Finanzgleichgewicht bedroht
19.06.2026 WohlenDie Finanz- und Geschäftsprüfungskommission zur Jahresrechnung 2025
Das Gesamtergebnis der Rechnung 2025 ist gut, aber die Finanzlage der Gemeinde Wohlen macht nach wie vor Sorgen. Die FGPK spricht die Schwachstellen an wie Selbstfinanzierungsgrad, Nettoschuld ...
Die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission zur Jahresrechnung 2025
Das Gesamtergebnis der Rechnung 2025 ist gut, aber die Finanzlage der Gemeinde Wohlen macht nach wie vor Sorgen. Die FGPK spricht die Schwachstellen an wie Selbstfinanzierungsgrad, Nettoschuld und Steuerkraft.
Die Jahresrechnung 2025 weist ein positives Ergebnis von 993 190 Franken aus. Das freut auch die Finanzund Geschäftsprüfungskommission. Diese möchte jedoch daran erinnern, dass im Gesamtergebnis die Entnahme aus den Aufwertungsreserven über 1,07 Millionen Franken sowie die Einnahmen aus dem kantonalen Finanzausgleich über 5,3 Millionen (Vorjahr 5,4 Millionen) enthalten sind.
Immerhin: Die Rechnung 2025 entspricht einer Verbesserung von 2,3 Millionen Franken gegenüber dem Budget und einer Steigerung von 1,2 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahr. Neben der positiven Entwicklung der Steuern trugen insbesondere der Beteiligungsertrag der IB Wohlen AG sowie ein Landverkauf zum erfreulichen Resultat im Finanzergebnis bei.
Etliche ungenügende Bereiche
Die Finanzlage der Gemeinde ist und bleibt jedoch angespannt. Mit Sorge betrachtet die FGPK «die weiterhin unterdurchschnittliche Steuerkraft der natürlichen Personen und das geplante Investitionsvolumen mit den auf die Gemeinde zukommenden Abschreibungs- und Unterhaltskosten». Die FGPK streicht diverse Bereiche heraus. Der Selbstfinanzierungsgrad im Geschäftsjahr 2025 von 34,6 Prozent (Vorjahr 32 Prozent) ist weiterhin «klar ungenügend». Er liegt auch deutlich unter dem langjährigen Mittel von 61,2 Prozent oder unter dem Kantonsmittel von 96,1 Prozent.
Und per Ende 2025 betragen die Finanzverbindlichkeiten 95,2 Millionen Franken oder 5224 Franken pro Einwohner. Gemäss den kantonalen Finanzkennzahlen ist eine Nettoschuld pro Einwohner über 2500 Franken nicht tragbar. Wohlen hat nun diesen Wert doppelt überschritten. Die jährliche durchschnittliche Nettoinvestition der Gemeinde Wohlen lag in der Periode 1988–2024 bei rund 6,1 Millionen Franken pro Jahr. Dieser Wert wurde im Jahr 2025 mit rund 17,5 Millionen oder 954 Franken pro Einwohner «deutlich überschritten», so die FGPK.
Und noch zur Steuerkraft pro Einwohner: Im Jahr 2025 erreicht die Gemeinde Wohlen bei der Steuerkraft der natürlichen Personen einen Wert von 2112 Franken pro Einwohner (Vorjahr 2020 Franken).
Das Kantonsmittel der aargauischen Gemeinden für die natürlichen Personen beträgt 2612 Franken (Jahr 2024). Wohlen liegt mit minus 22 Prozent deutlich unter diesem Wert. Und die Kommission formuliert auch eine klare Forderung. Bei der Beteiligung Sportpark Bünzmatt AG müsse im Kalenderjahr 2026 eine Lösung gefunden werden. «Andernfalls droht eine erfolgs- aber nicht geldwirksame Wertberichtigung im Umfang von 5,44 Millionen Franken», schreibt FGPK-Präsident Daniel Heinrich im Bericht.
Nur pragmatische, nachhaltige und finanzierbare Lösungen
Die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission gibt auch gerne Empfehlungen zur finanziellen Lage ab: «Bezüglich des Finanzplans und des daraus abgeleiteten Investitionsprogramms empfehlen wir, pragmatische, nachhaltige und finanzierbare Lösungen zu finden.» Und der Steigerung der Steuerkraft der natürlichen Personen müsse weiterhin grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden.
«Gleichzeitig muss die Zunahme des Nettoaufwands gebremst werden.» Der Finanzplan 2026 bis 2035 zeigt auf, dass aufgrund der hohen Investitionen die jährlichen Abschreibungen ab dem Jahr 2027 ein Niveau von 7,7 Millionen Franken erreichen. Damit müsse die Selbstfinanzierung «zwingend ebenfalls dieses Niveau erreichen», um ein ausgeglichenes Ergebnis der Erfolgsrechnung zu erreichen. «Sollte dies nicht gelingen, würde die erwartete sehr hohe Fremdkapitalverschuldung noch weiter ansteigen. Ein weiterer Anstieg des Zinsniveaus wäre unter diesen Umständen eine starke Belastung für das Finanzgleichgewicht.» --dm

