«Es geht auch um Wertschätzung»
27.03.2026 Wohlen, ParteienGemeinderat Thomas Geissmann (FDP) referierte über den Schulraumbedarf in Wohlen
Die Situation, genügend und neuen Schulraum bereitstellen zu können, bleibt herausfordernd. Gemeinderat Thomas Geissmann ist dennoch überzeugt, dass nun ein guter Weg ...
Gemeinderat Thomas Geissmann (FDP) referierte über den Schulraumbedarf in Wohlen
Die Situation, genügend und neuen Schulraum bereitstellen zu können, bleibt herausfordernd. Gemeinderat Thomas Geissmann ist dennoch überzeugt, dass nun ein guter Weg erarbeitet wurde. «Jetzt haben wir Flexibilität», betont er.
Daniel Marti
Mit grosser Freude habe er das Ressort Volksschule übernommen, betonte Thomas Geissmann, «denn Bildung ist nun mal wichtig». Gleiches gilt für den Schulraum, und der steht in Wohlen seit Jahren im Zentrum des Interesses und der Politik. Das war längst nicht immer so. Anhand einer Zeitsäule zeigte Geissmann die Entwicklung der Bevölkerung von Wohlen auf. In den Jahren 1850 und 1890 zählte Wohlen 2430 beziehungsweise 2900 Einwohnerinnen und Einwohner. Das war die Zeit der ersten Schulbauten im Schulzentrum Halde (in den Jahren 1854 und 1898). Auch in Anglikon gab es damals ein neues Schulhaus. Bis 1914 war der Dorfteil eigenständig, und «ging dann wegen des Schulhausbaus pleite», so Geissmann, «und Wohlen musste Anglikon eingemeinden».
Wachsen bis hin zum urbanen Zentrum
Die Einwohnerzahl stieg von 8000 bis hin zu 12 000 Einwohnern in den Siebzigern. Und in diese Zeit fielen die zwei Schulhausbauten: Bünzmatt (ab 1966) und Junkholz (1973/74). «Relativ schnell mussten damals gleich zwei Schulhäuser gebaut werden», blickte Geissmann zurück. 2004 folgte noch das Bünzmatt III. «Dann kam der Stillstand», begleitet von einem moderaten Wachstum. Inzwischen habe das Bevölkerungswachstum wieder deutlich angezogen, so Geissmann weiter. Die aktuelle Bevölkerungszahl liegt bei 18 300. «Es geht schnell Richtung 19 000, «und Wohlen wird wohl noch in diesem Jahrzehnt die Marke von 20 000 knacken. Wohlen hat inzwischen sehr viele Merkmale eines urbanen Zentrums.» Oder einer Stadt.
Nun wird dieses Jahr die umfassende Erneuerung der Schulzentrums Halde abgeschlossen. Danach folgen die Erweiterungen und Sanierungen der Schulzentren Junkholz und Bünzmatt. «Wir sind also in einer ähnlichen Situation wie damals, als innert Kürze zwei neue Schulhäuser gebaut werden mussten», erklärte Gemeinderat Geissmann. Wobei die Prognosen jeweils schwanken. Im Jahr 2023 ging man von einem Klassenanstieg innert 15 Jahren von 123 auf 153 aus, also plus 30. Inzwischen liegt der prognostizierte Zuwachs bei 18 Abteilungen.
Darum sei der kürzlich vom Einwohnerrat bewilligte Schritt auch richtig, so Geissmann weiter. Das Container-Provisorium vom Oberdorfweg wird auf die Zentren Bünzmatt und Junkholz aufgeteilt. Mit rund sieben Millionen Franken seien die Kosten höher als ursprünglich gedacht, «aber es ist eine gute Idee». Die Schulraumplanung sei eine komplexe Angelegenheit und die Lösung jeweils nicht immer einfach.
Kindergarten Farn kopieren und in Anglikon aufstellen
Mit den beiden Provisorien wird laut Geissmann eine gute Grundlage geschaffen. «Jetzt haben wir Flexibilität und können viele Ideen durchspielen.» Wobei die Sanierung des Junkholz-Schulhauses sehr dringend sei, diese Erkenntnis sei zudem breit anerkannt.
Zwei gute Nachrichten gilt es auch zu betonen: Mit dem Wegfall des Provisoriums am Oberdorfweg fallen grosse Mietkosten für die Gemeinde weg, jährlich rund eine halbe Million Franken. Und die SVP macht in der Schulraumplanungskommission mit. «Es ist wichtig, die Kritiker ins Boot zu holen, den Dialog zu führen. So kann man sämtliche Varianten durchdenken.»
Wie die Volkspartei will auch Thomas Geissmann immer genau auf die Finanzen schauen. So ist er der Meinung, dass neuer Schulraum immer auf Gemeindeboden realisiert werden muss.
Schulraum anzumieten, das findet er nicht gut. Darum präsentierte er auch gleich eine Idee: In Anglikon wird nach wie vor für teueres Geld Raum für den Kindergarten gemietet. Das möchte Geissmann ändern. «Wir können den Kindergarten Farn, der jetzt gebaut wird, kopieren und in Anglikon auf dem Land der Gemeinde realisieren.» Das sei zumindest prüfenswert.
«Fantastischer Job»
Provisorien im Junkholz und Bünzmatt, Sanierungen dieser beiden Zentren, Kindergarten in Anglikon, eventuell neues Schulhaus im Farn. Das alles kostet sehr viel. Das weiss auch Neu-Gemeinderat Thomas Geissmann. Damit die Finanzlast noch einigermassen tragbar ist, braucht es auch hier Lösungen. «Die Gemeinde Wohlen hat wohl nur eine Chance. Der Pro-Kopf-Steuerertrag muss rauf, es braucht guten Wohnraum, und die Kostenseite muss flacher werden, nur so bringen wir einen positiven Cashflow hin», erklärt der FDP-Politiker. Zurück zum Schulraum. Der ist nicht nur zentral für Schülerinnen und Schüler. Der ist auch Arbeitsort der Lehrpersonen. «Beim Schulraum», sagt Geissmann, «geht es immer auch um Wertschätzung.» Zudem sei zu bedenken, dass die Schule Wohlen rund 2500 Schülerinnen und Schüler zählt. Das am Laufen zu halten, sei herausfordernd. «Und die Schulleitungen machen einen fantastischen Job.»
«Im Gemeinderat ist Drive drin»
Thomas Geissmann hielt sein Referat an der Generalversammlung der FDP. Und die Freisinnigen wollten natürlich wissen, wie es denn im Gemeinderat mit seiner neuen Zusammensetzung so läuft. «Ja, es steckt Drive drin», betonte er. «Wir sind nicht immer gleicher Meinung, aber es findet ein guter Austausch statt.» Und er sei überzeugt davon, «wir können etwas bewegen». Nicht nur beim Schulraum.

