«Dann wird es problematisch»
11.08.2026 WohlenDie Bünz führt durch Wohlen sehr wenig Wasser – bald droht auch ihr der Notstand
Der Hinterbach in Villmergen ist ausgetrocknet, alle Fische sind eingegangen. Wie geht es überhaupt der Bünz auf dem Wohler Gebiet? Im Moment ist der Wasserstand ...
Die Bünz führt durch Wohlen sehr wenig Wasser – bald droht auch ihr der Notstand
Der Hinterbach in Villmergen ist ausgetrocknet, alle Fische sind eingegangen. Wie geht es überhaupt der Bünz auf dem Wohler Gebiet? Im Moment ist der Wasserstand noch knapp akzeptabel, aber nicht mehr lange. Dies sagt Fischereiaufseher Armin Geissmann.
Daniel Marti
Eine Prognose zur Bünz, wie fällt diese aus? Bei dieser Frage runzelt Armin Geissmann die Stirn. «Das ist sehr schwierig», sagt er auf seiner Tour. Der Fischereiaufseher für die Bünz fährt am Samstagmittag die Strecke ab, von der ARA im Blettler bis hinauf ins Dorfzentrum, dort, wo der Guggibach in die Bünz fliesst. Beide führen noch Wasser – der Guggibach und die Bünz. Das ist gut so, aber bachaufwärts sieht es dann schon düster aus. Dort ist die Bünz ein Rinnsal, das keine allzu guten Aussichten geniesst.
Doch der Reihe nach. Mitte letzte Woche kämpfte Ruedi Jost auf Villmerger Boden, um den Erhalt der letzten paar Fische im Hinterbach. Dieser trocknete aus. Der Bach, der von Uezwil und Büttikon nach Villmergen fliesst, führt kein Wasser mehr. Knapp über 70 Fische konnte er zuerst retten (siehe Ausgabe vom vergangenen Freitag). Die zuerst geretteten Fische landeten im Erusbach, wo sie dann doch verendeten, weil Löschwasser und Gülle das kleine Gewässer verunreinigte.
Eine knappe Badewanne ...
Der Hinterbach führt also kein Wasser mehr. Der Bach ist auch erweiterter Zulieferer für die Bünz. Hinterbach und Erusbach fliessen im Dorf Villmergen zusammen und bilden den Holzbach, dieser misst zur Mündung in die Bünz knapp zwei Kilometer. Erusbach und folglich Holzbach führen noch Wasser. Der Holzbach fliesst bei der ARA im Blettler in die Bünz. Und hier trifft Armin Geissmann recht gute Bedingungen an. Das Wasser ist schöne zehn Grad kalt, die Bünz ist im Mündungsgebiet recht tief, der Bachverlauf ist von Bäumen geschützt.Von Anglikon bis zur ARA gibt es nur wenig Gefälle, ab und zu sogar leichtes Gegengefälle. Hier geht es den Fischen gut. Armin Geissmann strahlt. Es ist jedoch das letzte kleine Paradies auf dem Weg bachaufwärts Richtung Wohlen.
Dort, wo der Nutzenbach in die Bünz fliesst, eben bei der Nutzenbachstrasse, ist die Situation auch noch akzeptabel. Der Nutzenbach wurde im Zuge der Strassensanierung renaturiert. Ein kleines Glück für die Fische. Geissmann misst und hat erneut 10 Grad auf dem Temperatur-Messgerät. Der Blick aufwärts Richtung Badi und Schulhaus Bünzmatt verrät dann ein eher düster werdendes Bild. Die Bünz fliesst noch, sämtliche Steine, die sonst im Wasser liegen, ragen aus dem Bächlein. «Hier fliesst noch eine knapp gefüllte Badewanne durch», sagt er, leicht schmunzelnd. Eine Badewanne nimmt so etwas 200 Liter Wasser auf. Geissmanns Vergleich bedeutet, dass beim Schulhaus Bünzmatt noch etwa 200 Liter Wasser pro Sekunde die Bünz runterfliessen. Nötig wären im Normalfall eigentlich 600 Liter. Die Bünz hat hier mindestens einen halben Meter an Wassertiefe verloren.
Guggibach als kleiner Vorteil
Es geht weiter zum Zufluss des Guggibachs. Dieser liegt auf der Höhe der Bünzstrasse beim Isler-Areal. Geissmann ist erstaunt, denn da plätschert der Guggibach in die Bünz. Recht flott, und er misst 13 Grad. «Das ist ein schöner Vorteil. Dass der Guggibach noch Wasser führt, hilft der Bünz», freut sich Armin Geissmann. Denn: Wenn die Zulieferer austrocknen, wird es auch für die Bünz kritisch. Der Fischereiaufseher geht vom Guggibach-Einfluss weiter bachaufwärts Richtung Dorfzentrum. Und dort ist die Bünz tatsächlich nur noch ein kleines Rinnsal, Fische sind im Wasser keine zu sehen.
Mit gutem Willen könne er sagen, dass der Zustand der Bünz vom Guggibach bis zum Holzbach «noch einigermassen knapp zufriedenstellend ist». Das ist die Momentaufnahme. Die gilt in ein paar Tagen aber schon nicht mehr. «Wenn innert einer Woche weiterhin kein wesentlicher Regen fällt», erklärt der Fischereiaufseher, «dann wird es sehr problematisch». Für die Bünz und vor allem für die Fische.

