«Die Herausforderungen bleiben»
16.06.2026 Mutschellen, KircheZusammenschluss der Kirchgemeinden am Mutschellen kommt nicht zustande
Die Stimmberechtigten haben den geplanten Zusammenschluss der drei katholischen Kirchgemeinden am Mutschellen unterschiedlich beurteilt. Das Nein aus Oberwil-Lieli beendet das Projekt ...
Zusammenschluss der Kirchgemeinden am Mutschellen kommt nicht zustande
Die Stimmberechtigten haben den geplanten Zusammenschluss der drei katholischen Kirchgemeinden am Mutschellen unterschiedlich beurteilt. Das Nein aus Oberwil-Lieli beendet das Projekt vorerst.
Sabrina Salm
Nach rund zwei Jahren Vorarbeit ist das Projekt einer gemeinsamen Kirchgemeinde am Mutschellen gescheitert. Während die Stimmberechtigten in den Kirchgemeinden Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon sowie Eggenwil-Widen der Vorlage mit jeweils über 90 Prozent deutlich zustimmten, wurde sie in Oberwil-Lieli mit 74 Prozent Nein-Stimmen klar verworfen. Weil für den Zusammenschluss die Zustimmung aller drei Kirchgemeinden erforderlich gewesen wäre, ist das Vorhaben damit vom Tisch.
Im Vorfeld der Abstimmung war insbesondere in Oberwil-Lieli intensiv über die Zukunft der Kirchgemeinden diskutiert worden. Entsprechend hielt sich die Überraschung bei den Verantwortlichen in Grenzen. Sie hatten aufgrund der engagierten Debatten bereits damit gerechnet, dass die Vorlage dort einen schweren Stand haben würde. Die Debatten der vergangenen Monate hätten deutlich erkennen lassen, dass sich in Oberwil-Lieli Widerstand gegen die Vorlage formiert hatte, sagt Franz Rutzer, Präsident der Kirchenpflege Eggenwil-Widen und Mitglied der Projektgruppe. «Die Gegner konnten erfolgreich mobilisieren. Das bedauern wir natürlich sehr, weil es uns nicht gelungen ist, die Mehrheit von unserem Weg zu überzeugen.»
Trotz des Neins wertet Rutzer die hohe Stimmbeteiligung als positives Zeichen. Dass fast die Hälfte der Stimmberechtigten in Oberwil-Lieli ihre Stimme abgegeben habe, zeige, wie stark das Thema die Menschen beschäftigt habe.
Komplexe Strukturen
Mit dem Abstimmungssonntag endet ein Projekt, das die Verantwortlichen als langfristige Weichenstellung verstanden hatten. Ziel war es, die bewährte Zusammenarbeit im Pastoralraum auch organisatorisch abzubilden und die Kirchgemeinden für kommende Herausforderungen zu stärken. Dabei ging es weniger um finanzielle Probleme als um die Frage, wie kirchliches Leben unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen künftig organisiert werden kann.
Denn finanziell stehen die drei Kirchgemeinden weiterhin solide da. Das Abstimmungsergebnis löst deshalb keine unmittelbare Krise aus. Dennoch bleiben zahlreiche Aufgaben bestehen. Besonders bedauert Rutzer das Scheitern aus Sicht der Kirchgemeinden. Er verweist auf die komplexen Strukturen und Schwierigkeiten. Die Bewirtschaftung und der Unterhalt von Immobilien, die Rekrutierung von Fachpersonen und Freiwilligen sowie die Besetzung von Behördenämtern beschäftigen die Verantwortlichen bereits heute. Gleichzeitig sinken die Mitgliederzahlen, während die Erwartungen an zeitgemässe Angebote steigen. Aus Sicht der Projektgruppe hätte eine gemeinsame Organisation bessere Voraussetzungen geschaffen, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. «Wir wollten handeln, bevor es uns schlecht geht», sagt er. Die Verantwortlichen seien überzeugt gewesen, dass sich viele Herausforderungen gemeinsam einfacher bewältigen liessen als in drei eigenständigen Kirchgemeinden. Gerade deshalb habe das Projekt nicht primär auf finanzielle Vorteile gezielt, sondern auf eine langfristige Stärkung der kirchlichen Organisation und des Lebens in der Region.
Zusammenschluss von zwei statt drei Kirchgemeinden
Mit dem Nein bleiben die bisherigen Strukturen bestehen. Bereits richtet sich der Blick auf die nächsten Gesamterneuerungswahlen vom 29. November. Dann müssen für die drei Kirchenpflegen erneut insgesamt fünfzehn Behördenmitglieder gefunden werden. «Ob dies überall in ausreichender Zahl gelingt, wird sich zeigen.»
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die Zusammenarbeit am Mutschellen künftig weiterentwickelt werden kann. Die deutlichen Ja-Anteile in Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon und Eggenwil-Widen werden innerhalb der Projektgruppe als klares Signal interpretiert. «Die grosse Zustimmung zeigt einen Auftrag», sagt Rutzer. Deshalb werde man zu gegebener Zeit prüfen, ob ein Zusammenschluss der beiden zustimmenden Kirchgemeinden eine realistische Option sein könnte. Vorerst sei jedoch etwas Abstand nötig. «Jetzt wollen wir zuerst einmal durchatmen und das Resultat wirken lassen. Danach werden wir analysieren, welche Möglichkeiten bestehen.» Eine vertiefte Prüfung müsse zeigen, welche organisatorischen, kirchenpolitischen und landeskirchlichen Voraussetzungen für einen Zusammenschluss von zwei statt drei Kirchgemeinden erfüllt sein müssten.
Klar ist für die Verantwortlichen jedoch, dass «die grundlegenden Herausforderungen bestehen bleiben.» Das Abstimmungsergebnis beendet zwar das Zusammenschlussprojekt der drei Kirchgemeinden, nicht aber die Suche nach tragfähigen Antworten auf die Zukunftsfragen der Kirche am Mutschellen.

