Grosse Ambitionen
22.05.2026 Künten, Region BremgartenHarry Willeke vertritt die Schweiz an der Wirtschafts-Olympiade in China
Kürzlich qualifizierte sich Harry Willeke zusammen mit vier weiteren jungen Leuten dafür, die Schweiz an der Wirtschafts-Olympiade zu vertreten. Diese findet Mitte Juli in China statt. Der ...
Harry Willeke vertritt die Schweiz an der Wirtschafts-Olympiade in China
Kürzlich qualifizierte sich Harry Willeke zusammen mit vier weiteren jungen Leuten dafür, die Schweiz an der Wirtschafts-Olympiade zu vertreten. Diese findet Mitte Juli in China statt. Der Küntener folgt damit seinem Zwillingsbruder, der diese Ehre im letzten Jahr hatte.
Roger Wetli
«Unser Ehrgeiz ist jetzt gross», erklärt Harry Willeke. «Als Schweizer Team haben wir die grosse Ambition, für unser Land zum ersten Mal mit der Goldmedaille nach Hause zurückzureisen.» Er möchte im Juli sein Bestes geben. «Ich glaube an eine Medaille.» Willeke betont aber auch, dass die internationale Konkurrenz stark ist. «Trotzdem werden wir wohl eine Chance haben.» Bis es so weit ist, wird der Küntener noch viel Zeit und Ehrgeiz in die Vorbereitung stecken.
Gemeinsam Lösungen finden
Das tat er bereits zuvor. «Ich habe oft und viel gelernt», unterstreicht er. Umso glücklicher ist er darüber, dass er es überhaupt so weit geschafft hat. Harry Willeke schloss im letzten Sommer seine Banklehre ab und arbeitet heute im Firmenkundengeschäft. Hier darf er in viele verschiedene Bereiche reinschauen. Aktuell analysiert er Kredite von Firmen, denen es finanziell nicht so gut geht. «Das Ziel ist, gemeinsam Lösungen zu finden», erklärt er.
Diese praktische Berufserfahrung half und hilft ihm auch bei der Wirtschafts-Olympiade. Im letzten Herbst war er einer von 400 Teilnehmenden, die online einen Test absolvierten. «Ich habe dafür sehr viel Volkswirtschaft gelernt», erklärt er. Harry Willeke schaffte es unter die besten 40 und war auch in der zweiten Runde, die in der Schweizerischen Nationalbank in Bern stattfand, erfolgreich. Das Athletenfeld reduzierte sich danach auf zwölf Personen. Diese wurden Mitte April für drei Tage in ein Camp eingeladen, wo sie sich für den Schweizer Final Anfang Mai vorbereiteten. Dort wurde der junge Küntener in Volkswirtschaft und Finanzberechnungen getestet. Zudem durfte er einen Businessplan erstellen. «Gerade Letzteres wurde zuvor im Camp vertieft», schaut Harry Willeke zurück.
Eine Strategie für «Planted»
An der Schweizer Ausscheidung galt es, für das Unternehmen «Planted» Strategien aufzuzeigen. «Dass es für eine derart bekannte Firma war, überraschte mich», sagt er. «In den Übungen kamen kleinere und unbekanntere Firmen vor.» Harry Willeke analysierte die Stärken und Schwächen von «Planted». «Ich merkte, dass deren Produkte sehr gesund und gut für die Umwelt sind. Nur scheint das bei der Kundschaft zu wenig bekannt zu sein.» Also schlug er vor, diese Tatsache noch besser zu kommunizieren. Willeke merkte aber auch, dass die Kundschaft zum Teil nicht wisse, wie man die Planted-Produkte richtig zubereitet. «Sie sind dann frustriert und kaufen sie nicht mehr», erklärt er. «Deshalb schlug ich vor, komplett fertig gekochte Produkte anzubieten, die nur noch gewärmt werden müssen. Oder sie über Restaurants an die Bevölkerung zu bringen. Ziel ist ein tolles Erlebnis für die Kunden.»
Geteilte Freude
Wie stark er mit diesen Ideen die Jury überzeugen konnte, weiss Harry Willeke nicht. Dies, weil die Olympioniken nur die Gesamtnote erfahren, und diese sich aus den drei Prüfungsbereichen zusammensetzt. «Das macht Sinn», erklärt er. «Denn bis zu dieser Ausscheidung sind wir Einzelkämpfer. In China gilt es aber zu fünft als Team innert 24 Stunden einen Businessplan zu entwickeln. Damit wir noch besser zusammenarbeiten, teilen sie uns die Detailnoten nicht mit.»
Harry Willeke weiss aus diesem Grund auch nicht, in welchen Teilbereichen er besser oder schlechter als sein Zwillingsbruder Myles abgeschnitten hat. Dieser schaffte es ebenfalls in die Top 12, verpasste aber den Einzug ins Finalteam. «Er hat sich für mich riesig gefreut», sagt Harry Willeke. «Wir pflegen zueinander eine super Beziehung und übten zum Teil auch zu zweit.» Besuchten die beiden Zwillinge in der Unterstufe verschiedene Klassen, waren sie in der Bezirksschule Bremgarten zusammen, bevor es Myles Willeke an die Kantonsschule Wettingen verschlug, während Harry Willeke eine Banklehre absolvierte. «Diese unterschiedlichen Ausbildungswege haben unsere Beziehung weiter gestärkt», ist Harry Willeke überzeugt.
Jetzt zählt der volle Fokus
Er konzentriert sich jetzt auf die Vorbereitung der Wirtschafts-Olympiade in China. Dazu trifft er sich immer wieder mit dem Team, dem zwei Coaches zur Seite stehen. «Ich freue mich auf diese Zusammenarbeit», lacht der Küntener. Zumal er dort seine Englisch-Kenntnisse weiter vertiefen kann. Aufgrund der Mehrsprachigkeit der Schweiz und des internationalen Wettbewerbs in China findet die Wirtschafts-Olympiade auf Englisch statt.
Für Harry Willeke ist das höchstens ein kleines Problem. «Man muss dafür die englischen Fachbegriffe lernen. Aber bereits während der Berufsschule wurden mir mehrere Fächer in dieser Sprache unterrichtet.»
Er freut sich jetzt auf die 8-tägige Reise. «Das wird eine neue Erfahrung. Wir haben ein super Organisationsteam. Ich fühle mich sehr gut unterstützt.» Wobei es jetzt seinen vollen Fokus brauche. Und dann gibt es noch seinen Zwillingsbruder Myles Willeke, der die Schweiz vor einem Jahr in Baku, Aserbaidschan, vertrat. Der Tipp von ihm an seinen Bruder: «Nutze die Chance, um interessante Menschen aus der ganzen Welt zu treffen, und vielleicht holst du dir sogar noch eine Medaille. Viel Erfolg!»

