«Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber es haben nicht alle den gleichen Horizont.» Das Bonmot ist vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler und EU-Mitbegründer Konrad Adenauer überliefert und man könnte es durchaus auch auf die aktuelle Energiedebatte ...
«Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber es haben nicht alle den gleichen Horizont.» Das Bonmot ist vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler und EU-Mitbegründer Konrad Adenauer überliefert und man könnte es durchaus auch auf die aktuelle Energiedebatte übertragen. Man stelle sich vor, die Generationen, die vor uns lebten, hätten gleich viele nicht erneuerbare Ressourcen verbraucht wie die unsere. Sie hätten uns schon längst buchstäblich in die Wüste geschickt. Vom Ackerland, das auf eine intakte Biodiversität im und über dem Boden angewiesen ist, bis zur Tankstelle, die die Nachlieferung aus den – begrenzten – fossilen Vorräten benötigt. Die Zähler ständen längst still. Nachhaltig ist nur, was erneuerbar ist. Unter anderem auch der erneuerbare Mensch. Schon rein biologisch gesehen sähe er wie jeder Organismus ohne Zellerneuerung noch schnell alt aus, wäre dem Zerfall ausgeliefert.
Der anbrechende Frühling, der den alljährlichen natürlichen Erneuerungsprozess einläutet, und die erlebten Ostertage zeigen Perspektiven auf, wo auch wir Menschen erneuerbar sind. Oder es wären. Biologisch gesehen bei der Zellerneuerung, die nicht nur in den Muskeln und Nerven, sondern auch in Hirn und Herz stattfindet. Auch dort Stillstand verhindert.
Wenn wir auf die Geschichte schauen, waren es neben materiellen immer auch «geistige» Erneuerungen, die es schafften, aus Krisen, Kargheit und Krieg herauszukommen. Um den Sprung zu schaffen, in neuen Perspektiven, neuen Entwicklungen neue Lebensqualitäten zu entdecken. Durch Kommunikation, Kooperation und Kreativität. Da scheint eine Zäsur vom räuberischen Lebensund Wirtschaftsmodell des Ausbeutens, Verbrauchens und Wegwerfens hin zu einem Lebensmodell der Achtsamkeit, der Gestaltungsfreude, des Wiederverwertens, nicht nur dringend nötig, sondern auch sinn- und lebenserfüllend zu sein. Dazu braucht es nicht nicht-erneuerbare Kernenergie, die spaltet, sondern kernige Energie, die eint.
Martin Köchli, Weissenbach