Freude, aber keine Euphorie
20.03.2026 Villmergen, Region Unterfreiamt, FinanzenJahresrechnung der Gemeinde Villmergen schliesst besser als erwartet
Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 291 000 Franken ab, budgetiert wurde ein Aufwandüberschuss von 684 000 Franken. Der um 975 000 Franken bessere Abschluss gegenüber ...
Jahresrechnung der Gemeinde Villmergen schliesst besser als erwartet
Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 291 000 Franken ab, budgetiert wurde ein Aufwandüberschuss von 684 000 Franken. Der um 975 000 Franken bessere Abschluss gegenüber dem Budget ist vor allem höheren Steuereinnahmen zu verdanken.
Das Rechnungsjahr 2025 schliesst im Bereich der Steuererträge mit einem sehr erfreulichen Ergebnis ab. Mit Gesamteinnahmen von 22,6 Millionen Franken wurde das Budget um rund 2,2 Millionen Franken übertroffen, das ist ein Plus von knapp 11 Prozent. Dieses Resultat stellt das stärkste Ergebnis der letzten Jahre dar und verschafft der Gemeinde eine solide finanzielle Ausgangslage.
Das Ergebnis freut auch Vizeammann Renato Sanvido, der für die Finanzen zuständig ist. «Ich bin mit dem Abschluss sehr zufrieden. Wir haben mit einem deutlich negativen Ergebnis gerechnet und dürfen nun sogar ein leicht positives Ergebnis präsentieren», sagt er. Besonders positiv hervorzuheben ist die Entwicklung der ordentlichen Steuern. Sowohl die Erträge des laufenden Jahres als auch die Nachträge lagen deutlich über den Erwartungen. Die Steuerkraft pro Einwohner erreichte mit 1827 Franken einen neuen Höchstwert. Auch bei den Quellensteuern konnte ein markanter Mehrertrag verzeichnet werden. Zusätzliche Mehreinnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern sowie bei den Erbschafts- und Schenkungssteuern trugen ebenfalls zum sehr guten Gesamtergebnis bei.
Bei so positiven Zahlen stellt sich natürlich die Frage, ob die Gemeinde einfach sehr vorsichtig gerechnet hat im Vorfeld. «Wir budgetieren die Steuereinnahmen jeweils nach den Empfehlungen des Kantons und bei den Sondersteuern grundsätzlich eher defensiv», sagt dazu Sanvido. Der positive Steuerabschluss in diesem Jahr sei auch kein Villmerger Phänomen, «über höhere Steuereinnahmen konnte man aber bei vielen anderen Aargauer Gemeinden ebenfalls lesen», fügt er an. Vor allem die Steuereinnahmen der natürlichen Personen hätten sich deutlich erhöht und damit verbunden auch die Steuerkraft, was den Gemeinderat für die zukünftige Entwicklung freut.
Weiterhin vorsichtige und nachhaltige Finanzpolitik
Es sei aber auch festzuhalten, dass einzelne Ertragspositionen, insbesondere die Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie Teile der Nachträge, naturgemäss Schwankungen unterliegen und nicht als dauerhaft gesichert betrachtet werden können. Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass ein Teil des Mehrertrags auf ausserordentliche Effekte zurückzuführen und nicht immer nachhaltig ist. Trotz des sehr erfreulichen Ergebnisses bleibe eine vorsichtige und nachhaltige Finanzpolitik angezeigt. Ziel bleibt es, die finanzielle Stabilität zu sichern, Investitionen vorausschauend zu planen und gleichzeitig die Steuerbelastung langfristig tragbar zu halten.
Weiterhin stark steigende Kosten in gewissen Bereichen
Die Restkosten für die Pflegefinanzierung sind weiter stark am Steigen. «Diese Entwicklung macht uns Sorgen», gibt der Ressortvorsteher zu. «In den letzten sechs Jahren haben sich diese Kosten in Villmergen rasant von rund 600 000 auf 1,8 Millionen Franken verdreifacht. Diese Kostensteigerung alleine entspricht 8 Steuerprozenten. Diese müssen entweder mit Mehreinnahmen oder Einsparungen in anderen Bereichen kompensiert werden», macht er deutlich. Davon betroffen ist nicht nur die Gemeinde Villmergen, sondern sämtliche Aargauer Gemeinden. Seit dem Jahr 2014 zeigt sich eine Kostensteigerung von 509 Prozent Es sind aufgrund der demografischen Bevölkerungsentwicklung auch in Zukunft steigende Kosten zu erwarten. Bemühungen auf kantonaler Ebene, um die Gemeinden von diesen nicht beeinflussbaren Kosten zu entlasten, blieben bisher erfolglos.
Auch im Bereich der gesetzlichen wirtschaftlichen Hilfe zeigt sich nach vielen Jahren des Rückgangs seit dem Rechnungsjahr 2024 leider wieder eine Kostensteigerung. Die Kosten stehen in Zusammenhang mit den Fallzahlen und lassen sich von der Gemeinde ebenfalls nicht beeinflussen. Gegenüber dem Budget fallen die Kosten im Jahr 2025 um 359 000 Franken höher aus. Im Bereich der beruflichen Grundbildung liegen die Kosten auf gleichem Niveau wie im Jahr 2024, jedoch um 262 00 Franken über dem budgetierten Betrag von 772 000 Franken. Diese Wohnortsbeiträge für Lernende und/ oder Kantonsschülerinnen und -schüler aus Villmergen lassen sich nur schwer budgetieren. Das neue Kostenniveau konnte aber im Budgetprozess 2026 erstmals berücksichtigt werden.
Schuldenlast auf einem akzeptablen Niveau
Weil die Selbstfinanzierung der Einwohnergemeinde (steuerfinanzierter Bereich) mit 2,6 Millionen Franken einen höheren Wert aufweist als die Nettoinvestitionen mit 2 Millionen, konnten diese vollständig selbst finanziert und Schulden abgebaut werden. Die Nettoschuld hat sich um 538 000 Franken reduziert und liegt per Ende Rechnungsjahr bei 6,97 Millionen Franken, was 840 Franken pro Kopf entspricht. «Der Schuldenabbau in den letzten Jahren war für Villmergen bedeutend.
Wir haben dies geschafft, ohne dass die nötigen Investitionen vernachlässigt worden wären», freut sich Renato Sanvido.
Erhöhung des Steuerfusses wohl unumgänglich
Mit dieser verhältnismässig tiefen Verschuldung hat Villmergen finanziell eine solide Ausgangslage, in die kommende Investitionsphase eintreten zu können. Und da wartet einiges auf die Gemeinde. Ein bedeutender Fokus der Investitionen der Einwohnergemeinde liege in den nächsten Jahren auf dem Schulraum, macht der Vizeammann deutlich. Es stehen aber noch weitere Projekte an wie beispielsweise die Arealplanung Dorf oder auch die Kombibauten. Es gibt für Sanvido keinen Grund, allzu euphorisch zu sein. «Wir müssen weiterhin Sorge zu unseren Finanzen tragen. Aufgrund der sehr hohen anstehenden Investitionen werden wir – wie bereits mehrfach kommuniziert – der Stimmbevölkerung wahrscheinlich im nächsten Jahr eine Erhöhung des Steuerfusses um 4 Prozent auf das Jahr 2028 beantragen», erklärt er.
Danach müsse man abwarten, wie sich die Investitionen auf die Finanzen auswirken und wie sich diese weiterentwickeln. «Ob es dann einen weiteren Erhöhungsschritt benötigt, wann dieser sein soll und in welcher Höhe, können wir aus heutiger Sicht noch nicht zuverlässig genug abschätzen.»
Auch Eigenwirtschaftsbetriebe gut unterwegs
Nebst der Einwohnergemeinde schliessen auch die Spezialfinanzierungen besser ab. Die Bereiche Wasserwerk (+826 000), Elektrizitätswerk (+1,256 Millionen) und Wärmeversorgung (+64 000) weisen alle einen Ertragsüberschuss aus, die Abwasserbeseitigung (–488 000) und die Abfallwirtschaft (–43 000) einen Aufwandüberschuss. Das konsolidierte Gesamtergebnis der Einwohnergemeinde inklusive Spezialfinanzierungen beträgt 1,92 Millionen Franken, budgetiert waren lediglich 632 000 Franken. Über sämtliche Bereiche der Einwohnergemeinde inklusive Spezialfinanzierungen resultiert ein Finanzierungsfehlbetrag von 882 000 Franken, dies bei Nettoinvestitionen von 6,634 Millionen und einer Selbstfinanzierung von 5,752 Millionen Franken. Budgetiert waren Nettoinvestitionen in der Höhe von insgesamt 9,5 Millionen und eine Selbstfinanzierung von 4,4 Millionen Franken. --gk/chh


