In einem anderen Leben
27.02.2026 Wohlen, FilmFilmklub Wohlen zeigt «Past Lives» am Mittwoch, 4. März, im Chappelehof
Am Mittwoch, 4. März, 18.15 und 20.30 Uhr, wird im «Kino im Chappelehof» der viel beachtete Film «Past Lives» gezeigt. Das Kinodebüt der Dramatikerin ...
Filmklub Wohlen zeigt «Past Lives» am Mittwoch, 4. März, im Chappelehof
Am Mittwoch, 4. März, 18.15 und 20.30 Uhr, wird im «Kino im Chappelehof» der viel beachtete Film «Past Lives» gezeigt. Das Kinodebüt der Dramatikerin Celine Song erzählt von einer Frau und ihrem besten Kindheitsfreund, die sich nach Jahrzehnten wiederbegegnen.
«Past Lives», das Kinodebüt der südkoreanisch-kanadischen Dramatikerin Celine Song, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Als Drama, das in einer schlicht anmutenden Geschichte existenzielle Themen aufspürt; als Film über grosse Gefühle, der ganz leise, fast unscheinbar daherkommt; und als kluge Reflexion über Identität, Migration und das Verhältnis von Spiritualität und Weltlichkeit.
Im Mittelpunkt steht Nora, die aus Südkorea stammt und als 12-Jährige mit ihren Eltern nach Kanada zog. In Korea hiess sie Na Young und hatte einen besten Freund namens Hae Sung. Doch mit ihrer Auswanderung bricht der Kontakt ab.
Eine Geschichte über Migration und Assimilation
Zwölf Jahre später: Nora lebt inzwischen als Theaterautorin in New York. Aus einer Laune heraus sucht und findet sie ihren alten Freund auf Facebook. Es stellt sich heraus, dass er schon länger nach ihr forschte, aufgrund ihrer Namensänderung ohne Erfolg. Bereits in diesem beiläufigen Detail, mit der Verwestlichung des eigenen Namens und dem «Überschreiben» der ursprünglichen Identität, steckt eine eigene Geschichte über Migration und Assimilation. Vielleicht hilft den Zuschauern auch das Wissen, dass die Geschichte autobiografische Züge trägt. Jedenfalls entwickelt sich zwischen den beiden über regelmässige Skype-Gespräche, denen aufgrund der Zeitverschiebung immer auch ein nächtlicher Zauber anhaftet, erneut eine vertrauensvolle Beziehung. Bis Nora den Kontakt unvermittelt abbricht, als fürchte sie, dass die Vergangenheit ihre Zukunft beeinträchtigen könnte. Weitere zwölf Jahre vergehen. Nora ist inzwischen glücklich mit dem Amerikaner Arthur verheiratet, auch er ein Autor. Der Ingenieur Hae Sung lebt ohne feste Bindung in Seoul. Nun kündigt er an, für einen Besuch nach New York zu kommen.
Dieser längste Abschnitt des Films, der mit Hae Sungs Ankunft ganz beiläufig auch zu einem fein ziselierten New-York-Film wird, bildet das berührende Herzstück der Geschichte. Wiederholt ist vom spirituellen Konzept des «In-Yun» die Rede, laut dem die gegenwärtige Beziehung zweier Menschen vom Kontakt in ihren früheren Leben geprägt ist.
Noras früheres Leben liegt in Korea; ihr gegenwärtiges Leben, ihre über Jahrzehnte aufgebaute amerikanische Identität, wird durch das Treffen mit Hae Sung ins Wanken gebracht. In einer der besten Szenen erzählt sie ihrem Mann amüsiert-verwirrt, wie sehr sie sich im Kontakt mit Hae Sung wieder als Koreanerin fühlt. In wenigen Sätzen wird hier ein universelles Dilemma der Migrationserfahrung auf den Punkt gebracht.
Celine Songs Weltsicht ist zu humanistisch, um Arthur zu einem Hindernis auf dem Weg zum Liebesglück der Kindheitsfreunde zu degradieren. Mit nüchterner Klarheit hinterfragt Arthur seine eigene, undankbare Situation. Gegen das In-Yun scheint er machtlos, und seine stille Hilflosigkeit angesichts des drohenden Entgleitens seiner Frau gehört zu den berührendsten Momenten des Films, dessen Titel «Past Lives» eine melancholische Mehrdeutigkeit gewinnt. --pd
Infos und Reservation: www.filmklub.ch

