«Dann muss ich Alarm schlagen»
14.08.2026 WohlenDie Waldweiher leiden
Wasserknappheit beim Steffetsmösli
Jetzt wird es dramatisch. Die Waldseen Cholmoos und Steffetsmösli leiden unter den sehr warmen Wassertemperaturen. Und beim Steffetsmösli ist der Wasserstand mit 20 Zentimetern ...
Die Waldweiher leiden
Wasserknappheit beim Steffetsmösli
Jetzt wird es dramatisch. Die Waldseen Cholmoos und Steffetsmösli leiden unter den sehr warmen Wassertemperaturen. Und beim Steffetsmösli ist der Wasserstand mit 20 Zentimetern äusserst knapp. Die Fische leiden, und der Fischereiaufseher schlägt bald Alarm.
Die verantwortlichen Stellen im Gemeindehaus setzen dagegen auf das Wetter und hoffen auf Regen. --dm
Der Fischereiaufseher warnt: Den Waldseen Steffetsmösli und Cholmoos geht es nicht gut – die Fische leiden extrem
Steffetsmösli und Cholmoos – diese beiden Waldseen zählen zu den schönsten Orten von Wohlen. Sie sind idyllisch, wunderbar gelegen. Die Hitze setzt beiden Weihern und vor allem den Fischen zu. Vor allem beim Steffetsmösli ist die Lage dramatisch.
Daniel Marti
Er meint es gut mit den Fischen – und er leidet irgendwie mit ihnen. Wenn Fischereiaufseher Armin Geissmann ans Ufer klopft, dann bewegt sich das Wasser beim Steffetsmösli. «Sie sind noch da», sagt er dann. Und dann zückt er ein Stück Brot, schmeisst es ins Wasser. Die Fische beissen zu. Ja, es ist so, beim Steffetsmösli ist das Füttern eigentlich verboten. Aber Geissmann darf das, er ist ja Fischereiaufseher für die Bünz, das Cholmoos und das Steffetsmösli. Bei der Bünz ist die Situation problematisch (siehe Ausgabe vom vergangenen Dienstag), und bei den Waldweihern ist die Lage noch weit schlimmer.
Steffetsmösli: Teilweise nur noch 20 Zentimeter tief
Dort, wo sich die Fische zeigen, weist das Steffetsmösli noch eine Wassertiefe von knapp 40 Zentimetern auf. Das ist die Schattenseite, auf der Sonnenseite sind es noch 20 Zentimeter. Für die Fische bald zu wenig. In den letzen Wochen ist der Wasserstand um rund 65 bis 70 Zentimeter gesunken, rechnet Geissmann vor. «Seit über vier Monaten herrscht Fischereiverbot.» Dies gilt für den Sportfischerverein Wohlen, nur dessen Mitglieder dürfen im Steffetsmösli fischen.
«Im Steffetsmösli hat es widerstandsfähige Fische», so Geissmann weiter. Wie auch im benachbarten Cholmoos. Egli, Karpfen, Rotfedern schwimmen in den beiden Gewässern.
Der viel zu tiefe Wasserstand ist jedoch nur ein Problem. Das zweite ist die Temperatur. Auf der Sonnenseite des Steffetsmösli waren es beim Rundgang von Geissmann am vergangenen Samstag 29,2 Grad. Viel zu viel. Am Mittwoch waren es bereits 31,2 Grad. Im Cholmoos betrug der Spitzenwert diese Woche 31,8 Grad. «Wo führt das nur hin?», fragt Geissmann, der diese Woche mit einer Wärmebildkamera bei den beiden Weihern unterwegs war.
Bis auf die Temperaturen geht es dem idyllischen Cholmoos besser als dem Steffetsmösli. In der Mitte des Weihers beträgt die Tiefe laut Geissmann immer noch 1 bis 1,2 Meter. Üblich wären 1,5 bis zu 2 Meter. Das Cholmoos hat keinen Zufluss, dafür speist Grundwasser von unten den Weiher. Dafür ist das Cholmoos praktisch ganzheitlich der Sonne ausgesetzt. «Wegen der Wassertiefe geht es hier den Fischen noch einigermassen gut», sagt Geissmann, «aber auch das Cholmoos hat bald Frischwasser nötig.»
Das Cholmoos ist zudem reich mit Schwimmblatt- und Unterwasservegetation bewachsen. Das Biotop hat kantonale Bedeutung, es wurde in einem ehemaligen Torfgebiet im Jahr 1980 erstellt. Die Wasserfläche weist rund 20 000 Quadratmeter auf.
Alarm – aber man setzt auf den Wetterwechsel
Zurück zum Steffetsmösli – es wurde in den Jahren 1972 und 1973 von Menschenhand erschaffen. «Schlosser» Kurt Meyer und seine Truppe «bauten» den Waldweiher mit einer Wasserfläche von rund 8000 Quadratmetern.
Temperatur und Wasserstand führen hier zu einer dramatischen Situation. «Wenn innerhalb von zehn Tagen nichts passiert», sagte Geissmann vor einer Woche, dann werde es um die Fische geschehen sein. Die Uhr tickt also. «Ich muss dann Alarm schlagen.» Nun ist es fast so weit. Das Steffetsmösli braucht dringendst Frischwasser. Solches sollte von oben als dauerhafter Regen kommen – oder dann müsste allenfalls die Feuerwehr Wasser einspeisen.
Wie sieht das die Gemeinde? «Das Steffetsmösli hat aktuell noch Wasser, ist aber natürlich weit weg vom Idealzustand», sagt der Gemeinderat auf Anfrage. Die Fachstelle Umwelt und Energie sei im Austausch mit der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Aargau. Und dort setzt man vor allem auf das Wetter. «Da aktuell noch keine Tiere verendet sind und Meteo Schweiz Niederschläge und eine Abkühlung ab dem Wochenende prognostiziert, sind aktuell keine Massnahmen angezeigt», lautet die Antwort vom Ressort Planung, Bau und Umwelt. Für dieses Ressort ist Gemeinderat Olivier Parvex zuständig. Allerdings werden mögliche Massnahmen eingeräumt: «Sollte sich die Situation verschärfen, sind Massnahmen, in Absprache mit dem Kanton, denkbar.» Eine Einleitung von Frischwasser durch die Feuerwehr «wäre technisch möglich. Die geeignetste Lösung, mit einer provisorischen Leitung, ab dem nächsten Hydranten, ist aber recht aufwendig. Und die benötigte Wassermenge ab dem Trinkwassernetz beträchtlich», so die Erklärung aus dem Gemeindehaus.
Steffetsmösli verlandet: Ausbaggerung als Variante
Frischwasser – das ist eine kurzfristige Variante, um die aktuelle Problematik zu entschärfen. Das Steffetsmösli hat aber noch ein anderes Problem. Die Verlandung nimmt immer weiter zu. Diese hat dem Gewässer die einstige Tiefe genommen. Rund einen Meter weniger Tiefe weist dadurch der Weiher auf, rechnet Armin Geissmann vor. «Das Steffetsmösli muss ausgebaggert werden. Eine Ausbaggerung wäre enorm wichtig.» Für die Fische, die Wasserqualität und die Landschaft allgemein. Es gab diesbezüglich bereits eine Besprechung mit den Kantonsverantwortlichen.
Welche Haltung vertritt die Gemeinde betreffend Ausbaggerung des Steffetsmösli? «Soll das Gewässer seine Funktion als Lebensraum für Wassertiere, wie Fische und Krebse, langfristig erfüllen, sind mittelfristig Sanierungsmassnahmen notwendig», betont Gemeinderat Parvex.
Strengere Regeln im Wald
Er kann Gespräche in diese Richtung bestätigen. Die gab es zwischen dem Sportfischerverein, den zuständigen kantonalen Stellen, der Gemeinde beziehungsweise mit der Ortsbürgergemeinde, die Grundeigentümerin ist, und dem Forstbetrieb Wagenrain. «Die Ideen, auch zum Thema Naherholungsgebiet, aller Beteiligten wurden gesammelt und aktuell laufen Abklärungen, was umgesetzt werden könnte. Die Natur beziehungsweise der Erhalt des Gewässers stehen dabei im Fokus.»
Da es sich um ein Gewässer im Wald handelt, gelten strengere Regeln für bauliche Massnahmen jeglicher Art als im Siedlungsgebiet. Im Falle des Steffetsmösli gehört die ganze Parzelle, inklusive Gewässer, der Ortsbürgergemeinde Wohlen. Das Steffetsmösli wird auch vom Ressort Planung, Bau und Umwelt als «ein wertvolles Feuchtbiotop» bezeichnet.





