Gänsehautmomente
03.03.2023 WohlenKonzertfonds Wohlen: Robert Schumanns Liederkreis Op. 39
Das bestens aufeinander abgestimmte Duo mit Walter Siegel, Tenor, und Hyunah Rottenschweiler am Flügel, mit Texten aus dem Buch «Der Argentinier» von Klaus Merz, begeisterte die zahlreich erschienenen ...
Konzertfonds Wohlen: Robert Schumanns Liederkreis Op. 39
Das bestens aufeinander abgestimmte Duo mit Walter Siegel, Tenor, und Hyunah Rottenschweiler am Flügel, mit Texten aus dem Buch «Der Argentinier» von Klaus Merz, begeisterte die zahlreich erschienenen Zuhörer im wunderbaren Kantiforum.
Das in drei Gruppen zu sechs Schumann-Liedern, Liederkreis Op. 39, gegliederte Konzert, mit Texten von Klaus Merz angereichert, begeisterte die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer beim ersten Konzert der neuen Saison des Konzertfonds Wohlen vollauf. Das bestens aufeinander abgestimmte Duo Siegel-Rottenschweiler, die äusserst detailliert gestalteten Lieder mit den unterschiedlichsten Stimmungsbildern von Robert Schumann, die gespannt zuhörenden Besucher, der souverän lesende Schriftsteller Klaus Merz, all das ergab einen Konzert-Literatur-Anlass der Superlative.
Aufeinander abgestimmt
Walter Siegel, Tenor und Gesangslehrer an der Kanti Wohlen, gestaltete jedes der insgesamt 18 Lieder von Robert Schumann bis ins letzte Detail äusserst filigran und differenziert. Er wurde dabei von der Pianistin Hyunah Rottenschweiler kongenial begleitet, unterstützt, ummalt und getragen. Immer fein abgestuft in der Dynamik, vom zartesten Pianissimo bis zum vollen Forte, mit Vehemenz oder Zurückhaltung, herausfordernd oder im Hintergrund bleibend, die gekonnt und sehr diffizil gestaltete Klavierbegleitung unterstützte den Sänger jederzeit überzeugend und hochprofessionell. Liedbegleitung gilt als eine der herausforderndsten Disziplinen im breiten Spektrum der Korrepetition, und Hyunah Rottenschweiler tat dies mit grösster Bravour.
Walter Siegel nahm bei jedem einzelnen Lied, schon bevor dieses überhaupt erklang, die entsprechende Haltung ein, und man war als Zuhörer schon eingestimmt, bevor überhaupt der erste Ton des nächsten Liedes erklang. Die Zuhörer wurden behutsam, aber ganz klar auf das kommende Kleinod vorbereitet, sodass die Spannung förmlich spürbar war. Die differenzierte Diktion des Sängers, die Körpersprache, die Bewegungen, alles unterstützte das Gesungene jederzeit und liess keinen Zweifel an der hohen gesanglichen und performativen Kompetenz von Walter Siegel aufkommen.
Klaus Merz las nach den ersten sechs Liedern aus seinem Roman «Der Argentinier» und bot damit den Zuhörenden die Möglichkeit, etwas aus der Zauberwelt von Robert Schumanns meisterhaft feinsinnigen Liedern aus der Natur, der Fantasie und der Sehnsucht aufzutauchen und durchzuatmen.
Literarische Einlage
Die gekonnt vorgetragenen Zeilen des preisgekrönten Aargauer Schriftstellers Klaus Merz liessen den Fokus Richtung Tango, Fernweh und Heimweh abschweifen, wodurch wieder Platz für die nächsten sechs romantischen Lieder geschaffen wurde.
Dieser zweite Liederblock wurde wieder, ohne Unterbrechung durch das Klatschen der Besucher, in der geschilderten Manier zum Besten gegeben. Ohne diese, sicher wohlmeinenden «Unterbrechungen» zwischen den einzelnen Liedern, bleibt die Spannung innerhalb eines Sechserblockes bestehen, und die verschiedenen Gemütstemperaturen der einzelnen Lieder sowie die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden trugen beträchtlich zum überlegt gestalteten Spannungsbogen jedes Gesangsblockes bei. Am Ende jeder der drei Liedgruppen wurde jeweils mit frenetischem Applaus gedankt.
Auffällig war, dass etliche Jugendliche unter den Zuschauern anwesend waren. So schön, wenn diese sich für das sicher nicht ganz so einfache Fach des klassischen Gesanges, für die Darbietung ihres Lehrers, ihrer Lehrerin interessieren. Solche Liederabende sind ja sicher eher etwas Seltenes. Dieser viel besuchte Liederabend, mit literarischer Einlage, war ein würdiger Eröffnungsabend zur neuen Saison des Konzertfonds Wohlen.

