Idealen Nachfolger gefunden
13.03.2026 Dottikon, Region Unterfreiamt, Musik, PorträtHeinz Binder gibt die Leitung der Musikschule Dottikon an Stefan Grüninger ab
Der eine ist Ehrendirigent der Musikgesellschaft Dottikon, der andere leitet die «Concordia» in Hägglingen. Beide haben ein Faible für die Blasmusik und kennen und ...
Heinz Binder gibt die Leitung der Musikschule Dottikon an Stefan Grüninger ab
Der eine ist Ehrendirigent der Musikgesellschaft Dottikon, der andere leitet die «Concordia» in Hägglingen. Beide haben ein Faible für die Blasmusik und kennen und schätzen sich. Jetzt konnte Heinz Binder den Wohler Stefan Grüninger an die Musikschule Dottikon lotsen.
Chregi Hansen
Seit gut einem Monat ist er nun der neue Leiter der Musikschule Dottikon. «Ich habe eine sehr gut geführte Schule angetroffen mit funktionierenden Strukturen und tollen Unterrichtsräumen. Auch von den Lehrpersonen wurde ich gut aufgenommen», sagt Stefan Grüninger. Er weiss, wovon er spricht. Denn der Wohler Trompeter ist als Lehrer an verschiedenen Musikschulen tätig, ist auch Co-Leiter der Kreismusikschule Seetal. «Das Pensum hier ist für mich die ideale Ergänzung», sagt er.
Über Umwege zur Anstellung
«Eigentlich haben wir bloss einen Trompeten-Lehrer gesucht», erklärt Heinz Binder, bis Ende Januar Leiter der Musikschule Dottikon. Als Binder dann erfahren hat, dass Grüninger kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung als Schulleiter ist, war für ihn klar: «Das ist die ideale Person für meine Nachfolge. Wenn er zusagt, kann ich in Ruhe abgeben.»
Schon wieder kommt den Dottikern also ein Glücksfall zugute. Bereits die Anstellung von Heinz Binder im Jahr 2019 war so eigentlich nicht geplant. «Vizeammann Franz Lötscher hat mich angefragt, ob ich ihn im Bewerbungsprozess für den neuen Leiter unterstütze. Ich meinte, mit den vorhandenen 20 Prozent würde man keine gute Lösung finden. Wenn es auf 30 Prozent erhöht wird, dann wäre es eine interessante Stelle», erinnert sich der Hägglinger. Nur eine Woche später informierte Lötscher, dass der Gemeinderat die Erhöhung genehmigt hat. «Er meinte, jetzt müsse ich aber auch zusagen», erzählt Binder schmunzelnd.
Er hat diese Zusage nie bereut. Denn mit Dottikon fühlt er sich eng verbunden, 18 Jahre lang hat er hier die Musikgesellschaft dirigiert. Seit 2019 hat er die Musikschule Dottikon mit hohem Qualitätsanspruch und Professionalität geleitet. Daneben war er in gleicher Funktion an der Musikschule Lenzburg tätig, diese Stelle hat er bereits seit 2009 inne. «Die beiden Pensen liessen sich gut vereinen», sagt er heute. In Dottikon hat er die Verantwortung bereits abgegeben, in Lenzburg bleibt er noch bis Ende Jahr im Amt. Danach will es der 63-Jährige etwas ruhiger nehmen.
Nächstes Jahr Jubiläum feiern
Dass der Wechsel Ende Januar und nicht Ende Schuljahr erfolgt ist, ergebe Sinn, betonen die beiden. «Jetzt läuft die Anmeldung fürs neue Schuljahr. Jetzt müssen auch die Lehrpersonen gesucht werden. Es ist gut, wenn da der neue Leiter den Lead hat», sagt Binder. Zudem feiert die Musikschule Dottikon im nächsten Sommer ihr 50-Jahr-Jubiläum. Die Organisation dazu liegt nun ebenfalls in den Händen von Grüninger. «Das wird sicher etwas ganz Besonderes. Kommt dazu, dass Hägglingen im kommenden Jahr das Jugendfest feiert, das lässt sich gut verbinden», schaut der Wohler bereits voraus. Vorerst aber gilt seine Konzentration der Organisation des neuen Schuljahres. «Als eher kleine Schule müssen wir aktiv sein, damit wir immer wieder genügend Anmeldungen haben», weiss der neue Leiter.
Kritische Grösse
Tatsächlich ist die Musikschule Dottikon noch immer eigenständig, während andere sich längst zu grösseren Einheiten zusammengeschlossen haben. Für Heinz Binder hat das Vor- und Nachteile. Mit etwas mehr als 200 Schülern und Schülerinnen habe Dottikon eine kritische Grösse. Eigentlich, so der abtretende Leiter, brauche es das Doppelte. Aber da der Schulkreis auch die Gemeinden Hägglingen und Hendschiken umfasst, ist das Einzugsgebiet jetzt schon gross. Umgekehrt verfügt die Musikschule über eine sehr gute Infrastruktur. «An vielen Schulen findet der Unterricht in normalen Schulzimmern statt, die können erst ab dem späteren Nachmittag genutzt werden. Das macht es manchmal schwer, einen Stundenplan zu erstellen. In Dottikon haben wir Räume nur für die Musikschule», freut sich Grüninger.
Die eingeschränkte Grösse hat Einfluss auf das Angebot. In Dottikon können nicht alle Instrumente angeboten werden. «Nur wegen einem oder zwei Schülern kommt ein Lehrer nicht extra hierher», weiss Binder. Viele Musiklehrer sind an ganz verschiedenen Schulen tätig und müssen die Lektionen sinnvoll bündeln können. Das merke man in Dottikon vor allem bei den Blasinstrumenten. So gab es zuletzt nur eine Schülerin für Klarinette. «Wir konnten erreichen, dass sie an einer benachbarten Musikschule unterrichtet wird», erklärt Binder. Auch «exotische» Instrumente wie Harfe oder Waldhorn fehlen im Angebot, und die Anzahl der Ensembles ist kleiner als an anderen Orten. Dafür verfügt Dottikon mit den «Hoppers» über drei Nachwuchsformationen, die immer wieder für Aufsehen sorgen. Eine tolle Visitenkarte, die man auch nach der Pensionierung von Leiter Hansruedi Probst weiterführen will, wie Binder erklärt.
Das ist auch ganz im Sinne von Stefan Grüninger. Er gehörte vor 25 Jahren zur ersten Generation der «Hoppers». «Ich habe in der Schule mit Trompete angefangen, Hansruedi war damals mein Lehrer und Förderer», erinnert er sich. Die Leidenschaft für die Musik ist bis heute geblieben, auch wenn er ursprünglich Schreiner gelernt hat und erst später Musik studiert hat. In Bettwil übernahm der zweifache Vater seinen ersten Dirigentenjob, seit 2015 ist er musikalischer Leiter der «Concordia» Hägglingen. «Mir ist es wichtig, eng mit den Musikvereinen der angeschlossenen Gemeinden zusammenzuarbeiten. Wir haben doch die gleichen Interessen und sind nicht Konkurrenten.»
Musik hat hier grosse Tradition
Der Start ist dem Wohler geglückt. Vieles sei sehr gut am neuen Ort, einiges wird er aber auch ändern. Für die inzwischen abgeschlossene Ausbildung zum Schulleiter hat er eine Arbeit geschrieben zum Thema «Digitalisierung und Ressourcenplanung einer Musikschule». Er ist sicher, dass der eine oder andere Aspekt daraus ihm auch in Dottikon zugutekommt. Und schon heute freut er sich auf die Jubiläumsfeier im kommenden Jahr. Die wird sicher auch Heinz Binder besuchen. «Dottikon hat 1977 eine Musikschule gegründet. Das war vergleichsweise sehr früh. Aber Musik hat hier im Dorf eben eine grosse Tradition», weiss er. Und diese wird auch unter Stefan Grüninger weiter gepflegt.

