Das erste Ja im Sack
05.06.2026 Künten, Region BremgartenDer geplante Reusssteg nahm an der Gemeindeversammlung in Künten die erste Hürde
Mit deutlichem Mehr genehmigte der Küntener Souverän den Baukredit für den Fussgängersteg über die Reuss. Trotzdem blieb die Versammlung nicht ohne ...
Der geplante Reusssteg nahm an der Gemeindeversammlung in Künten die erste Hürde
Mit deutlichem Mehr genehmigte der Küntener Souverän den Baukredit für den Fussgängersteg über die Reuss. Trotzdem blieb die Versammlung nicht ohne Diskussionen. Die Brücke soll zukünftig die Gemeinden Künten und Fischbach-Göslikon verbinden. Die zweite beteiligte Gemeinde stimmt am 16. Juni darüber ab.
Sabrina Salm
Elf Jahre. So lange beschäftigen sich die Gemeinderäte von Künten und Fischbach-Göslikon bereits mit dem Thema Reusssteg. Mit der Idee einer Verbindung über die Reuss stiessen die beiden Gemeinden immer wieder auf Widerstand. Seitens Kanton, Naturschutzverbänden oder der Bevölkerung. Vor zwei Jahren, als das Projekt mit einem Planungskredit in den Startlöchern stand, konnten die meisten Beteiligten dann mit ins Boot geholt werden. Doch Gegner reichten in Künten das Referendum ein. An der Urne wurde mit Ja für die Brücke deutlich: der Reusssteg ist bei der Mehrheit willkommen.
Nun ging es zum ersten Finale: die Gemeinderäte in Künten kamen mit dem Baukredit von 3 053 000 Franken (Anteil der Gemeinde Künten 886 964 Franken) vor die Stimmbürgerinnen und -bürger. Diesmal fand die Versammlung im grossen Festzelt vor dem Gemeindehaus statt, das noch vom Dorffest «Künterbunt» vom vergangenen Wochenende zeugt.
Sponsoring von vielen Seiten
Gespannt dürfte wohl jede und jeder der Anwesenden an der diesjährigen Sommer-«Gmeind» gewesen sein. 270 Stimmberechtigte nahmen den Weg auf sich. Und das sicher nicht nur wegen dem kleinen Grillfest, welches die Gemeinde zuvor organisierte. Vielmehr wollte man wohl eher Gewissheit haben, wie über den Reusssteg abgestimmt wird. Gemeindeammann Daniel Schüepp stellte das bekannte Projekt kurz vor. Geplant ist ein neuer Fussgängersteg, der das rechte Ufer im Bereich des Campingplatzes Sulz, Künten, über die Reuss mit dem linken Ufer im Bereich des Schützenhauses, Schiessplatz Höll, Fischbach-Göslikon verbindet. Der Reusssteg ist eine 120 Meter lange und 1,8 Meter breite, flache Hängebrücke aus Metall. Velofahrer dürfen die Brücke ebenfalls benutzen – jedoch nur stossend und nicht fahrend.
Die Kosten dürften sich auf 3 053 000 Franken belaufen. Wobei dabei alle Posten, wie für die Baubewilligung sowie eine stille Reserve, eingerechnet sind. Finanziert wird die Brücke von den Gemeinden Künten und Fischbach-Göslikon. Um die finanzielle Last zu erleichtern, wurde ein Crowdfunding gestartet. «Dabei kamen 135 400 Franken zusammen», so Schüepp. Er berichtet auch davon, dass diverse Gemeinden ebenfalls noch einen Betrag zugesichert hätten. Diese werden jedoch erst fliessen, wenn deren Budget gesprochen wird. Zugesichert sei schon der Zustupf von 1 108 672 Franken des Agglomerationsprogramms des Bundes. «Ausserdem sollten wir noch von verschiedenen Fonds des Kantons Geld erhalten.» Das Crowdfunding sei weiterhin aufgeschaltet und Antworten von diversen Stiftungen seien noch offen. «So, wie es momentan aussieht, verbleiben noch Kosten von 1 773 928 Franken.» Schüepp ist überzeugt, dass der Fussgängersteg über die Reuss einen Mehrwert, nicht nur für die Gemeinden, sondern für die ganze Region schafft. «Und das bei kalkulierbarem finanziellem Risiko.»
Befürchtungen und Chancen
Dieser Ansicht waren nicht alle. Eine Votantin meinte, dass die Kosten sicherlich höher ausfallen werden als vermutet. Ausserdem sehe sie kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Weitere Wortmeldungen gab es betreffend der Natur und der Besucherlenkung. «Schon heute ist an der Reuss viel Littering zu sehen. Das wird mit der Masse zunehmen», befürchtet ein Votant. Man rede von Naturerholungsgebiet, dabei habe die Natur gar keinen Platz mehr. Andere meinen, die Brücke passe nicht in die Landschaft und sei eher ein Fremdkörper. Befürworter argumentierten, dass sich die Menschenmasse wohl mit dem Rundweg besser verteilen werde. Die Litteringprobleme habe man jetzt schon und dies müsse man in Zukunft anders angehen. Das habe nichts mit der Brücke zu tun.
Nachdem die Meinungen ausgetauscht waren, wurde eine geheime Abstimmung beantragt. Diese fand jedoch zu wenige Befürworter und wurde deutlich abgelehnt. Deutlich angenommen wurde hingegen der eigentliche Antrag. Mit 176 Ja- zu 65 Nein-Stimmen.
Warten auf Abstimmung in Fi-Gö
Daniel Schüepp appelliert an die Gegner: «Bitte akzeptiert den Entscheid und lasst uns arbeiten.» Er hätte sich gewünscht, dass noch mehr Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Einladung zur «Gmeind» gefolgt wären und so der Baukredit hoch angenommen worden wäre. «So müssten wir nicht wie jetzt noch zittern, ob doch noch das Referendum ergriffen wird.»
Ausgelassen freuen, können sich die Künterinnen und Künter noch nicht. Zuerst müssen auch die Stimmberechtigten von Fischbach-Göslikon darüber befinden. Sagen sie Nein, ist der Traum der Befürworter aus. Man darf gespannt sein, wie die Entscheidung ausfällt und ob die Realisierung des Reussstegs endgültig in trockene Tücher gebracht wird oder definitiv ins Wasser fällt.
Die Beschlüsse
An der Künter Gemeindeversammlung waren von 1276 Stimmberechtigten 260 anwesend. Neben dem Verpflichtungskredit von 3,053 Millionen Franken (+/– 10 Prozent), für den Bau eines Fussgängerstegs über die Reuss, der mit 176 Ja- zu 65 Nein-Stimmen angenommen wurde, befand der Souverän noch über andere Anträge. So hiessen sie das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und die Rechnung gut. Zwei Personen wurden eingebürgert. Ebenfalls angenommen wurde der Verpflichtungskredit von 190 000 Franken für die Audioanlage der Turnhalle. Genehmigt wurden die Kreditabrechnung für den Neubau der Waldhütte sowie für den Neubau der Quellfassung Tobel.
Gerüstet für die Zukunft
Alle Traktanden angenommen und viele Informationen
Die aktuelle Bühnentechnik soll nach bald 20 Jahren ersetzt werden. «Wir wollen für die Zukunft gerüstet sein», sagt Vizeammann Yves Moser. Da die Mehrzweckhalle ihre Funktion behält, trotz Bau der neuen Turnhalle, solle sie auf dem neusten Stand sein. Mit dem Verpflichtungskredit von 190 000 Franken wird die Ton- und Lichtanlage inklusive Steuerung der Bühnentechnik in der Mehrzweckhalle durch eine zeitgemässe Anlage ersetzt. Nach einigen Fragen aus der Versammlung, die geklärt wurden, hat der Souverän den Antrag grossmehrheitlich gutgeheissen.
Unter Verschiedenes berichtete der neue Gemeinderat Michael Steinhauer über die Abklärungen betreffend eines Vitaparcours. Der Gemeinderat sähe in einer Vitaparcours-Anlage viele Vorteile. «Ein kostenloses Sportangebot, das von allen genutzt werden kann», so eines davon. Zurzeit laufen Gespräche mit Interessengruppen wie dem Forst oder den Jägern. «Die Kostenschätzung beläuft sich ungefähr auf 40 000 Franken.» Abgeklärt werden müssen weiter noch der Unterhalt und dessen Kosten sowie anderes. An der «Gmeind» im November wolle der Gemeinderat wieder darüber informieren.
Prüfen werde der Gemeinderat zudem ein Mitfahrbänkli in Sulz. Eine Bürgerin hat diesen Antrag gestellt. Ebenfalls wurde von einem Bürger gewünscht, dass in Zukunft wieder mehr in den Nahverkehr investiert wird. --sab

