Thomas Stöckli, Redaktor.
«April, April, der macht was er will.» Die weitverbreitete Redewendung stellt klar: In diesen Tagen ist wettertechnisch alles möglich. Der April steht für das Frühlingserwachen, für Balz ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
«April, April, der macht was er will.» Die weitverbreitete Redewendung stellt klar: In diesen Tagen ist wettertechnisch alles möglich. Der April steht für das Frühlingserwachen, für Balz und Blüte. Aber auch für Regen und Frost. Ganz nach der Bauernregel «Gehst du im April bei Sonne aus, lass nie den Regenschirm zu Haus», muss man mit schnellen Wetterumschwüngen rechnen – und mit grossen Temperaturunterschieden.
Diese Zeit des «Sowohl als auch» lässt einen die Natur besonders intensiv erleben. Nie wärmen die Sonnenstrahlen so intensiv wie dann, wenn man im Wintermantel noch gar nicht mit ihnen rechnet. Handkehrum grätscht einem ein unerwarteter Temperatursturz nach dem ersten Frühlings-Vorgeschmack besonders intensiv in die Glieder. Selbst die grössten Winterfans stimmen in solchen Momenten zu, dass es wieder etwas wärmer werden dürfte.
Die Gewissheit, dass er den Frühling bringt, ist es denn auch, was den April erträglicher macht. «Der Frühling ist eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit», hat Henry David Thoreau (1817–1862), amerikanischer Schriftsteller, philosophisch gesagt.
Mit den Worten seines russischen Kollege Leo Tolstoi (1828–1910) lässt sich das von der Natur auf die Menschheit transformieren: «Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze», so seine Aussage. «Die Zeit des Aufbruchs», möchte ich hinzufügen. Die Zeit, in der sich das gesellschaftliche Leben wieder an die frische Luft verlagert. Die Zeit, in der man die Nachbarn vermehrt im Garten antrifft. Die Zeit, in der die Natur nicht mit intensiven Farben und Düften geizt. Die Zeit, in der sogar der Regen, der auf den heissen Asphalt prasselt, nach Sommer riecht.
Freuen wir uns also auf die wärmende Sonne, welche die Saison der Grillfeste und Open-Air-Konzerte ankündigt, die Blütezeit, das Erwachen der Frühlingsgefühle. Von dieser Vorfreude erfüllt, fällt es nämlich auch leichter, die frostige Kehrseite des Aprils zu ertragen. Ganz nach dem Motto: «Der April, der April, soll er doch machen; solange wir die letzten sein dürfen, die lachen.»