Börse, Bar und Bier
27.03.2026 Wohlen, GewerbeDie «Zanzi»-Babys
Die «Zanzibar» eröffnete vor genau 20 Jahren – und wird auch noch ein paar Jahre weitermachen
Ab 2006 wird die «Zanzibar» zur Institution in Wohlen. In den letzten 20 Jahren gab es kuriose Geschichten, tolle Momente und 200 000 Liter Bier.
Stefan Sprenger
Polo Hofer feierte einst eine legendäre After-Show-Party, der «Bachelor» Paul Janke sorgte dafür, dass an einem Abend praktisch nur Frauen anwesend waren – und als Italien 2006 den Weltmeistertitel gewinnt, zieht die «Zanzibar» so viele Menschen an, dass die Zentralstrasse gesperrt werden musste. «Es gab einige legendäre Abende in den letzten 20 Jahren», sagt Inhaber Adriano Iannone lachend.
Seit der Eröffnung am 28. März 2006 ist viel passiert. Wohlen hatte zwar 4000 Einwohner weniger, doch die Menschen gingen öfters in den Ausgang. Die «Zanzibar» erlebt im ersten Jahrzehnt die fette Zeit und wird zum Ausgangsleuchtturm. Am Wochenende war das Lokal meist rappelvoll. Einheimische und auswärtige Partygänger pilgerten nach Wohlen und wollten eine gute Zeit erleben. «Das waren tolle und intensive Jahre», sagt Iannone.
Am Wochenende wird gefeiert
Und sein «Baby» räumt immer wieder Preise ab. Zuletzt 2025, als das Lokal den Swiss Location Award gewinnt. Mit 9 Punkten erhielt die Bar damit das Gütesiegel «Herausragend». Herausragend soll auch das kommende Wochenende werden. Die «Zanzibar» feiert ihr Jubiläum. 20 Jahre. So lange überlebt selten eine Bar mit demselben Besitzer. Iannone darf geniessen, am Freitag mit Schlager, am Samstag mit House. Im Gespräch erzählt er, warum die Gastronomieszene immer mehr zerfällt, und er schätzt, wie viele «Zanzi»-Babys gezeugt wurden.
Die «Zanzibar» eröffnete vor 20 Jahren und wurde zu einer Marke in der Barszene
Eine Trauminsel wollte Adriano Iannone erschaffen. Er kreierte mit der «Zanzibar» einen Ort, der in den letzten zwei Jahrzehnten viel von sich reden gab. Menschen verliebten sich, Abende wurden legendär und das Lokal war phasenweise ein Anziehungspunkt für die Partygänger von weither.
Stefan Sprenger
Zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist bei Adriano Iannone manchmal nur wenig Platz. «Manchmal gehe ich mit der Gewichtsweste und meinen zwei Möpsen spazieren, damit ich Gewicht verliere.» Als der 53-Jährige diesen ernst gemeinten Satz ausspricht und kurz überlegt, beginnt er laut zu lachen. Es ist so etwas wie sein Markenzeichen, dass er einerseits ein geradliniger Mensch und Geschäftsmann ist – und andererseits auch seit 20 Jahren ein Barbetreiber, der die Lockerheit, den Schalk und die schönen Dinge des Lebens schätzt. «Ich glaube, dieser Ort wurde schon ein kleiner Leuchtturm für Wohlen. Wir haben das Dorf belebt. Wir machen Standortmarketing und haben Leute von weither angezogen.»
Früher mehr als heute. Das hat vor allen Dingen mit dem Ausgangsverhalten und der stark veränderten Gastronomieszene zu tun. «In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Gastronomie zwei Mal um 180 Grad gedreht. Man muss sich immer wieder neu erfinden», sagt Iannone.
Vom Wertschriftenhändler zum Barchef
Er denkt zurück an jenen Freitagabend im März 2006. In dieser Zeitung heisst es zum Eröffnungsbericht: «Zanzibar klingt verlockend und ist eine Trauminsel vor Kenia. Sich entspannen, sich unterhalten und die Seele baumeln lassen, ein schönes Ambiente geniessen – das verspricht Adriano Iannone im neuen Lokal.» Er war damals 34 Jahre jung, die Zeit davor war er als Wertschriftenhändler an der Börse tätig. In Zürich, in London und New York. Er wohnte im Kanton Schwyz. «Und ich wollte beruflich etwas Neues. Ich hatte vom Börsenhandel genug. Zudem habe ich Wohlen vermisst.» Und weil zu jener Zeit sein Cousin Gregi Mantella das «Ibarus» in Wohlen führte, liess sich Iannone inspirieren. «Ich wollte auch etwas in diese Richtung machen.» Die Idee von der «Zanzibar» ist entstanden.
Und diese Idee wurde im Jahr 2006 Wirklichkeit. Vorher war das griechische Restaurant Protos in den Räumlichkeiten. «Wir machten etwas ganz anderes. Und starteten sofort durch.»
Fussball, Feste und Promis
Auftrieb gab sicherlich die Fussball-WM in Deutschland, die nur ein paar Monate später für Euphorie sorgte. Die Menschen gingen raus, wollten sich treffen und Fussball schauen. In der «Zanzibar» konnte man all das tun. Und: Italien wurde Weltmeister. An jenem Abend musste man die Zentralstrasse sperren, weil so viele Leute vor der Bar feierten. Auch in den Jahren danach war die «Zanzibar» jahrelang ein gigantischer Treffpunkt für Leute aus Wohlen, dem Freiamt und darüber hinaus. «Die fetten Jahre», beschreibt es Iannone. Fasnacht, Oktoberfest – und dazu bekannte Musikgrössen wie DJ Antoine, Mr. Mike oder Jamie Lewis. Die «Zanzi» war jeweils rappelvoll. Für zwei besonders legendäre Abende waren Polo Hofer und Paul Janke verantwortlich. Hofer, die Schweizer Mundartlegende, sorgte nach seinem Konzert im Casino für eine spontane After-Show-Party, die leicht eskalierte. Der TV-Star Paul Janke, der 2012 Bachelor in Deutschland war, «sorgte für mich für das grösste Highlight», so Iannone. «Er ist ein richtig toller Typ und ich bin bis heute mit dem Bachelor Janke in Kontakt», sagt Iannone. Wegen Janke kamen Hunderte von Frauen – und sorgten als Groupies für tumultartige Szenen.
Die ersten rund 10 Jahre waren genial. Erwähnenswert ist auch der grosse Umbau 2013. Das Lokal erhielt ein neues Outfit und Hunderte Spiegel an der Decke. Auch wenn Iannone in den Spiegel schaut, sagt er: «Wir werden alle älter.» Damals, das sei «die goldenen Generation» gewesen. Heute gehen die jungen Erwachsenen anders in den Ausgang. Manchmal fragt er sich, wo denn alle 18 000 Einwohner von Wohlen abends hingehen. Er erklärt: «Corona hat viel verändert. Durch das Smartphone und die Digitalisierung ist das Sozialverhalten anders. Und viele Menschen schauen mehr auf das Portemonnaie», wie Iannone sagt. Früher seien viel mehr Spirituosen konsumiert worden als heutzutage.
Was aber immer gleich gut läuft: Bier. Er rechnet aus, dass er rund 70 bis 100 Hektoliter Bier pro Jahr verkauft hat. Nach einer Hochrechnung sind das rund 200 000 Liter Bier in zwei Jahrzehnten. «Das gibt Kopfweh», sagt Iannone lachend. Seine Bar erhielt im Laufe der Jahre viele Auszeichnungen. Zuletzt 2025 den Swiss Location Award – Prädikat «Herausragend» (mit 9 von 10 möglichen Punkten). «Ich glaube, wir sind anerkannt und werden geschätzt.»
Wie lange gibt es die «Zanzibar» noch?
Er lebt heute in Schönenwerd, in der Nähe seiner 18-jährigen Tochter. «Zeit mit ihr ist enorm wichtig für mich», sagt er. Und allgemein sei die Familie das höchste Gut. Die «Zanzibar» ist der beste Beweis dafür. Denn sein Vater Franco, seine Mutter Carmela, sein Bruder Omar und seine Schwester Angela – sie alle halfen in der Bar im Laufe der Jahre aus. Manche über Jahre. «Ich habe stets grossen Support erhalten, dafür bin ich dankbar», meint er.
In Wohlen gibt es ein Nachtlokal, dass es nur noch länger gibt als die «Zanzibar»: das «Piccadilly Pub». Iannone sagt: «Konkurrenz belebt das Geschäft. Früher hatte es viel mehr Bars, Pubs und Discos, um abends wegzugehen. Auch das ist leider ein Trend der heutigen Zeit, dass solche Orte verschwinden.» Und wie lange wird es die «Zanzibar» noch geben? Der Mietvertrag ist gerade verlängert worden bis 2032. Iannone meint, dass es die Bar «sicher noch 10 Jahre geben wird». Dann gehe auch er langsam in Pension.
Als Iannone gefragt wird, wie viele Paare sich in seiner Bar kennengelernt haben, beginnt er im Kopf zu zählen. «Ich kann mindestens 10 Paare nennen – und alle haben Kinder gekriegt.» Er schätzt, dass wohl ein Dutzend «Zanzi»-Babys auf der Welt sind.
Die Bar hat viel bewegt – und wird es noch einige Jahre tun. Das muss gefeiert werden. An diesem Wochenende (Freitag mit Schlager, Samstag im Ibiza-Style) darf man anstossen. Und dabei auch Iannone auf die Schultern klopfen – für ganz viel Durchhaltewillen und Antrieb. Und wenn man will, darf man ihn auch auf seine Möpse (die Hunde) und die Gewichtsweste ansprechen.



