Der Coach schwimmt voraus
07.07.2026 Sport, Weitere SportartenSchwimmen: Hussain Adel aus Bremgarten hat sich als Trainer selbstständig gemacht – und zeigt selbst starke Resultate
Hussain Adel war Trainer beim Schwimmclub Region Bremgarten SCRB. Jetzt hat er sich selbstständig gemacht und unterstützt unter ...
Schwimmen: Hussain Adel aus Bremgarten hat sich als Trainer selbstständig gemacht – und zeigt selbst starke Resultate
Hussain Adel war Trainer beim Schwimmclub Region Bremgarten SCRB. Jetzt hat er sich selbstständig gemacht und unterstützt unter anderem professionelle Ironman-Athleten im Schwimmbereich. Kürzlich bewies er beim Zürich-Triathlon, dass er selbst noch Spitzenleistungen erbringen kann.
Josip Lasic
Eigentlich wollte er gar nicht am Zürich-Triathlon teilnehmen. «Ich wollte mich nicht blamieren, da ich zuletzt sehr wenig trainiert habe. Doch die Leute aus meinem Umfeld meinten, ich solle mich doch anmelden und einfach Spass haben», erzählt Hussain Adel. Am Tag vor dem Wettkampf musste er noch sein Velo «aus dem Inventar» holen, wie er es beschreibt, und rennfertig machen. Am Ende steigt Adel nach 10.56 aus dem Wasser. Der nächste Verfolger hatte eine Zeit von 11.01. Unter mehr als 1600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schwamm er die schnellste Zeit des ganzen Feldes. «Mich haben Leute angesprochen und gefragt, ob ich Schwimmer bin. Ich antwortete: ‹Vielleicht›», erzählt er augenzwinkernd. «Wenn mir in diesem Moment etwas geholfen hat, war es eher die Erfahrung und nicht das Training, das ich zu diesem Zeitpunkt hatte.»
Auf dem Rad und zu Fuss konnte er nicht an seine Leistung im Wasser anknüpfen. In seiner Alterskategorie landete er insgesamt auf Rang 94, was ihn aber immerhin unter die besten zehn Prozent brachte. Hussain Adel ist Schwimmer. Früher war er Profi. Er nahm an den Asian Youth Games in China und an internationalen Wettkämpfen in Italien teil, gewann Silber in der Lagenstaffel an den Arabischen Junioren-Meisterschaften und schwamm auch im amerikanischen Universitätssport. Ursprünglich kommt Adel aus Kuwait. Zum Studium ging er in die USA. Heute lebt er mit seiner Frau und der fast einjährigen Tochter in Bremgarten.
Auf der Suche nach Schwimmbahnen
Im Dezember 2024 begann Adel als Trainer beim SCRB. Mittlerweile hat er sein Modell geändert. Er unterrichtet nicht mehr im Verein, sondern privat. «Ich arbeite noch mit einigen SCRB-Mitgliedern zusammen. Drei Bremgarten-Athleten bereite ich auf die Schweizer Meisterschaften vor. Ansonsten betreue ich junge Spitzensportler, darunter drei Profi-Triathleten.» Für mehr als dieses halbe Dutzend Sportler fehlt ihm die Kapazität. Früher hatte er als SCRB-Mitglied das Hallenbad in Bremgarten zur Verfügung. Jetzt sucht er als selbstständiger Trainer freie Bahnen dort, wo es möglich ist: in Altstetten zum Beispiel, aber auch in Wohlen. «Momentan könnte ich gar nicht mehr Leute unterrichten, weil mir die Bahnen fehlen.» Auch die Zeit fehlt ihm momentan, um noch mehr Sportler zu betreuen. Einen grossen Teil seiner Freizeit widmet er seiner Tochter. Vor ihrer Geburt trainierte er rund 20 Stunden pro Woche. Jetzt hat er sein Pensum auf sieben bis acht Trainingsstunden reduziert.
Für seine Tochter startete er vergangenes Jahr auch am Ironman in Thun. «Für sie wollte ich zum Ironman werden», sagt der frühere Profischwimmer. Er beendete den Wettkampf in 14:17.10 Stunden. «Ich wollte unter zehn Stunden bleiben, aber meine Beine haben auf den letzten zehn Kilometern des Laufs aufgegeben.» Die Augen des Schwimmers glänzen, wenn er über seine Tochter spricht. Dennoch überlegt er sich, eines Tages sein Pensum als Schwimmtrainer zu erhöhen. «Vielleicht ist es möglich, wenn sie in der Kita ist.»
Heute hilft Adel anderen Athleten bei der Wettkampfvorbereitung. Während er letztes Jahr selbst noch startete, betreute er dieses Jahr einen der Teilnehmer des Ironman-Triathlons in Thun. Alexander Parth hatte den Sieg im Visier. «Als er zu mir kam, konnte er nicht schwimmen. Er kam aus dem Rad- und Laufsport. Wir analysierten seine Technik, um ihm zu helfen. Mit der Zeit konnte er seine Zeit über 4 km um rund 10 Minuten verbessern», erzählt der Trainer stolz. Mit dem Sieg sollte es dieses Jahr in Thun allerdings doch nichts werden. Parth musste den Wettkampf wegen Schmerzen aufgeben. Doch Adel fokussiert sich auf das Positive: «Beim Schwimmen hat er sich gut geschlagen.»
Die Schweizer Top 20 als nächstes grosses Ziel
Adel arbeitet gern mit Spitzensportlern. Doch sofern es seine Kapazitäten zulassen, lehnt er niemanden ab und will jeden auf seinem Weg im Wasser unterstützen. «Es spielt für mich keine Rolle, ob jemand seine Schwimmtechnik verbessern oder einfach schwimmen lernen will.» Entscheidend sei, was die einzelne Person brauche – und wie er den Draht zu ihr finde.
Der Schwimmer hat auch eigene Ziele. Im November nimmt er an einem Elite-Wettkampf in Lausanne teil, für den er qualifiziert ist. In der Schweiz ist er derzeit auf Rang 35 klassiert. Nun will er in die Top 20 vorstossen. «Der Abstand ist nicht so gross. Es ist weniger als eine Sekunde, die ich benötige, um auf den 20. Platz vorzurücken.» Für ihn wäre das auch Eigenwerbung für seine Arbeit als privater Schwimmtrainer. «Ich wollte ja zuerst nicht am Zürich-Triathlon starten. Aber Rang 1 unter 1600 Personen, das ist doch gutes Marketing», sagt er lachend.

