Chrampfer mit Herz
19.11.2024 WohlenBurkhard Eggenberger verlässt das Restaurant Schönau, das am Samstag, 14. Dezember, schliesst
Das Restaurant Schönau schliesst schon bald für immer seine Türen. Mit der Schliessung geht auch der Weg in der Gastronomie für Burkhard Eggenberger ...
Burkhard Eggenberger verlässt das Restaurant Schönau, das am Samstag, 14. Dezember, schliesst
Das Restaurant Schönau schliesst schon bald für immer seine Türen. Mit der Schliessung geht auch der Weg in der Gastronomie für Burkhard Eggenberger zu Ende. Seine Cordon bleus werden vielen fehlen.
Monica Rast
«Es ist der richtige Zeitpunkt, um in Pension zu gehen», meint Burkhard «Eggi» Eggenberger. Der 65-Jährige verlässt das Restaurant trotz allem mit Wehmut. Er sei halt ein Gastronom durch und durch.
So steht seit geraumer Zeit ein grosses Schild vor dem Restaurant Schönau. Mit grosser Schrift wird die Liquidation im Dezember angekündigt. Nicht nur für die Mitarbeiter von Eggenberger, den alle nur «Eggi» nennen, kommt die Schliessung etwas unerwartet. Auch die Gäste nehmen die Information erstaunt auf.
Spätestens vor dem Eingang wird ihnen aber bewusst, dass es kein Scherz ist. Silbrig glänzende und nostalgische Kassen sind mit Preisschildern versehen. Eine davon stammt noch von der Anfangszeit als Wirt im «Winzerstübli». Damals hatte Eggenberger mit gerade mal 5000 Franken im Sack und einem Darlehen der Bank über 60 000 Franken als junger Pächter angefangen. «Das ist heute nicht mehr möglich. Kein Jungunternehmer würde heute die Summe für die Schönau bekommen.»
Mit Arbeit und Leistung ans Ziel gelangt
Das kleine Restaurant in Höngg mit seinen 28 Sitzplätzen wurde auch unter den Arbeitern bekannt. «Wenn einer Ferien hatte, durfte man seinen Stuhl so lange weitergeben, bis dieser wiederkam», erzählt der passionierte Koch schmunzelnd. «Den Wein holten sich die Gäste selber aus dem Weinkeller.» Es war der Anfang einer eindrücklichen Reise durch die Gastronomie im In- und Ausland. «Ich habe grosse Zeiten mit grossen Beizen erlebt», erinnert sich der leidenschaftliche Koch. «Wenn sie jemanden für eine Herausforderung suchten, bekam ich den Anruf.»
Damals kam die Gastronomie vor der Familie. «Was meine Kinder heute sind, ist der Verdienst meiner Frau Monika», meint er sichtlich stolz. «Sie hat mir den Rücken freigehalten.» Doch für die Enkelkinder möchte er sich nun etwas mehr Zeit nehmen.
Zuvor muss nun das ganze Inventar raus. Dann gehört die «Schönau» endgültig der Vergangenheit an. Eigentlich hat die Liquidation bereits begonnen, obwohl der Betrieb noch bis zum 14. Dezember weiterläuft. Denn Gäste, Freunde und Kollegen können schon jetzt einiges erwerben. «Alles, was nicht mehr gebraucht wird, steht bereits jetzt zum Verkauf», erklärt die Restaurantleiterin Denise Adam. Sie kennt Eggenberger aus der Zeit im «Winzerstübli». Schon damals war er ihr Arbeitgeber. So werden während der Arbeit noch oft Geschichten aus der gemeinsamen Zeit ausgetauscht. «Er ist nicht nur mein Chef, sondern auch ein Freund und Kollege. Er ist ein spezieller Mensch. Entweder man mag ihn oder nicht. Aber er hat ein gutes Herz und ist ein Chrampfer.»
Trotz den vielen Jahren dazwischen ist man immer noch ein eingespieltes Team und hilft sich, wo Not am Mann ist. «Ich habe gedacht, ich wäre noch etwas länger hier», meint Denise Adam etwas wehmütig, «aber ich akzeptiere seinen Entscheid. Er hat sich die Pension verdient.» Sie wird bis zum letzten Tag in der «Schönau» sein, während Martin Huber das Restaurant Ende Monat verlässt.
Voll des Lobes für die Cordon bleus
Vor rund neun Jahren hat Eggenberger das Restaurant Schönau in einem eher desolaten Zustand übernommen. Dank seinem grossen Engagement geben sich nun die Gäste die Klinke in die Hand. Besonders für seine Cordon bleus ist er so bekannt, dass sogar ehemalige Gäste aus dem «Winzerstübli» in Wohlen haltmachen. Dank Oli’s Cordon-bleu-Guide läuft es auch in der «Schönau» rund. Jeder möchte noch zum Schluss ein «Eggi»-Cordon-bleu. Doch auf Bewertungen gibt er nicht viel. «Jeder glaubt, er sei ein Experte. Trotzdem gebe ich auf jede Bewertung eine Antwort.» Doch eines mag er gar nicht: wenn jemand sein Personal anpöbelt. «Das geht gar nicht.»
Rückblickend auf all die Jahre sei die Zeit von Corona schon speziell gewesen. «Wirten ist heutzutage nicht mehr einfach. Das Mittagsgeschäft läuft nicht mehr so gut wie früher. Es ist frustrierend. Die Fixkosten sind inzwischen so hoch, dass ein Essen auswärts immer schwieriger wird.»
Man muss sich mit viel Unannehmlichkeiten rumschlagen und kreative Köche sind nicht mehr gefragt. Er habe sich nie als Gourmetkoch gesehen: «Anrichten mit einer Pinzette liegt mir nicht.» Da wird kurz vor Mittag mit einem Blick in den Kühler entschieden, was auf die Tageskarte kommt.
Trotz allem würde «Eggi» immer wieder ins Gastgewerbe einsteigen. «Aber vielleicht nicht mehr mit der gleichen Begleitmusik.»
Zeit, Abschied zu nehmen
Auf die Meldung, dass Eggenberger in Pension geht, gab es etliche Rückmeldungen. Ganz besonders berührte ihn der Brief seiner damaligen Kochschullehrerin Berti Rhiner. Die inzwischen 86-Jährige setzte sich damals für «Eggi» ein, damit er die Kochschule besuchen konnte. Denn er wusste schon damals, dass er Koch werden wollte.
Die Tage in der Küche der «Schönau» sind gezählt. Für sein grosses Abschiedsfest trägt er all seine Stationen samt Bilder zusammen. Unter den Gästen werden all diejenigen sein, die in irgendeiner Weise ein Teil seines Weges waren. «Ich möchte die Leute zum Abschied alle nochmals sehen.»

