Die sogenannte Heiratsstrafe gehört abgeschafft – darin sind sich die meisten einig. Umso unverständlicher ist für mich, dass mit der Individualbesteuerung eine Lösung zur Abstimmung kommt, die bestehende Ungerechtigkeiten nicht behebt, sondern neue schafft. ...
Die sogenannte Heiratsstrafe gehört abgeschafft – darin sind sich die meisten einig. Umso unverständlicher ist für mich, dass mit der Individualbesteuerung eine Lösung zur Abstimmung kommt, die bestehende Ungerechtigkeiten nicht behebt, sondern neue schafft. Während Doppelverdiener-Ehepaare profitieren würden, müssten andere Familienmodelle – insbesondere Einverdiener-Familien – deutlich mehr bezahlen.
Interessant ist, dass die Debatte häufig so dargestellt wird, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man stimmt der Individualbesteuerung zu, wodurch Doppelverdiener-Familien profitieren und klassische Familien mehr zahlen; oder man lehnt ab und behält den Status quo mit seinen Ungerechtigkeiten. Was oft vergessen wird, ist eine dritte Variante: Die Ablehnung der Individualbesteuerung und die Annahme der Volksinitiative von Die Mitte Schweiz.
Diese Initiative will die gemeinsame Besteuerung von Ehepaaren beibehalten, wie dies heute der Fall ist, und gleichzeitig sicherstellen, dass Ehepaare gegenüber unverheirateten Paaren nicht benachteiligt werden. Dafür sieht sie ein Modell vor, bei dem bei der direkten Bundessteuer verschiedene Berechnungsarten zulässig wären – denkbar ist eine alternative Steuerberechnung oder ein Splitting-Modell. Diese Modelle haben viele Kantone bereits erfolgreich eingeführt; dies zeigt, dass eine faire Lösung ohne radikalen Systemwechsel möglich ist.
Im Vergleich dazu erkenne ich keinen einzigen Vorteil der Individualbesteuerung. Sie schafft neue Ungerechtigkeiten, belastet Familien und führt zu einem enormen administrativen Mehraufwand, während die Mitte-Initiative eine gerechte, einfache und praxiserprobte Alternative darstellt.
Mike Laue, Zufikon, Vize-Präsident Die Mitte Zufikon