenswert, dies so weiterzuführen.
Neues Personalreglement, mehr Platz am Sitz in Wohlen
In diesem Sinne wurde auch ein neues Personalreglement einstimmig genehmigt. Die alte Fassung stammt aus dem Jahr 2010. «Die Anpassungen garantieren, dass sich der Kesd als moderner Arbeitgeber positionieren kann», so Perroud, «das Reglement entspricht nun wieder den heutigen Anforderungen.» Auch bei der Infrastruktur sind die Abgeordneten der 14 Gemeinden bereit zu investieren. Ein Verpflichtungskredit von 500 000 Franken für den Ausbau des ersten Obergeschosses, 2. Teil, am Sitz an der Breitistrasse wurde bewilligt. Weil sich der vorherige Mieter zurückgezogen hat, ist diese Möglichkeit entstanden. «Die Sicherheits- und Datenschutzanforderungen werden aktuell nicht eingehalten. Das ist ein grosses Defizit», argumentierte Präsident Perroud. Weiter spricht das Wachstum bei den Mitarbeitenden für den Ausbau. Und mit dem Ausbau kann (endlich) eine klare Trennung zwischen Besucherströmen sowie Büro und Beratungen erreicht werden.
«Es gibt keine günstigere und bessere Lösung», betonte der Präsident. Davon liessen sich die Abge ordneten überzeugen. Beim Kesd Bezirk Bremgarten sind folgende 14 Gemeinden angeschlossen: Bremgarten, Dottikon, Eggenwil, Fischbach-Göslikon, Hägglingen, Jonen, Niederwil, Sarmenstorf, Tägerig, Uezwil, Unterlunkhofen, Widen, Wohlen, Zufikon.
Mit Kostensteigerung rechnen
Noch ein Blick auf die Finanzen: «Die Rechnung ist positiv», konnte Arsène Perroud verkünden. Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Gesamtaufwand von 4,55 Millionen Franken ab. Der gesteigerte Bedarf an Springerinnen und Springern sowie die Informatik haben zu einem Mehraufwand geführt.
Im Budget 2027 wird mit einer Kostensteigerung gerechnet. Für Lohnkosten, Miete und Informatik werden mehr finanzielle Mittel benötigt. Bei den Lohnkosten sei der Kesd Bezirk Bremgarten jedoch immer noch unter den Richtlinien, versicherte Perroud. Und das Personalwachstum werde weiter anhalten. Dies zum Wohl der Menschen, die in Not sind und Unterstützung benötigen.
Und diese Aufgabe wird künftig von einem neu formierten Vorstand begleitet. Arsène Perroud wird auf dem Präsidentenposten von Natascha Brunold abgelöst (siehe Artikel unten). Daniel Sommerhalder (Vizepräsident), Dominique Meier, Martina Balmer und Sonja Isler-Rüttimann werden im Vorstand mithelfen, das Kesd-Schiff weiterhin erfolgreich zu steuern.
«Eine der edelsten Aufgaben»
Die Abgeordnetenversammlung des Kesd stand im Zeichen von Verabschiedungen und vom Präsidiumswechsel
Grosser Umbruch im Vorstand. Drei verdienstvolle Mitglieder gehen, drei neue wurden gewählt. Der Wechsel auf dem Präsidiumsposten ist bedeutungsvoll. Arsène Perroud wurde stilvoll verabschiedet. Natascha Brunold ist seine Nachfolgerin.
Arsène Perroud habe den Vorstand, ja die gesamte Organisation während acht Jahren geprägt, sagte Natascha Brunold über den abtretenden Präsidenten des Kesd Bezirk Bremgarten. Dem konnten alle Abgeordneten nur zustimmen. Und zum Abschied von Perroud gab es nicht nur Geschenke, sondern auch einen riesigen Applaus und anerkennende Worte von Natascha Brunold (neue Präsidentin) und Daniel Sommerhalder (Vizepräsident).
Perroud habe dem Team und dem Vorstand immer viel Vertrauen geschenkt, erklärte Sommerhalder. «Danke für deine Verlässlichkeit und für deinen Humor. Es war eine gefreute Sache, mit dir zusammenarbeiten zu dürfen», so der Bremgarter Stadtrat weiter. Und Natascha Brunold betonte, dass der Kesd des Bezirks Bremgarten «sehr gut aufgestellt ist». Dies sei das Verdienst von Arsène Perroud. «Auf diesem Fundament können wir nun weiterarbeiten.»
«Die Stärke einer Gesellschaft …»
Vom 8. Mai 2018 bis 2. Juni 2026 war Perroud Präsident des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes des Bezirks Bremgarten. Mit dem Abschied als Gemeindeammann von Wohlen endete praktisch auch sein Kesd-Mandat. Und er führte dieses Amt mit Herz und Seele. Mit Begeisterung, Leidenschaft und Überzeugung. Dies merkte man allerspätestens bei seiner Abschiedsrede. Er war gerne acht Jahre lang Kesd-Präsident, auch wenn man sich da auch mal durchbeissen müsse. Er selbst sei sowieso nie im Mittelpunkt gestanden. «Ich denke an die Menschen. An die Kinder, die Schutz brauchen. An die Familien, die in Krisen stecken. An Menschen, die nicht mehr selbst für sich schauen können.» Für die ist der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst da. Darum fällt Perrouds Einschätzung auch besonders aus: «Ich hatte eine der edelsten Aufgaben, die mir von der Gesellschaft übertragen wurde.» Menschen, die in Not sind, zu helfen, das gehöre nur selten zu politischen Aufgaben, so Perroud.
Und der messbare Erfolg dieser Aufgabe? «Der zeigt sich, wenn Existenzen gesichert werden können.» Oder wenn man dazu beitragen könne, Menschen in schwierigen Situationen zu stärken. «Die Stärke einer Gesellschaft zeigt sich in der Art und Weise, wie man mit den Schwachen umgeht. Das ist Ausdruck von Solidarität und Menschlichkeit.»
Netzwerk bedeutet Stärke
Und Arsène Perroud blickte auch in die Zukunft. Wie die Gemeinden den wertvollen umfassenden Dienst des Kesd sicherstellen können, dies sei eine zentrale Frage. Die Bevölkerung wird älter, die psychischen Erkrankungen nehmen zu. «Hier geht es nicht um die Frage, wer schuld ist. Wie lösen wir die Probleme? Das ist zentral.» Nur mit einem starken Netzwerk von Abgeordneten, Mitarbeitenden, Gericht, Vorstand und Geschäftsleitung sei der Erfolg weiterhin garantiert. «Denn der Einzelne kann nichts bewirken.»
Er gab den Mitarbeitenden den Rat, ihre Professionalität zu bewahren. Und den Gemeindevertretern gab er mit auf den Weg, zum Kindes- und Erwachsenenschutzdienst Sorge zu tragen. «Denn es ist unsere Aufgabe, die Menschen, die in Not sind, zu unterstützen», so Arsène Perroud.
Hegglin und Stutz gebührend verabschiedet
Und es war auch seine persönliche Aufgabe, die beiden zurückgetretenen Vorstandsmitglieder zu verabschieden. Heidi Hegglin (Dottikon) und Cornelia Stutz (Niederwil) weilten seit Mai 2019 im Vorstand. «Beide haben vieles zur Stabilität des Vorstandes geleistet. Sie haben anspruchsvolle Entscheidungen treffen müssen und immer den Blick fürs Wesentliche behalten», so Perroud. Hegglin und Stutz haben laut Perroud Verantwortung übernommen und den Vorstand mit ihrer Kompetenz bereichert. «Und beide haben bewiesen, dass Professionalität und Menschlichkeit zusammengeführt werden können. Es war eine Freude, mit euch zusammenzuarbeiten.»
Hegglin, Stutz, Perroud verlassen also den Kesd-Vorstand. Dominique Meier (Dottikon), Martina Balmer (Niederwil) und Sonja Isler-Rüttimann (Wohlen) wurden neu in den Vorstand gewählt. «Ihr werdet eine spannende Arbeit vorfinden und auf ein lässiges Vorstandsteam treffen», sagte der scheidende Präsident Perroud.
Zusammen mit Vizepräsident Daniel Sommerhalder (Bremgarten) und Präsidentin Natascha Brunold (Zufikon) bilden die drei Neuen das künftige Fünfer-Gremium. Sie danke für das Vertrauen, das sie geniessen dürfe, sagte Brunold nach ihrer Wahl. Auch das Vertrauen der grossen Gemeinde Wohlen strich sie heraus, denn zuvor war das Präsidentenamt stets in Wohler Händen.
Dem Vorbild folgen
Und wie lautet das Ziel der neuen Präsidentin? Sie möchte das Amt in den grossen Fussstapfen von Arsène Perroud weiterführen, sagt sie. «Arsène Perroud hat eine Vorbildfunktion, sein Fachwissen ist enorm.» Das Präsidium so weiterzuführen, sei erstrebenswert. Weiter wolle sie einen Entwicklungsprozess starten. «Wir sind sehr gut aufgestellt, aber vielleicht können wir uns auch verbessern. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass beispielsweise bei den Kindern die Arbeit bei den Eltern beginnt. Die müssen wir wieder stärker in die Pflicht nehmen.»



