Diskussionen um Elektra-Zukunft
02.06.2026 Region Oberfreiamt, Besenbüren
«Gmeind» in Besenbüren stimmt der Vergabe der Elektra-Betriebsführung an die ibw zu
Gemeinderat Peter Ammann spricht von einer nicht tragbaren Situation rund um die Elektra Besenbüren. Deshalb soll die Betriebsleitung extern vergeben werden. ...
«Gmeind» in Besenbüren stimmt der Vergabe der Elektra-Betriebsführung an die ibw zu
Gemeinderat Peter Ammann spricht von einer nicht tragbaren Situation rund um die Elektra Besenbüren. Deshalb soll die Betriebsleitung extern vergeben werden. Dagegen regte sich an der «Gmeind» zwar kein genereller Widerstand. Aber die vertiefte Diskussion und die Rückweisung wurde gefordert – aber nur von einer Minderheit.
Annemarie Keusch
Er verstehe den Schritt. Und er sei nicht dagegen. Das betont der Besenbürer Einwohner immer wieder. Trotzdem stellt er nach geraumer Zeit der Diskussion einen Rückweisungsantrag. «Das ist ein Entscheid, der uns alle betrifft. Wir alle kaufen Strom, einige verkaufen», argumentierte er. Entsprechend bedürfe es mehr Informationen. Einer Diskussion an einem Politapéro. «Alle sollen sich der Tragweite eines solchen Entscheides bewusst sein», fügte er an. Das Thema an die nächste «Gmeind» zu verschieben, das war sein Vorschlag. Ein anderer Einwohner prangerte die mangelnde Kommunikation an. Gerade beim Angehen der Herausforderung, vor der die Elektra steht. «Stattdessen wollt ihr nun auf Biegen und Brechen die externe Vergabe der Betriebsleitung durchsetzen. Ohne mit der Bevölkerung vorher zu diskutieren.»
Die Argumente gingen bisweilen auch in Details. Ins Technische. Zu LEG-Modellen, die in Besenbüren aktuell nicht möglich sind. Zu Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV), zum System, das die quartalsweise Abrechnung nicht möglich macht. Zu Zählermissständen, die hie und da zu unerklärbaren Differenzen beim Stromverbrauch und entsprechenden Diskussionen mit der Abteilung Finanzen führen.
Nicht nur Preis entschied zugunsten der ibw
Vor allem aber machte der Gemeinderat deutlich, dass sich in allen Bereichen die Anforderungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert haben. «Alles wurde komplexer», sagt Gemeinderat Peter Ammann. «Wir brauchen jemanden, der sich mit den Elektra-Themen vertieft auseinandersetzt. Wer das nicht täglich tut, verliert schnell den Anschluss.» Momentan sei das nicht der Fall. Der aktuelle Betriebsleiter habe zwar den Auftrag gehabt, sich um die Strukturen zu kümmern, dies aber nicht getan. «Wir müssen etwas tun.»
Darum haben sich Energiekommission und Gemeinderat vertieft mit möglichen Szenarien für die Zukunft auseinandergesetzt. «Ich wurde schon mehrmals wegen Unzulänglichkeiten rund um die Elektra von der Bevölkerung angesprochen», sagt zudem Peter Ammann. Im Laufe des Prozesses habe man festgestellt, den Anforderungen nicht mehr zu genügen. Die Ausschreibung zur externen Geschäfts- und Betriebsführung war die Folge. Anhand des Preises – «aber nicht nur» – entschied man sich für die ibw. Jährlich kostet das die Gemeinde rund 74 300 Franken, hinzu kommen einmalige anfängliche Kosten von 47 900 Franken. «So können wir künftig den gesetzlichen Vorschriften Folge leisten und mit den steigenden administrativen Anforderungen fertigwerden», betont Peter Ammann. Tempomässig habe man aufs Gaspedal gedrückt, um die Situation möglichst schnell verbessern zu können. «Darum konnten wir am Politapéro dieses Thema nicht aufnehmen. Wir hatten schlicht noch nicht alle Informationen.»
Für Kommission wurde Elektra zum Hobby
Ziel ist es, dass die Energiekommission künftig strategisch tätig ist und nicht mehr operativ. Robert Niklaus sitzt in dieser Kommission. An der «Gmeind» betont er: «Wir haben uns in den letzten Jahren viel Know-how erarbeitet. Und das in unzähligen Stunden.» Die Elektra sei schon fast zum Hobby geworden. Der Entscheid der externen Betriebsleitung sei keinesfalls leichtsinnig gefallen. «Wir haben alles ganz genau angeschaut. Was können wir selber machen? Wo reicht das interne Wissen aus?» Er spricht von 120 verschiedenen Aufgaben, die akribisch angeschaut und festgehalten wurden. Von einem Pflichtenheft. «Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht und es ist höchste Zeit, dass wir die Dienstleistungen bieten können, die die Bevölkerung verlangt.» Auch ein Verkauf sei bisweilen im Raum gestanden. «Wir entschieden uns bewusst dagegen, um weiterhin mitreden zu können.» Entsprechende Bedenken über stark steigende Strompreise oder notwendige zusätzliche Infrastruktur beantwortete Peter Ammann mit der Tatsache, dass die Entscheidungshoheit weiterhin bei der Gemeinde liege. «Die ibw übernimmt die Betriebsleitung, Entscheide fällt die Energiekommission respektive der Gemeinderat.» Und Peter Ammann betont: «Das Know-how, um Vorschläge und Ideen der ibw zu beurteilen, darüber verfügen wir in der Kommission zweifelsfrei.»
Ja – trotz Mehrkosten
Die Entscheide fielen am Schluss der rund einstündigen Diskussion rund um dieses Thema relativ deutlich. Auch wenn die Kosten künftig höher sind – der bisherige Betriebsleiter kostete rund die Hälfte der künftig jährlich anfallenden Kosten. «Mit diesen rund 30 000 Franken schliessen wir die Lücken zu allem, was bisher nicht funktionierte», führt Gemeindeammann Mario Räber aus. «Und wir ersparen uns Diskussionen und Ärger.» Der Rückweisungsantrag wurde mit 19 Nein- zu 9 Ja-Stimmen abgelehnt. Dem Antrag des Gemeinderats stimmten 27 Stimmberechtigte zu, 7 waren dagegen.
Unter Verschiedenem informierte der Gemeinderat über laufende Projekte. Etwa, dass die Ausschreibung zur Schulhaussanierung bald erfolge. Nachher wird der Baukredit der Stimmbevölkerung vorgelegt. «Dass dies schon im Herbst sein wird, ist optimistisch», meinte Gemeinderat Christian Bel. Wegen der Energie-Thematik etwas in den Hintergrund geraten ist das Abfallkonzept. Dieses werde nun wieder verfolgt. Zudem wurden Josefina und Turi Huber geehrt, die nach über 33 Jahren die Aufgaben als Abwart des Schulhauses weitergeben. Tom Kern übernimmt diese neu.
Die Beschlüsse
Von den 488 Stimmberechtigten nahmen deren 37 an der Einwohnergemeindeversammlung teil. Das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und die Jahresrechnung genehmigten sie einstimmig. Die Neuvergabe der Elektra-Betriebsleitung führte zu einem Rückweisungsantrag. Dieser wurde mit 19 Nein- gegenüber 9 Ja-Stimmen abgelehnt. Der Antrag des Gemeinderates fand hingegen eine Mehrheit: 27 Ja- zu 7 Nein-Stimmen.
