Für die Identität von Wohlen
25.11.2025 Wohlen, LeserbriefeKurz vor den Einwohnerratswahlen und der Komplettierung des Gemeinderates will ich nachfragen, ob uns die ursprüngliche Identität von Wohlen noch wichtig ist. Was ist es in Wohlen?
Ist die zunehmende Verbauung des Dorfes gut für die Identität? Mit ...
Kurz vor den Einwohnerratswahlen und der Komplettierung des Gemeinderates will ich nachfragen, ob uns die ursprüngliche Identität von Wohlen noch wichtig ist. Was ist es in Wohlen?
Ist die zunehmende Verbauung des Dorfes gut für die Identität? Mit Grossüberbauungen, weil es die Ideologie der wachstumsorientierten Wirtschaft den Gemeinden und ihren Behörden quasi vorschreibt? Wohlen soll im Jahr 2050 die Einwohnerzahl von 24 000 haben. Dies hörte ich an der Vorstellungsrunde der Gemeinderatskandidaten. Dementsprechend ist vorgesehen, auch das Zentrum, das Isler-Areal, zu verbauen, mit vier Zeilen Wohn- und Geschäftshäuser. Der Gestaltungsplan sieht dies vor, weil es die Gemeinde so wollte.
Wohlen ist im kantonalen Schnitt der Steuereinnahmen 20 Prozent darunter. Ich bezweifle, dass mit der aktuellen Situation und Marschrichtung gute Steuerzahler angezogen werden. Eigene «Gewächse», Kleinbetriebe, welche es wagen, ihr Geschäft zu eröffnen und für die Bevölkerung einen Dienst zu erweisen, haben es schwer, sich zu etablieren, und die Mietkosten sind eher hoch. Und die Behörden zeigen sich wenig kulant und hilfsbereit, die Kleinen mehr zu unterstützen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass es für Wohlen attraktiver werden kann, wenn wir unser Zentrum für die Einwohner und Besucher als natürlichen Ort der Begegnung bereithalten. Dass dort das ganze Jahr ein Ort für das Miteinander und Füreinander gelebt werden kann. Nur an der Bünzstrasse entlang soll ein Gebäude gebaut werden, jedoch sollte die Kapo weniger ins Zentrum gerückt werden – und ausserhalb bleiben. Lieber genutzt für Gemeindebibliothek und andere Geschäfte für die Gemeinschaft. Das wird sich nachhaltig auf die Umgebung auswirken, weil es attraktiver wird, hier in Wohlen zu wohnen und auch zusammenzukommen, dies eben mitten in Wohlen.
Die Ortsbürger wehren sich sehr klar für die Isler-Villa, den dortigen Garten und das Strohmuseum. Die Isler-Villa ist die eine Herzkammer von Wohlen, es ist die der Strohbarone – da wird alles unternommen, sie zu schützen. Das Isler Areal ist die andere Herzkammer, die beiden getrennt durch den Bünzkanal. Dieses Areal ist das der ehemaligen Fabrik, das Areal der Arbeiterinnen und Arbeiter – und gehört der Einwohnergemeinde. Beide Areale zu verbinden und den Bünzkanal zu öffnen und Platz zu schaffen, wird aus meiner Sicht für die Zukunft und Identität für Wohlen mehr bringen als der bisherige Weg.
Das Wohler Trauma, weder Fisch noch Vogel zu sein, weder Dorf noch Stadt zu sein, wird nachhaltig aufgelöst werden, wenn wir die beiden Areale miteinander als Ganzes für die Bevölkerung von Wohlen offen halten – für die Begegnung aller Generationen.
Ich bitte alle Einwohnerräte und Gemeinderäte, zu überdenken, für wen sie sich in Zukunft einsetzen wollen. Für Wohlen und seine Einwohner oder weiterhin gemäss dem Lobbyismus der wachstumsorientierten Ideologie, die Wohlen bis 2050 zum endgültigen Schlafkaff ohne Identität macht.
Stephan Meyer, Wohlen
