Der Mann der starken Werte
29.05.2026 Fussball, SportEr hat es wieder getan
Der Freiämter Trainer Michael Winsauer steigt schon wieder in die Challenge League auf
Wo «Winsi» ist, da ist der Erfolg nicht weit. Nach 2023 mit dem FC Baden schafft Michael Winsauer jetzt mit dem SC Kriens ...
Er hat es wieder getan
Der Freiämter Trainer Michael Winsauer steigt schon wieder in die Challenge League auf
Wo «Winsi» ist, da ist der Erfolg nicht weit. Nach 2023 mit dem FC Baden schafft Michael Winsauer jetzt mit dem SC Kriens dasselbe Kunststück und steigt in die Challenge League auf. «Ja, Wahnsinn. Wir dürfen stolz sein», sagt der frühere FC-Wohlen-Spieler. Seinen Lehrerjob in Wohlen wird er auch als Profitrainer behalten.
Stefan Sprenger
Wo «Winsi» ist, da ist Spektakel. Der SC Kriens kann im letzten Heimspiel die 100-Tore-Marke knacken. Morgen Samstag (16 Uhr) geht es gegen Bavois auf dem Kleinfeld. Es wird ein Schaulaufen, denn der Aufstieg ist seit dem letzten Wochenende und dem 2:0-Auswärtserfolg über die Young Boys U21 sicher. Das Fest danach war – für Krienser Verhältnisse – riesig. «Natürlich, solche Aufstiege müssen ordentlich gefeiert werden», sagt Trainer Michael Winsauer.
Euphorie ausgelöst
Wo «Winsi» ist, da ist Euphorie. 24 Siege, vier Unentschieden, nur fünf Niederlagen. Das Team begeistert in der Promotion League, lockt pro Heimspiel über 1000 Menschen ins Stadion. Und nun mit dem Aufstieg ist die Euphorie in Kriens noch grösser geworden.
Wo «Winsi» ist, da ist der Aufstieg nicht weit. 2023 schafft er dies schon mit dem FC Baden. Nun gelingt ihm dasselbe mit dem SC Kriens. Die Luzerner mussten sich dabei lange gegen die engsten Verfolger, den SC Brühl St. Gallen und den FC Biel (Cupfinalist 2025), durchsetzen.
Man kann es zusammenfassen: Wo «Winsi» ist, da ist der Erfolg nicht weit. Ob Sarmenstorf (Cupsieg) oder die Aufstiege mit Baden und Kriens: Wenn Winsauer Trainer ist, hat man immer einen Grund zum Feiern. Und natürlich kann das kein Zufall sein. Die Fussballkompetenz des früheren Innenverteidigers ist riesig. Hinzu kommt seine feine menschliche Art, die wohl ebenfalls einen grossen Beitrag zum Erfolg beisteuert.
In unserer Region wusste man schon lange, was für ein toller Typ er ist. Winsauer kam 2010 aus Neuseeland zum FC Wohlen und wurde hier sesshaft. Im Jahr 2014 beendete er seine Karriere als Profifussballer und unterrichtete als Lehrer in Waltenschwil, wo er mit seiner Frau Sandra und den Kindern Fabio und Mara wohnt. Heute unterrichtet er am Haldenschulhaus in Wohlen. Und auch wenn er nun Trainer im Profibereich ist, «werde ich diesen Job gerne weitermachen».
Michael Winsauer schafft mit dem SC Kriens ein kleines Fussballmärchen – schon wieder
2010 kam er zum FC Wohlen – und das Freiamt wurde für den Österreicher zur neuen Heimat. Michael Winsauer aus Waltenschwil hat in dieser Saison beim SC Kriens erneut seine grossen Qualitäten als Trainer bewiesen – und feiert den Aufstieg ins Profibusiness.
Stefan Sprenger
«Wie es sich gehört» wurde der Aufstieg gefeiert. Tausend Menschen machen in Kriens die Nacht zum Tag. Erst im Stadion Kleinfeld, dann in der Stadt. «Es wurde spät – respektive früh» – am letzten Wochenende. Da schafft der SC Kriens am Samstag mit dem 2:0 gegen die U21 der Young Boys den Aufstieg in die Challenge League. Der Traditionsklub ist nach vier Jahren in der Promotion League wieder zurück im Profibusiness.
«Ich bin nicht der Held»
Trainer Winsauer sei dank? «Ich bin nicht der Held», sagt der 43-Jährige. Er ist ein Typ, der sich nicht gerne in den Mittelpunkt drängt, der lieber Komplimente an sein Team verteilt – oder an die Gegner. «Wir alle, das ganze Team, der ganze Verein, alle Beteiligten, haben hart und intensiv für diesen Erfolg gearbeitet. Wir haben uns auch nach Niederlagen nie unterkriegen lassen, immer wieder stark reagiert. Ein dickes Kompliment an alle. Ein Kompliment auch an den SC Brühl, der nie lockergelassen hat und uns stets auf den Fersen blieb. Das war vielleicht gar nicht so schlecht für uns. So mussten wir stets unter Spannung bleiben.» Übrigens: Im Staff ist mit dem Oberfreiämter Philipp Strebel, der Athletiktrainer ist, ein weiterer Mann aus der Region tätig.
Zum Trainer des Jahres gewählt
Auch wenn Winsauer es vielleicht nicht will, aber auch er hat ganz viele Komplimente verdient. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Als Trainer hat er schon in Sarmenstorf mit dem Cupsieg und dem Fast-Aufstieg in die 2. Liga interregional für die goldenste Zeit der Vereinsgeschichte gesorgt (zwischen 2019 und 2022).
In den zwei Jahren danach gelingt ihm auch beim FC Baden Historisches – man steigt in die Challenge League auf. 2024/25 nimmt er eine Auszeit vom Fussball – er hat sie nach einer nervenaufreibenden Zeit beim FC Baden benötigt. Er steht dann – ziemlich kurzfristig – als einer von mehreren Kandidaten zu Beginn der Saison 2025/26 auf dem Zettel des SC Kriens. Er setzt sich durch und kriegt den Job. Bei den Luzernern kommen einige neue wichtige Spieler ins Team. Winsauer findet die richtigen Schrauben und dreht sie. «Ich bin meinen Weg gegangen, habe viel Zeit und Energie eingesetzt und bodenständige und gute Arbeit geleistet. Ja, das freut mich und macht mich auch stolz.»
Winsauer überzeugt als Trainer auf der ganzen Linie – und hinterläst auch als Mensch mit seiner sympathischen Art stets seine Spuren bei den Vereinen. «Wie gesagt, ich muss mich da nicht aufdrängen, für den Erfolg sind viele verantwortlich. Es ist ein Teamsport», sagt er erneut Doch er kann sagen, was er will, Winsauer ist dennoch der Erbauer des Erfolgs. Das wichtigste Puzzleteil.
Und das sehen ganz viele andere Menschen auch so. Bei den Awards der Ersten Liga wählten die Trainer und Captains jeweils die besten Feldspieler, Goalies und Trainer der Saison. Was für Aussenstehende fast schon logisch war, «überraschte und freute» den Freiämter sehr. Denn Michael Winsauer wurde zum besten Trainer gewählt. Zu Recht. Denn sein Team donnert regelrecht durch die Liga. 98 Tore schiesst Kriens in 33 Partien (also gut 3 Kisten pro Spiel).
Wird 100-Tore-Marke geknackt?
Im Stadion Kleinfeld verliert Kriens nur ein Spiel, ballert die Gegner teilweise vom Platz – in den Heimspielen im April und Mai gab es zwei 4:0-Siege und gar ein 8:0. Kriens sammelt bisher 76 Punkte und ist der logische und verdiente Aufsteiger. Und Winsauer der Aufstiegstrainer – schon wieder.
Am Samstag (16 Uhr) folgt das letzte Saisonspiel. Zu Hause. Kriens kann die 100-Tore-Marke knacken. «Das wird ein schönes Fussballfest. Die Post wird abgehen», meint Winsauer. Und er weiss, die Feierlichkeiten danach werden dafür sorgen, dass es wohl wieder spät – respektive früh – wird.
Kleines Budget und Ex-Muri-Trainer
Allerdings muss der SC Kriens bald wieder nüchtern an die Sache ran. Denn die Saisonpause ist kurz, die Kaderplanung hat längst begonnen – und in der Challenge League wird es kein Zuckerschlecken. Der neue Co-Trainer ist Nobi Fischer, der vor rund 20 Jahren für mehrere Saisons beim FC Muri als Trainer tätig war. Mit seiner Erfahrung und auch seinen menschlichen Vorzügen ist Fischer Gold wert.
Das Budget wird aufgestockt und bewegt sich im Bereich von rund 1,5 Millionen Franken. Im Vergleich zu ambitionierten Klubs der zweithöchsten Spielklasse ist das bescheiden. Aber Kriens geht kein finanzielles Risiko ein, sie stellen sich den Herausforderungen mit anderen Werten. Es sind Werte, die Winsauer verkörpert: harte Arbeit, Ruhe, Selbstbewusstsein, Bodenständigkeit. Die Euphorie des Aufstiegs soll beim Ziel Klassenerhalt zusätzlich Flügel verleihen. Bei den Transfers redet Winsauer mit. Er sagt: «Es muss auch menschlich passen, damit es nachhaltig bleibt.» Er ging mit bestem Beispiel voraus, verlängerte seinen Vertrag früh und konnte dementsprechend auch schon Sicherheit vermitteln und mit den Spielern vorzeitig Gespräche führen über die Zukunft. «Ich glaube, solche Dinge sind wichtig und zahlen sich aus.»
Lizenz und Lehrer
Ab August startet Winsauer die Ausbildung zur UEFA-Pro-Lizenz. Und das in seinem Heimatland Österreich. 40 Kandidaten meldeten sich an, nur 12 wurden angenommen. Winsauer: «Ich glaube, hier hat sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt.» Vor wenigen Jahren wurde er abgewiesen – nun hat er es geschafft. «Nicht aufgeben. Nochmal probieren», sagt er.
Michael Winsauer, der mit seiner Familie in Waltenschwil lebt und dessen Schwager der frühere Fussballstar Ciriaco Sforza ist – wird auch nächste Saison seine Arbeit in Kriens fortsetzen. Und auch als DAZ-Lehrer am Wohler Schulhaus Halde in einem kleinen Pensum weiterarbeiten. Und es ist anzunehmen, dass er all seine Aufgaben mit Bravour meistern wird. Denn der Mann mit den starken Werten ist ein Erfolgsgarant.




