Integration über die Sprache
23.06.2026 Wohlen, Vereine, Bildung27. Generalversammlung des Vereins «Lernen im Freiamt» – Georg Merki neuer Präsident
Die Angebote von «Lernen im Freiamt» sind ein wichtiger Bestandteil der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. 854 Teilnehmende aus 73 ...
27. Generalversammlung des Vereins «Lernen im Freiamt» – Georg Merki neuer Präsident
Die Angebote von «Lernen im Freiamt» sind ein wichtiger Bestandteil der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. 854 Teilnehmende aus 73 Nationen besuchten die Kurse des Vereins.
Monica Rast
Georg Merki ist erst seit einem Jahr im Vorstand und übernimmt nun das Präsidium von Andrea Duschén. «Da ich pensioniert bin, wollte ich eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben. Und die Aufgaben im Verein passen zu meiner früheren Tätigkeit», meint Merki lachend, «zudem passiert die Integration über die Sprache.»
Georg Merki möchte den Verein so weiterführen, dass auch in Zukunft alles rundläuft. Doch nicht nur im Vorstand gab es einen Wechsel. Die Geschäftsstelle wird seit dem 1. Juni von Lalita Wild geführt. Sie kann voll und ganz hinter der Idee des Vereins stehen. «Ich habe schon viel über ‹Lernen im Freiamt› gehört und habe auch schon Deutsch unterrichtet. Hier kann ich alles, was ich bereits gemacht habe, in einem Job vereinen.»
Der Verein kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Obwohl es weniger Kurse gab, was auf einen Formatwechsel zurückzuführen ist, konnte die Rechnung mit einem Gewinn von 9000 Franken abschliessen. Für 2026 wird hingegen wegen eines höheren Personalaufwands ein Verlust budgetiert.
Erfolgreiche Kurse mit Kinderbetreuung
In Muri konnte erstmals ein Kurs mit Kinderbetreuung angeboten werden. Zudem gab es in Wohlen erstmals einen Kurs mit Kinderbetreuung auf dem Niveau B1.
Insgesamt fanden 13 Kurse mit Betreuung statt. Diese kamen dank der Unterstützung der Gemeindevertreter zustande und erfreuen sich grossen Zulaufs.
Über 59 Kinder besuchten die Betreuung und profitierten so direkt von der Begegnung mit der deutschen Sprache. Die Kinder lernen dabei nicht nur Alltägliches, sondern auch die Farben durch das Malen und Basteln. Mit Singen, Finger- und Zählspielen lernen sie, sich in der Gruppe zurechtzufinden. Dank ihrer langjährigen Erfahrung meistern die Betreuerinnen auch schwierige Phasen. «Ohne die wertvolle Arbeit der Betreuerinnen könnten sich die Mütter in dieser Zeit nicht auf das Lernen der deutschen Sprache konzentrieren», meint der Präsident.
Kurse mit sozialen Komponenten
«Dass die Kurse mit Erfolg angeboten werden können, ist vor allem den engagierten Kursleiterinnen zu verdanken», erklärt Andrea Duschén, «mit grosser Empathie und Leidenschaft verstehen sie es, in der multikulturellen Klasse Deutsch zu vermitteln und ihnen die Gegebenheiten der Schweiz näherzubringen.»
Das Deutschlernen ist bei «Lernen im Freiamt» die Hauptsache. Doch die Kurse haben auch soziale Komponenten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Freundschaften über die Sprachgrenze hinaus schliessen, sich über Integration oder Arbeitsmöglichkeiten austauschen und werden gleichzeitig dabei selbstständiger und selbstsicherer.
Die Kursteilnehmenden fühlen sich in den Kursen gut aufgehoben und sind mit dem Lernerfolg zufrieden. So zufrieden, dass sie sich meistens gleich für einen Folgekurs anmelden. «Unseren 20 teils langjährigen Kursleiterinnen gebührt ein grosses Dankeschön für ihren Einsatz, der oft über den reinen Unterricht hinausgeht», meint der Präsident stolz.
Ehre, wem Ehre gebührt
Seit 25 Jahren engagiert sich Erna Aerne als Kursleiterin bei «Lernen im Freiamt». Zusätzlich ist sie seit 2008 ein wertvolles Mitglied des Vorstandes. «Ein Vierteljahrhundert hast du dein Wissen, deine Erfahrung und vor allem deine Begeisterung mit unzähligen Menschen geteilt», lobt Duschén die Jubilarin. «Du warst Motivatorin, Zuhörerin, Organisatorin und oft auch gute Seele zugleich.» Erna Aerne war in all den Jahren mit vollem Herzen dabei. Auch in Zeiten, in denen Veränderungen, Herausforderungen oder zusätzliche Aufgaben anstanden. Ihr Engagement hat den Verein geprägt und bereichert. «Du hast Spuren hinterlassen – nachhaltig, menschlich und wertvoll.»
Spuren hinterlassen
Doch nicht nur Aerne hat Spuren hinterlassen. Sondern auch Andrea Duschén in seinen sechs Jahren, in denen er das Präsidium führte. Der Verein war in voller Fahrt. Man hatte viele Ideen und Pläne. Dann kam Corona. «Es gab kein Handbuch mit Anweisungen», erinnert sich Erna Aerne, «du hast nicht gejammert, sondern geschaut, dass es weitergeht.» Besonders geschätzt von den Vorstandsmitgliedern wurde die Erreichbarkeit des Präsidenten. «Du hattest immer Zeit und ein offenes Ohr für uns. Ein Präsident wird nicht an Traktanden gemessen, sondern daran, wie ihn Menschen in Erinnerung behalten.»
Andrea Duschén hat den Verein mit Herz und Verstand geführt. Gelassenheit war seine Stärke. Er sieht in Georg Merki einen kompetenten Nachfolger, der mit der Schule verbunden ist. «Eine gute Voraussetzung für einen Präsidenten», meint er.
Interessante Zahlen
Die Anzahl Abendkurse liegt unverändert bei 36. Es gab acht Samstagskurse und sechs Tageskurse auf dem Niveau B1 und B2. Es wurden 73 Kurse angeboten, welche von 854 Teilnehmenden aus 73 Nationen besucht wurden. Dabei waren genau ein Drittel Männer. Die meisten Teilnehmenden kamen aus der Ukraine (148), gefolgt von Italien (60) und Nordmazedonien (51).

