Der ehemalige FC-Wohlen-Junior Tim Spycher feiert mit Thun den Sensations-Meister-Titel
Der kleine FC Thun ist zum ersten Mal in seiner 128-jährigen Vereinsgeschichte Schweizer Meister im Fussball. Tim Spycher startete seine Fussballkarriere beim FC Meisterschwanden ...
Der ehemalige FC-Wohlen-Junior Tim Spycher feiert mit Thun den Sensations-Meister-Titel
Der kleine FC Thun ist zum ersten Mal in seiner 128-jährigen Vereinsgeschichte Schweizer Meister im Fussball. Tim Spycher startete seine Fussballkarriere beim FC Meisterschwanden und FC Wohlen. Der 22-jährige Goalie ist Teil des Fussballwunders und erzählt von seinen Eindrücken.
Josip Lasic
Es ist das letzte Spiel einer historischen Saison für den FC Thun. Mit dem 1:1-Unentschieden gegen St. Gallen endet die Meisterschaft, in der die Berner Oberländer zum ersten Mal den Titel feiern können. Im Duell mit den Ostschweizern steht Tim Spycher im Tor. Die eigentliche Nummer eins, Niklas Steffen, fehlt gesperrt. Schon eine Woche zuvor hütet er gegen Sion das Tor. «Dort hat Trainer Mauro Lustrinelli ziemlich rotiert. Ich bin froh, dass ich im Endspurt gleich zwei Spiele machen konnte. Aus meiner Sicht habe ich auch keinen schlechten Job gemacht.»
Der 22-jährige Goalie war bereits vergangene Saison Teil des Meisterkaders. Damals beim FC Basel. «Es war auch für den FCB eine spezielle Meisterschaft, weil der Verein den Titel schon länger nicht mehr gewonnen hat und dann gleich das Double feiern konnte. Damals habe ich aber kein einziges Spiel absolviert. So richtig als Teil des Ganzen habe ich mich nicht gefühlt. Jetzt in Thun ist das Ganze noch eine Stufe extremer. Der Verein ist viel familiärer, und man spürt, was es bedeutet, dass zum ersten Mal in der Geschichte so ein Titel gewonnen werden konnte.»
Happy End nach schwieriger Vorrunde
Spycher, der in Meisterschwanden aufgewachsen ist, begann seine Karriere im Alter von vier Jahren beim FC Meisterschwanden. Über die U10 und U11 des FC Wohlen kam er zum FC Basel. In den letzten Jahren verlieh der FCB den Torwart immer wieder an andere Clubs. Er lief für Yverdon auf und holte dort 2023 den Titel in der Challenge League. Auch in Baden und Nyon zeigte er gute Leistungen. Doch beim FC Basel gelingt ihm der Durchbruch nicht. Die Vorrunde dieser Saison trifft ihn besonders hart. Spycher steht zwar im Tor der U21-Nationalmannschaft, doch im Verein bekommt er keine Einsätze mehr. Dreimal sitzt er in der Europa League auf der Bank – mehr nicht. Ein einziger Einsatz bei Basels U21 in der Promotion League kommt dazu. «Das hat schon geschmerzt und war schade. Der FCB ist mein Jugendverein. Aber ich habe gesehen, dass ich dort keine grosse Zukunft habe.»
Im Winter wechselt er ins Berner Oberland. Nach Nino Ziswilers Verletzung sucht Thun einen Torwart. Spycher weiss, dass er «nur» als Nummer zwei hinter Niklas Steffen kommt. «Das war immer noch mehr als das, was ich in Basel hatte. Mir war bewusst, wie die Situation ist.» Neben den Spielen gegen Sion und St. Gallen steht er auch gegen Basel im Tor, als Steffen verletzt ausfällt. «Es waren nicht viele Spiele, die ich absolviert habe, aber mehr, als ich erwartet habe.»
Grosse Ziele und Ambitionen sind vorhanden
Der Goalie fühlt sich im Berner Oberland wohl. Thun wird «Sofameister». Der Titel steht fest, als Verfolger St. Gallen am drittletzten Spieltag gegen Sion verliert. «Es gab ziemlich spontan eine Meisterfeier auf dem Rathausplatz. Man hat richtig gespürt, wie viel den Menschen dieser Titel bedeutet. Auch den Spielern im Team. Wir haben keine Shooting-Stars und grossen Namen, aber sind eine starke Einheit.» Spycher geniesst die Euphorie in Thun. Sein Vertrag läuft bis 2028, mit Option auf ein weiteres Jahr. Er hat klare Ziele: «Ich will Stammgoalie werden und mich mit der U21-Nationalmannschaft für die EM qualifizieren.» Für ihn war es ein Jahr des Lernens und der persönlichen Entwicklung. Sein Traum bleibt, eines Tages in einer der Top-5-Ligen zu spielen. Doch jetzt freut er sich auf die Ferien. Am 15. Juni startet die Vorbereitung in Thun. Die Berner Oberländer starten in der Champions-League-Qualifikation, bevor die neue Saison in der Schweiz beginnt. «Ich freue mich wie der ganze Verein auf das, was kommt.»