Historie inspiriert noch heute
02.06.2026 Wohlen, MuseumQuelle der Inspiration
Stilvolles Jubiläumsfest: Wohlen und die Region feierten an zwei Tagen 50 Jahre Strohmuseum
Es ist ein besonderer Ort und es erzählt eine faszinierende Geschichte. Deshalb bekam das Schweizer Strohmuseum zum ...
Quelle der Inspiration
Stilvolles Jubiläumsfest: Wohlen und die Region feierten an zwei Tagen 50 Jahre Strohmuseum
Es ist ein besonderer Ort und es erzählt eine faszinierende Geschichte. Deshalb bekam das Schweizer Strohmuseum zum Jubiläum ganz viel Lob.
Daniel Marti
Es war schon ein kleines Staraufgebot. Susanne Wille, die Generaldirektorin der SRG, hielt eine eindrückliche Rede. Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur im Aargau, ordnete den Stellenwert des Schweizer Strohmuseums ein. Und er betonte, dass die Strohindustrie aus Wohlen einst ein globaler Modeplayer war. Regierungsrätin Martina Bircher sprach von einer Erfolgsstory und Gemeindeammann vom Puls von Wohlen, den man eben im Strohmuseum spürt. Und auf der Musikbühne stand mit Nicole Bernegger ebenfalls ein kleiner Star. Die Soul-Ikone gewann im Jahr 2013 die erste Staffel der Schweizer Gesangs-Castingshow «The Voice of Switzerland». Mit ihrer starken Stimme kam sie beim Publikum sehr gut an. Gleiches gilt für Petra Giezendanner, das Museumspublikum hat die Museumsleiterin schon längst ins Herz geschlossen. Es sei erstaunlich, dass sich Wohlens Strohindustrie schon mit einem Museum befasste, als ein Ende der erfolgreichen Zeit absehbar war, erklärt sie. «Eventuell war es Nostalgie oder die Gefahr, dass Identität verschwinden könnte», so Giezendanner. Den Strohindustriellen Guido Bruggisser und Rudolf Isler ist es zu verdanken, dass vor 50 Jahren das Strohmuseum eröffnet werden konnte. «Heute ist das Museum ein lebendiger Ort der Begegnungen. Und hier wird eine faszinierende Geschichte über die ganze Region sichtbar gemacht.» Und für Petra Giezendanner ist das Strohmuseum auch ein Kurszentrum geworden «und eine Inspirationsquelle für neue kreative Ansätze».
Schweizer Strohmuseum: Vernissage der Sonderausstellung «Prix Paille. Aus der Sammlung in die Gegenwart»
Die Auswahl war vielfältig und die Projektideen von hoher Qualität. Von 91 eingereichten Arbeiten schafften es 15 in die Ausstellung, drei wurden an der Vernissage ausgezeichnet. Die neue Sonderausstellung zeigt, dass die Historie noch heute inspirierend ist.
Daniel Marti
«Das Museum wurde reichlich beschenkt», sagte Ruth Portmann, Präsidentin der Stiftung Freiämter Strohmuseum Wohlen. Damit meinte sie die riesige Teilnahme am Wettbewerb «Prix Paille», der in der Sonderausstellung «Aus der Sammlung in die Gegenwart» gipfelt. Es sei eine Ehre, alle Gestalter und Gestalterinnen der neuen Ausstellung zu begrüssen, so Portmann weiter. Stolze 91 Teilnehmende haben sich der Herausforderung gestellt, das kulturelle Erbe der Freiämter Hutgeflechtindustrie in die Gegenwart zu transportieren.
Der Wettbewerb wurde überraschenderweise zur internationalen Angelegenheit. 91 Projektideen, beispielsweise von ganz weit her, aus Bangladesch und Indien. Projekte aus Belgien, England, Frankreich, der Ukraine, aber auch aus der Schweiz wurden eingereicht. Eine äusserst positive Überraschung.
15 schafften es in die Ausstellung
Eine Fachjury entschied, welche 15 Projekte den Sprung schafften in die Sonderausstellung «Aus der Sammlung in die Gegenwart», die nun bis Ende April im Museum zu bestaunen sein wird. Auch das sei ein grosses Geschenk, so Ruth Portmann weiter.
Die treibende Kraft des Wettbewerbs und der Sonderausstellung ist Museumsleiterin Petra Giezendanner. Es sei ihr grosser Wunsch gewesen, einen solchen Wettbewerb durchzuführen, erklärte sie. Die Sammlung des Museums war der Ausgangspunkt für die 91 eingereichten Projektideen. «So können wir das kulturelle Erbe in Bewegung bringen», und es werde so aufgezeigt, «wie Stroh zu Gold geflochten wurde». Aber mit der neuen Ausstellung wolle das Schweizer Strohmuseum nicht zurück, sondern nach vorne schauen.
Sehr hohe Qualität der Arbeiten
Von einer doppelten Freude sprach Projektleiterin Miriam Rorato, sie ist Partnerin des Büros ImRaum in Baden. Einerseits wurde nach elf Jahren wieder ein Wettbewerb «Prix Paille» durchgeführt, andererseits steht das 50-Jahr-Jubiläum des Museums an. Auch sie wurde überwältigt von der grossen Anzahl Teilnehmenden. 91, das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2015. Miriam Rorato rühmte vor allem die Vielfalt der Beiträge. Diese Einschätzung konnte Jurypräsidentin Anna Niederhäuser vom Bundesamt für Kultur teilen. «Die unterschiedlichen Perspektiven aus Design, Handwerk, Lehre, Forschung und Museumspraxis haben die Diskussionen sehr bereichert», betonte sie. In der Jury wurden verschiedene Fragen gestellt. Vor allem: Wie überzeugend ist der Bezug zum Material Stroh und zur Geschichte der Hutgeflechtindustrie? Wie gelingt der Transfer in die Gegenwart? Und welche Wirkung entfaltet das Projekt als Objekt in der Ausstellung?
Und Anna Niederhäuser war voll des Lobes: «Die eingereichten Arbeiten zeigten deutlich, dass die Geschichte der Freiämter Hutgeflechtindustrie nicht einfach Vergangenheit ist, sondern auch heute noch inspirieren und neue Perspektiven eröffnen kann.»
Die Jurypräsidentin nahm zudem gleich die Preisverleihung vor. Der mit 7000 Franken dotierte erste Preis ging für die Arbeit «Setting Archive» an Clara Sollberger und Flavia Bienz. Platz zwei eroberten sich Hannah Zoë Weisbrod und Robin Louis Schneider für das Projekt «En Binôme». Und mit Platz drei wurden Maya Däster und Yvonne Fürst ausgezeichnet, der Titel ihrer Arbeit: «Auf Stroh gebettet». Die Qualität der Arbeiten war laut Niederhäuser «insgesamt sehr hoch, und viele Projekte hätten eine Auszeichnung verdient. Die drei Erstklassierten haben auf unterschiedliche Weise aufgezeigt, wie historisches Wissen und zeitgenössische Gestaltung miteinander in Dialog treten können.»
Das Museumsleben stärken
Nur dank vorbildlicher Zusammenarbeit konnte die neue Sonderausstellung realisiert werden. Es war ein Miteinander von Museumsleitung, Fachjury, Stiftung Freiämter Strohmuseum und einer Gruppe von Geldgebern. «Wir sind dankbar für die vielen Geldgeber, die den Wettbewerb und die neue Sonderausstellung ermöglicht haben», betonte Ruth Portmann. Denn die drei Erstplatzierten durften sich über einen schönen Barpreis freuen, 7000, 3000 und 2000 Franken. Neben den diversen Stiftungen erwähnte die Stiftungsratspräsidentin auch die Ortsbürgergemeinde Wohlen. Dank dieser Unterstützung sei das Museumsleben überhaupt möglich, sagte sie. «Das bestärkt uns, stets Ideen weiterzuverfolgen und weiterzumachen.»
Und Museumsleiterin Petra Giezendanner fügte noch an, «dass jeder Prototyp dieser Sonderausstellung uns einen anderen Zugang zur Hutgeflechtindustrie gibt». Auch darum sei ein Besuch der Ausstellung nur empfehlenswert.
Museums-Puzzle mit 1000 Teilchen
Daniel Güntert und Corina Haller führten durch 50 Jahre Strohmuseum
Die vielen schönen Strohhüte im Park bestätigten auf den ersten Blick, dass man am richtigen Ort war, nämlich am Jubiläumsanlass «50 Jahre Schweizer Strohmuseum».
Walter Minder
Die Besucherinnen und Besucher des Jubiläumsfestes wurden von Daniel Güntert und Corina Haller im ersten Teil des Museums-Puzzles zu einer Führung durch die Geschichte des Strohmuseums eingeladen. «Die vergangenen 50 Jahre setzen sich wie ein Puzzle aus vielen wichtigen Ereignissen zu einem Gesamtbild zusammen, nur braucht es dazu mindestens ein 1000er-Puzzle», so Daniel Güntert.
Weit mehr als 50 Jahre
Dann erinnerten die beiden «Museums-Puzzle-Führer» an die wichtigsten Stationen der Strohmuseums-Geschichte, die ihren Ursprung an der Landesausstellung 1914 in Bern hat, an der auch Exponate der damals blühenden Strohindustrie ausgestellt waren. Einige Strohindustrielle sorgten dafür, dass das Ausstellungsgut zwar erhalten blieb, aber die Idee eines Strohmuseums ging in den Wirren des Ersten Weltkrieges unter. 1940 nahm der damalige Verband aargauischer Hutgeflechtfabrikanten das Thema wieder auf und 1954 fand eine erste Ausstellung auf Schloss Heidegg ob Gelfingen statt, 1968 folgte auf Schloss Lenzburg die Ausstellung «Modes en Paille», die von über 60 000 Menschen besucht wurde – die Initialzündung für die Gründung der «Stiftung Freiämter Strohmuseum».
Oben Strohmuseum, unten Gemeindebibliothek
Dank der Initiative der Stiftung wurde am 13. Februar 1976 im ehemaligen Bankgebäude am Bankweg in den beiden oberen Stockwerken das Strohmuseum eröffnet. 2009 konnte die Ortsbürgergemeinde die Villa Isler kaufen, ein Denkmal der einst weltweit erfolgreichen Freiämter Strohindustrie. 2011 genehmigten die Ortsbürger einen Baukredit zur Umwandlung der Villa in ein modernes, zeitgenössisches Strohmuseum. Im Juni 2012 fand die Gründungsversammlung des Vereins «Freunde Strohmuseum» statt, dem schon bald über 800 Personen angehörten. Mit grossem ehrenamtlichem Aufwand wurde das Museumsgut vom Bankweg an die Bünzstrasse überführt, sodass 2013 das Strohmuseum am neuen Standort eröffnet werden konnte. 2023 erfolgte die Umbenennung in Schweizer Strohmuseum. Haller: «Seit zehn Jahren arbeiten wir intensiv mit dem Verein ‹stroh-in-form› zusammen und freuen uns, dass wir am Sonntag, 13. September, die Schweizer Strohtagung 2026 in unserem Museum durchführen dürfen.»
Menschen, die das Strohmuseum geprägt haben
Zum Teil zwei vom Museums-Puzzle konnten Güntert und Haller mit Yvonne Amsler, Anna Hegi und Elisabeth Zimmermann-Mäschli drei langjährige Unterstützerinnen begrüssen. Den Zugang zum ehrenamtlichen Engagement fürs Strohmuseum haben sie durch persönliche Beziehungen gefunden. Amsler stellt sich nicht nur für Führungen zur Verfügung, sie arbeitet seit einigen Jahren auch bei der Digitalisierung des Archivs mit. Von 2010 bis 2018 war Anna Hegi Leiterin des Strohmuseums und im Dorf als «Frau Strohmuseum» bekannt, musste dann aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Vorher hat die gelernte Kindergärtnerin Führungen im Schloss Hallwil und im Schloss Lenzburg übernommen. Zimmermann lachend: «Seit 1982 mache ich Führungen im Strohmuseum.» Jede der 777 Führungen in den vergangenen 44 Jahren hat sie dokumentiert. «Findet sich auf den Blättern auch die eine oder andere Anekdote?», fragte Güntert. «Es war eine Führung eines katholischen Frauenvereins, 22 Frauen und ein Mann. Ich fragte, ob es Zeit für einen Kaffee wäre. Natürlich. Also schickte ich den Mann als vermeintlichen Chauffeur ins nahe gelegene Café für die Ankündigung unseres Besuches. Und zu den Frauen: ‹Wir warten, bis der Chauffeur zurück ist.› – ‹Das ist nicht der Chauffeur, das ist unser Pfarrer …›»
Stolz auf eine glanzvolle Epoche
Feierlichkeiten rund um 50-Jahr-Jubiläum Schweizer Strohmuseum mit feierlichen Ansprachen
Das Schweizer Strohmuseum ist von grosser Bedeutung. Im Museum ist der Puls der Vergangenheit und der Gegenwart zu spüren. Seit einem halben Jahrhundert ist das Museum ein Leuchtturm, der weit in die Region hinausstrahlt.
Daniel Marti
Prominente Personen standen dem Strohmuseum Pate bei der Jubiläumsfeier. SRG-Generaldirektorin Susanne Wille, Regierungsrätin Martina Bircher, Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton Aargau, und Gemeindeammann Roland Vogt zählten zu den Gratulanten. Und sie alle hielten ausdrucksstarke Reden.
Susanne Wille über Tradition, Heimat und Identität
«Liebes Wohlen», so begann Susanne Wille ihre Ansprache zum 50-Jahr-Jubiläum des Schweizer Strohmuseums. Das zeigt, dass das Freiämter Regionalzentrum der Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sehr nahe ist. Und als ehemalige Kulturchefin des Schweizer Fernsehens schätzt sie das Schweizer Strohmuseum erst recht. In Villmergen aufgewachsen, ist sie persönlich verwurzelt mit der Region. Gewiss, zur Strohindustrie hat sie einen engen Bezug, der reicht zurück zu ihrem Grossvater. Der habe sehr oft einen Strohhut getragen. «Und für Wohlen ist die Strohindustrie ein grosses Symbol.» Bereits zu ihrer Schulzeit interessierte sie sich für die Blütezeit. «Mit viel Stolz» habe sie diese Geschichte betrachtet. «Wohlen und seine Strohindustrie haben damals in die Welt hinausgestrahlt.»
Um die Dominanz von Wohlen rund um die Strohindustrie zu verdeutlichen, blickte Susanne Wille ins Jahr so um 1900 zurück. Da zählte dieser Industriebereich landesweit knapp 100 Betriebe, 31 davon hatten ihren Standort in Wohlen. Die Hutgeflechtindustrie hat im Freiamt also eine grosse Tradition, «und dieses kulturelle Erbe wird im Strohmuseum weitergetragen», so Wille. «Tradition ist nie einfach nur Vergangenheit, sie gibt uns Heimat, Identität und Hilfestellung, um zu verstehen, was rund um uns entsteht.» Wille verglich das Strohmuseum gerne mit «ihrer» SRG. «Wir haben den Auftrag, daran zu erinnern, was uns ausmacht. Und wir geben den Regionen eine Bühne.» Dies sei bei der SRG und dem Strohmuseum sehr ähnlich. Dies habe sich auch bei der letzten Volksabstimmung im März gezeigt. Diese fiel für die SRG und gegen die Kürzung der finanziellen Unterstützung aus. Die Analyse habe gezeigt, was ausschlaggebend war, so Wille. «Es ging um den Zusammenhalt im Land und um Solidarität untereinander.» So habe auch das Museum die besondere Aufgabe, Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren und diese zu verstehen, erklärte die 52-Jährige. «Wir müssen alle zusammenstehen und die Kräfte bündeln.» Letztlich verfolgen die SRG und das Strohmuseum ähnliche Ziele. «Beide schaffen Orientierung.» Und dank dem Strohmuseum gehe die erfolgreiche Geschichte der Strohindustrie nie verloren.
Regierungsrätin Bircher bereits als Siebenjährige im Museum
Wie Susanne Wille hat auch Regierungsrätin Martina Bircher Freiämter Wurzeln. In Niederwil aufgewachsen, kam sie schon als Siebenjährige mit dem Thema Stroh in Berührung. «Mit der Primarlehrerin machten wir einen Ausflug ins Strohmuseum», erinnert sie sich. Damals jedoch an den alten Standort am Bankweg 2. Für sie sei also die Erfolgsstory zum Greifen nah. Als Aargauer Kulturministerin brachte sie die regierungsrätlichen Grüsse nach Wohlen. Das hätte sie sich als Siebenjährige nicht ausdenken können.
«Wir sind stolz auf das Strohmuseum. Es zeigt, wie Kulturvermittlung funktioniert», sagte die Regierungsrätin. Ein Museum sei ein Ort der Begegnung und «es bietet mehr als Wissensvermittlung, und hier kann man seine Wurzeln entdecken». So wünschte Martina Bircher allen rund um das Schweizer Strohmuseum alles Gute. «Und auf weitere 50 Jahre.»
«Wichtiger Meilenstein und würdiger Platz»
Auch für Gemeindeammann Roland Vogt ist das Strohmuseum ein besonderer Ort. «Wer durch Wohlen geht, spürt hier den Puls einer lebendigen Gemeinde. Vor 50 Jahren wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt.» Vogt erinnerte an den Gründungstag am 13. Februar 1976 und an den Umzug in die Villa Isler im Jahr 2013. «Hier in diesem Anwesen hat das Museum einen würdigen Platz gefunden, hier spürt man die Erinnerungen vieler Menschen. Hier spürt man Herzblut, und hier werden Erinnerungen an eine glanzvolle Epoche erlebbar gemacht.»
Das Sahnehäubchen
Ruth Portmann, Präsidentin der Stiftung Freiämter Strohmuseum, sprach sogar von einem Sahnehäubchen. Damit meinte sie das Museum selber, aber auch die Jubiläumsfeierlichkeiten. Sie blickte auf die Geschichte des Strohmuseums zurück – vor allem auf den Wechsel des Standortes. Im Anwesen der Villa Isler wurde das Museum tatsächlich zum Schmuckstück. Die langjährigen Stiftungsratsmitglieder Jacques Isler und Walter Dubler, beide über 20 Jahre Mitglied der Stiftung, leisteten Wesentliches. Vor allem Walter Dubler, damals Gemeindeammann, habe sich enorm für den neuen Standort starkgemacht. «Er hat gekämpft, damit das Museum in das schöne Anwesen durfte», so Portmann.
Die Stiftungsratspräsidentin sprach auch die grosse Konstanz in der Führung an. Lediglich drei Personen amteten in den 50 Jahren in der Museumsleitung: Dieter Kuhn, Anna Hegi und jetzt Petra Giezendanner. Auch bei der Kulturkommission fühlen sich die Museumsverantwortlichen immer wieder gut aufgehoben. Daher war es kein Zufall, dass drei Kultursekretärinnen (zwei ehemalige und die aktuelle) bei den Feierlichkeiten dabei waren: Iris Küng, Claudia Nick und Simone Pallecchi. «Sie alle sind verbunden mit dem Strohmuseum. Das zeigt auch, dass dieser Ort von Bedeutung ist.»
«Freiamt als globaler Modeplayer»
Georg Matter, Leiter der Abteilung Kultur im Aargau
«Es gibt Orte, an denen man sofort weiss: Hier passiert etwas Wichtiges, Beständiges, mit Sorgfalt und mit Leidenschaft. Das Schweizer Strohmuseum ist so ein Ort.» Dies sagte Georg Matter. Der Leiter der kantonalen Abteilung Kultur weiter: «Dieses Museum bewahrt und vermittelt etwas, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – und auf den zweiten Blick fasziniert: das Naturprodukt Stroh, das Handwerk des Strohflechtens und die industrielle Herstellung von Massenprodukten aus Stroh. Themen, die in Wohlen und im Freiamt einmal so bedeutend waren, dass sie den Alltag ganzer Generationen prägten.» Die Accessoires aus Stroh wurden in Paris, London und auf der ganzen Welt verkauft. «Das Freiamt als globaler Modeplayer», folgerte Matter.
Das Strohmuseum erzählt laut Matter von der lokalen Tradition und von der Weltgeschichte aus Wohler Perspektive.» Das Strohmuseum und die Kultur verbindet Menschen «über Grenzen, über Generationen». Das Museum mache vieles im Kleinen greifbar. «Es erzählt über Arbeitsbedingungen, Geschlechterrollen und Globalisierung.» Vor allem in der aktuellen Weltlage sei dies nach wie vor wichtig. Die Menschheit habe in den letzten 250 Jahren eine «unglaubliche Entwicklung ermöglicht. Aber diese steht auf dem Prüfstand», betonte er und sprach damit politische Spannungen und globale Krisen an. «Dies alles fordert die Gesellschaft heraus. Was gibt dabei Orientierung?», fragte er und gab die Antwort selbst: «Unsere gemeinsame Geschichte, unsere Werte, gegenseitiges Vertrauen, Identität, das Gefühl von Zugehörigkeit.» Dies alles bietet auch das Schweizer Strohmuseum.
--dm







