Felix Bingesser, ehemaliger Sportchef beim «Blick», wohnt in Waltenschwil.
In ruhigen Minuten fragt man sich ja schon mal, als was man wiedergeboren werden möchte, sollte es tatsächlich eine zweite Chance geben. Sicher nicht ...
Felix Bingesser, ehemaliger Sportchef beim «Blick», wohnt in Waltenschwil.
In ruhigen Minuten fragt man sich ja schon mal, als was man wiedergeboren werden möchte, sollte es tatsächlich eine zweite Chance geben. Sicher nicht als Eintagsfliege. Die armen Tiere surren maximal vier Tage nervend den Leuten um die Ohren, bevor sie das Zeitliche segnen.
Ganz sicher kein Vergnügen ist auch das Schicksal eines Airbags. Ein Leben lang eingesperrt sein und darauf warten, bis es knallt, erscheint mir keine erstrebenswerte Option.
Jüngst sass ich gedankenversunken beim Frühstück. Beim Schmieren des Honigbrötli fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Auch eine Wiedergeburt als Laib Brot ist ein überaus tristes, ja gar furchtbares Schicksal.
Ein Brot wird nicht in der Gebärmutter, sondern im Ofen gebacken. Dort ist es nicht 37 Grad warm, sondern höllische 200 Grad heiss. Hat man sich nach der Geburt kurz abgekühlt, kommt schon einer mit dem Metzgermesser und schneidet einen kurz und klein.
Dann wird man in einen Rachen voll übelriechender Karies geschoben, von gelblich fauligen Zähnen malträtiert und unter Geknirsche in seine Einzelteile zerlegt. Wenn du Pech hast, teilst du dieses Schicksal mit einem Stück Schimmelkäse und einer Zehe Knoblauch, die ebenfalls ins Mahlwerk eingeführt werden.
Danach beginnt eine fürchterliche Achterbahnfahrt durch Dick- und Dünndarm. In welch übelriechender Gesellschaft man sich da befindet, muss nicht weiter ausgeführt werden. Vielleicht wird diese Kolumne auch zu Essenszeiten gelesen.
Jedenfalls ist das Schicksal des einst stolzen Brotes schnell besiegelt. Bis zur Unkenntlichkeit entstellt, fällt es nach der Achterbahnfahrt in eine Schüssel, wird runtergespült und findet seine Grabstätte in der regionalen Abwasserreinigung. Ein Horrorleben.
Was lernen wir daraus? Es gibt immer schlimmere Schicksale als das eigene. Schönen Frühling! Und essen Sie nicht zu viel Brot.
So, hier endet diese Kolumne für Sie. Ab hier: Off the record! Nein, ich habe kein Covid-Zertifikat gefälscht. Der Rest ist trotzdem privat. Wenn Sie weiterlesen, empfinde ich das als grossen Vertrauensbruch!
Lieber Felix, ich wünsche dir, also von mir zu mir und ganz im vertraulichen Kreis, alles Gute zum heutigen Geburtstag!