Begeisternde slawische Klänge
23.06.2026 Bremgarten, MusikMatinee des Orchesters Bremgarten
Am Sonntag konzertierte das Orchester Bremgarten in der Kapuzinerkirche. Die Matinee stand unter dem Titel «Slawische Klänge» und versprach einen abwechslungsreichen Konzertmorgen.
Gleich drei – genau ...
Matinee des Orchesters Bremgarten
Am Sonntag konzertierte das Orchester Bremgarten in der Kapuzinerkirche. Die Matinee stand unter dem Titel «Slawische Klänge» und versprach einen abwechslungsreichen Konzertmorgen.
Gleich drei – genau genommen sogar vier – bedeutende russische Komponisten der Romantik präsentierte das Orchester Bremgarten in seiner Matinee «Slawische Klänge». Angekündigt wurden musikalische Entdeckungen mit Antonin Dvorak, Alexander Glasunow und Anton Arenski, wobei Dvorak in der «Tschechischen Suite» sich auf eine Vorlage von Pjotr Tschaikowsky stützt. Das Konzert begann eindrucksvoll mit der Serenade für Bläser, Kontrabass und Cello, op. 44, in d-Moll. Das 1878 entstandene Werk von Antonin Dvorak umfasst die vier Sätze Moderato quasi marcia, Menuetto, Andante con moto und Finale Allegro molto. Die Uraufführung erfolgte in Prag unter der persönlichen Leitung des Komponisten selbst. Dvorak war so begeistert von Mozarts Serenade für Blasinstrumente, dass er beschloss, ein eigenes Werk im gleichen Stil zu schaffen.
Gefordert war bei diesem Werk die Gruppe der Blasinstrumente des Orchesters. Strahlende Töne und eine versierte Instrumententechnik liessen die Melodien virtuos und authentisch erklingen.
Ein Moment der Träume
Mit dem folgenden Werk «Rêverie orientale» von Alexander Glasunow (1865–1936) führte das Orchester die Konzertbesucher in eine völlig andere Klangwelt. Das kurze, stimmungsvolle Werk begeisterte mit exotischen Farben, romantischer Ausdruckskraft und einer Atmosphäre voller Sehnsucht und Fantasie. Glasunow war ein brillanter Orchestrator, ein ausgefeilter Kontrapunktiker und ein Meister der Formgebung. Er gilt als bedeutende Persönlichkeit in der russischen Musikgeschichte.
Hier kam das gesamte Orchester unter der umsichtigen und doch diskreten Leitung von Renato Bolli zur ersten Bewährungsprobe, welche achtungsvoll bestanden wurde. Man spürte die Leidenschaft des Orchesters für diese Musik sehr gut. Sympathisch waren auch die knappen Ansagen zu den Aufführungen.
Die slawische Seele erklingt
Die Variationen über ein Thema von Tschaikowsky op. 35a von Anton Arenski sind ein Meisterwerk für Streichorchester. Das Werk besticht durch seinen warmen, tief empfundenen russisch-romantischen Klang und basiert auf dem melancholischen Lied «Legende» (op. 54 Nr. 5) von Tschaikowsky. Das Werk entstand 1894. Arenski komponierte dieses Werk in tiefer Verehrung für seinen Kollegen und Förderer Tschaikowsky. Dem einleitenden Thema folgen sieben ausdrucksstarke Variationen. In diesem Werk brillierten aufgrund der Kompositionsanlage vor allem die Streicher. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky ist einer der grossen russischen Komponisten und Dirigenten; geboren am 10. August 1865 in St. Petersburg. Seine Werke kennzeichnet eine Vielfalt der Stilformen. Zum Abschluss erklang die «Tschechische Suite» op. 39 von Antonin Dvorak. Das Werk ist auch als «Böhmische Suite» bekannt und entstand 1879, parallel zur Komposition des Streichquartetts op. 51. Das Werk umfasst die Sätze: Preludium (Pastorale), Polka, Sousedska (Minuetto), Romance (Romanze) und Finale (Furiant). Interessant dabei ist, dass Dvorak im 3. Satz, Menuett, die Verschmelzung tschechischer Volksmusik mit westeuropäischer Musiktradition betont. Teils fühlten sich die Melodien denn auch so an, als wären sie dem tschechischen Komponisten Friedrich Smetana zuzuschreiben. Das Orchester war weiterhin gut in Form und verfügt über ein hohes musikalisches Niveau.
Im abschliessenden Gespräch wies Dirigent Renato Bolli darauf hin, dass das gesamte Konzert mit eigenen Kräften gemeistert wurde. Dabei wirkte er – ungewollt – wie ein «Spiritus Rector». Sein abschliessendes Fazit: «In unserem Orchester ist jeder ein Solist.»
--aha

