«Darauf lässt sich gut auf bauen»
24.04.2026 Wohlen, FinanzenEs sind keine Wunder möglich
Rechnungsabschluss 2025 mit Gewinn von einer Million anstatt rote Zahlen
Die Schulden drücken, etliche Investitionen stehen an. Wohlens Finanzlage ist nicht rosig. Da sorgt ein positiver Rechnungsabschluss ...
Es sind keine Wunder möglich
Rechnungsabschluss 2025 mit Gewinn von einer Million anstatt rote Zahlen
Die Schulden drücken, etliche Investitionen stehen an. Wohlens Finanzlage ist nicht rosig. Da sorgt ein positiver Rechnungsabschluss für ein wenig Zufriedenheit.
Daniel Marti
Die Steuereinnahmen waren auf allen Ebenen besser als geplant. Die Quellensteuern, die Erträge der natürlichen Personen und die Grundstückgewinnsteuern sind höher ausgefallen als budgetiert. Und die IB Wohlen AG wirtschaftete prima und liess einen höheren Beteiligungsertrag in die Gemeindekasse fliessen. Oder die materielle Hilfe fiel deutlich geringer aus. Dies sind nur ein paar wenige Gründe, warum der Jahresabschluss 2025 der Gemeinde Wohlen viel besser ausfällt als geplant. Budgetiert war ein Minus von 1,3 Millionen Franken, herausgekommen ist ein Gewinn von einer Million Franken. Und das bei gleichbleibendem Steuerfuss von 116 Prozent. «Das ist ein erfreuliches Resultat», betont die neue Finanzministerin Claudia Hauri.
Anfang Jahr hat sie vom Einwohnerrat in den Gemeinderat gewechselt. Nun ist ihr das Ausmass der schwierigen finanziellen Situation der Gemeinde Wohlen «noch «bewusster geworden». Knapp vier Monate im Amt, gibt es für sie einen prägenden Ansatz beim Versuch, den Finanzhaushalt zu verbessern: «Wir suchen stetig nach Lösungen, wir sind mitten im Prozess.
Aber es sind keine Wunder möglich.» Der Finanzplan wird gegenwärtig neu erstellt. Und er wird Veränderungen aufweisen, verspricht sie. «Der Gesamtgemeinderat wird hier die gleiche Stossrichtung verfolgen», sagt Gemeindeammann Roland Vogt.
Und Steueramtsvorsteher Thomas Laube fügt Wesentliches an: «Die Gemeinde Wohlen muss investieren, wenn sie sich weiterentwickeln will. Da braucht es finanziellen Gewinn.»
Jahresrechnung 2025 der Einwohnergemeinde Wohlen schliesst um 2,3 Millionen besser ab als budgetiert
Ein Gewinn von einer Million anstatt ein Verlust von 1,3 Millionen Franken. Dieser Rechnungsabschluss darf sich sehen lassen – auch wenn diverse einmalige Effekte zum positiven Resultat führten. Die Verantwortlichen sind zufrieden.
Daniel Marti
Die Fakten: Die Jahresrechnung 2025 der Gemeinde Wohlen zeigt laut Gemeinderat ein erfreuliches Bild. Statt des erwarteten Defizits von 1,3 Millionen Franken resultiert ein Überschuss von rund 1 Million Franken. Bei einem Gesamtumsatz von 110 Millionen Franken schliesst die Rechnung (ohne Spezialfinanzierungen) somit um 2,3 Millionen Franken besser ab als geplant.
Auch das konsolidierte Gesamtergebnis, das die Spezialfinanzierungen Heilpädagogische Schule, Abwasserbeseitigung und Abfallwirtschaft einschliesst, weist einen Überschuss von 247 000 Franken aus. Damit konnte hier das budgetierte Defizit von 2,0 Millionen Franken um rund 2,2 Millionen Franken übertroffen werden.
«Markanter Umschwung» und weitere Herausforderungen
In der Medienmitteilung spricht der Gemeinderat von einem «markanten Umschwung», der primär auf ein deutliches Steuerplus sowie auf höhere Beteiligungserträge der IB Wohlen AG und einen Buchgewinn aus Landverkauf zurückzuführen ist (siehe Artikel unten). Die Quellensteuern haben sich gegenüber dem Budget beinahe verdoppelt. Zudem fielen die Steuern natürlicher Personen sowie die Erträge aus Grundstückgewinnen höher aus als budgetiert.
Es gibt auch die Kehrseite der Rechnung: Trotz des guten Gesamtergebnisses sieht sich die Gemeinde erneut mit steigenden Kosten im Gesundheitswesen konfrontiert. Der Aufwand für die gesetzliche Pflegefinanzierung lag mit 5,9 Millionen Franken deutlich über dem Budget; dies entspricht Mehrkosten von 1,3 Millionen Franken (Vorjahr: 0,9 Millionen Franken). Diese deutliche Budgetüberschreitung ist fast ausschliesslich auf die Entwicklung bei der gesetzlichen Pflegefinanzierung zurückzuführen.
Als Vergleich: Die Bildung stellt mit einem Nettoaufwand von 20,5 Millionen Franken den grössten Ausgabenposten dar, dieser liegt jedoch im Rahmen des Budgets. Erfreulich, so heisst es in der Rechnung, sei auch der Abschluss bei der sozialen Sicherheit. Mit einem Nettoaufwand von 11,5 Millionen Franken liegt dieser leicht unter dem Budget.
Für die neue Finanzministerin Claudia Hauri ist der Abschluss «sehr positiv». Auch sie streicht die 2,3 Millionen Franken heraus, die über dem Budget liegen. Wobei zu berücksichtigen ist, dass das reine Ergebnis aus der betrieblichen Tätigkeit bei minus 1,5 Millionen Franken liegt (immer noch um 1,5 Millionen besser als im Vorjahr). Das gute Ergebnis ist «aufgrund einmaliger Effekte zustande gekommen», so Hauri. Vor allem Steuereffekte.
Hohe Verschuldung, schwache Selbstfinanzierung
Die Investitionsrechnung der Einwohnergemeinde (ohne Spezialfinanzierungen) verzeichnet Nettoinvestitionen in der Höhe von 17,4 Millionen Franken. Davon flossen allein 13 Millionen Franken in die Schulanlage Halde. Von den Gesamtinvestitionen konnten 6 Millionen Franken aus eigenen Mitteln finanziert werden, was zu einem Finanzierungsfehlbetrag von 11 Millionen Franken führt.
Der Selbstfinanzierungsgrad liegt damit bei 34,6 Prozent. Dieser Wert liegt leicht über dem Vorjahr – und ist erneut ungenügend. Aktuell sei ein Wert von 50 Prozent nicht möglich, stellt Hauri klar, «aber wir müssen diese Marke im Auge behalten».
Denn problematische Stellen im aktuellen Finanzhaushalt gibt es genug. Beispielsweise die Schuldensituation. Die Darlehensschulden haben sich um 5 Millionen auf 95,2 Millionen Franken erhöht. Der durchschnittliche Zinssatz bei den Darlehen liegt bei 1,36 Prozent. Die Darlehenszinsen haben im Jahr 2025 rund 1,25 Millionen Franken ausgemacht.
Die Nettoschuld hat sich von 65,6 Millionen um 11,4 Millionen auf 77,0 Millionen Franken erhöht. Pro Einwohner ergibt sich neu eine Nettoschuld von 4223 Franken. Eine Marke, die bereits deutlich über dem Tragbaren (2500 Franken) liegt und weiter steigen wird. Keine gute Ausgangslage. «Wir müssen vorwärtsschauen», sagt Hauri, «und kritisch bleiben. Denn für das, was wir einnehmen, geben wir einfach zu viel Geld aus.» Man verfolge das aufmerksam, betont Steueramtsvorsteher Thomas Laube. Er erklärt, dass die Gemeinde Wohlen bald 100 Millionen Franken Schulden habe, «so viel wie noch nie. Das birgt Risiken, wie beispielsweise ein Zinsanstieg.» Deshalb müsse die Politik bei den Ausgaben massvoll werden. «Wenn Politik und Volk nicht mehr Steuern zahlen wollen, dann wird es schwierig.» Dann gehe es nur über den Verzicht.
Keine Gedanken an Steuerfusssenkung
Thomas Laube sagte auch, dass nach dieser positiven Rechnung ja niemand meinen solle, dass nun eine Steuerfusssenkung zum Thema werden könne. Ganz im Gegenteil. «Die Gemeinde Wohlen braucht positive Rechnungsabschlüsse, um schneller fit zu werden.» Die betriebswirtschaftliche Zukunft von Wohlen sei auf positive Jahresrechnungen angewiesen. Wobei auf der Ausgabenseite jetzt schon in der Verwaltung eine grosse Disziplin herrsche, sagt Laube, der zugleich stellvertretender Geschäftsleiter ist.
Schlechte Finanzkennzahlen: Das ist nicht neu
Ein weiteres Problem ist die Abfallwirtschaft. Für den steuerfinanzierten Aufwand für Grüngut, Papier, Glas wird die Rechnung 2025 mit einem Zuschuss von 675 965 Franken belastet. Das sind 1,6 Prozent des Steuerertrages der natürlichen Personen.
Den Beweis, dass es um Wohlens Finanzhaushalt nicht gut bestellt ist, stellen die Finanzkennzahlen dar – das sind lauter Probleme. Drei von fünf Kennzahlen sind echt schlecht: Nettoschuld pro Kopf (2500 Franken tragbar, jetzt 4223 Franken). Selbstfinanzierungsgrad, aktuell 34,6 Prozent (sollte nicht unter 50 Prozent liegen). Der Selbstfinanzierungsanteil, aktuell 7,78 Prozent (sollte nicht unter 15 Prozent liegen).
Zwei Kennzahlen sind knapp genügend: Nettoverschuldungsquotient, aktuell bei 138,6 Prozent (Jahreseinheit, um Nettoschuld abzutragen, sollte nicht über 150 Prozent liegen). Der Kapitaldienstanteil, aktuell 9,56 Prozent (sollte nicht über 10 Prozent liegen).
Wo hat es hier überhaupt noch Luft drin? Finanzministerin Claudia Hauri: «Diese Situation ist nicht neu», die werde schon lange beobachtet. «Wir müssen eben alles hinterfragen.» Die Finanzkennzahlen seien vielleicht nicht immer dermassen ernst genommen worden, glaubt Gemeindeammann Roland Vogt. Aber mittelfristig brauche es bessere Werte.
Auch ein gutes Zeugnis
Zurück zum erfreulichen Rechnungsabschluss. «Eine Million in der Kasse anstatt ein Minus von 1,3 Millionen Franken, das ist doch ein erfreuliches Resultat», betont Hauri. Das Ziel müsse stets ein ausgeglichener Haushalt sein. Und der Rechnungsabschluss stellt dem letztjährigen Gemeinderat ein gutes Zeugnis aus – da sind sich Laube, Hauri und Vogt einig. «Wobei die einmaligen Effekte vom Gemeinderat ja nicht beeinflusst werden konnten», fügt Laube an.
Der positive Abschluss ist auch ideal für den Gemeinderat. Er erleichtert den Start in die Legislatur. «Der Gemeinderat ist sich bewusst, welche Investitionen auf die Gemeinde zukommen werden», sagt Gemeindeammann Roland Vogt. «Auf diesem Rechnungsergebnis lässt sich gut aufbauen.»


