Sich verirren kann Spass machen

  28.07.2026 Natur, Region Unterfreiamt, Villmergen, Vereine, Kommende Events

Erlebnis in der Natur schaffen

In Villmergen eröffnet am Samstag das Freiämter Maislabyrinth

Der Verein Chnorrlimorrli und der Biohof Farngut spannen zusammen und erschaffen eine neue Ausflugsmöglichkeit für Gross und Klein.

Chregi Hansen

Sie haben sich gefunden: Der eine ein kreativer Denker mit ganz viel Lust am Geschichtenerzählen. Der andere ein engagierter Landwirt, der gerne auch mal Neues wagt. Zusammen haben Stefan Sprenger und Reto Heiniger aus Villmergen das Projekt eines Maislabyrinths entwickelt und umgesetzt. Am kommenden Samstag, 1. August, ist die Eröffnung.

«Das Maislabyrinth soll ein Geschenk für die Menschen sein, besonders für Familien und Kids. Eine gute Zeit in naturnaher Umgebung zu verbringen, ist unser Ziel. Beim Projekt waren ganz viele positive Menschen dabei, ob finanziell oder mit Zeit und Engagement. Schön, dass dies möglich war in unserer schnelllebigen Zeit», sagt Stefan Sprenger, der die Idee hatte. Er konnte Reto Heiniger problemlos zum Mitmachen motivieren. «Es ist für mich eine Möglichkeit, Werbung für die Landwirtschaft zu machen und Verständnis zu wecken für unseren Beruf», sagt er. Beide haben viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt.

Ab dem kommenden Samstag kann das Labyrinth unterhalb des Villmerger Luegetenhofs erkundet werden. Neben dem Irrgarten (inklusive Rätsel) laden ein Picknickplatz mit Verpflegungsstand und ein Silo-Spielplatz zum Verweilen ein. Auf eine Eröffnungsfeier wird bewusst verzichtet. «Wir wollen das ganz schlicht halten», sagen die beiden.


Das Freiamt erhält dank Chnorrlimorrli und dem Biohof Farngut ein Maislabyrinth

1999 lockte in Muri das erste Freiämter Maislabyrinth die Menschen in Scharen an. Lang ist es her. Jetzt gibt es eine Neuauflage. Stefan Sprenger und Reto Heiniger schicken Kinder und ihre Begleiter durch einen besonderen Irrgarten.

Chregi Hansen

Geplant war, für ein Foto ein paar Schritte ins Maisfeld zu gehen. Doch schon bald befanden wir uns mitten im Labyrinth. Und es dauerte nur wenige Minuten, bis die Orientierung verloren ging. Rundherum nur hohe Stauden, durch die verschiedene Wege und Abzweigungen führen. Und immer wieder mal in einer Sackgasse enden. Zum Glück ist Landwirt Reto Heiniger dabei, der die Bahnen geschnitten hat. Und die kleine Gruppe zielsicher zum Ausgang führt.

Dabei sah der Weg auf dem Drohnenbild von oben recht einfach aus. «Es sollte nicht allzu kompliziert sein», sagt denn auch Stefan Sprenger, der Initiant des Projektes. «Es soll für alle in rund 30 Minuten zu schaffen sein», fügt er an. Den Menschen etwas bieten, und das mitten in der Natur, dies ist das grosse Ziel der beiden Organisatoren. «Wir leben in einer hochdigitalisierten Welt. Dem wollen wir etwas entgegenwirken. Und zeigen, wie wenig es braucht, um als Familie Spass zu haben», sagt Sprenger.

Noch gibt es einiges zu tun

In Reto Heiniger fand er den idealen Partner. Er stellt das Land zur Verfügung und hat schon im April den Mais angepflanzt. «Andere Bauern sagten, das sei zu früh. Aber bei der Hitze in diesem Jahr war dies ein Vorteil, die Pflanzen haben die nötige Höhe», erklärt er. Heiniger, der auf seinem Farngut-Hof auch einen Laden führt und regelmässig am Wohler Wochen-Märt anzutreffen ist, hat inzwischen die Wege geschnitten. Mehrheitlich nach Gefühl. «Stefan ist mit dem Handy mitgelaufen und hat per GPS kontrolliert, dass ich nicht aus Versehen das Ende erreiche», erzählt er lachend. Die geschnittenen Pflanzen gingen an seine Kühe. Jetzt folgt noch der Feinschliff, die Wege werden noch ausgeebnet und damit auch mögliche Stolperfallen entfernt. Überhaupt gibt es noch einiges zu tun, damit es am Samstag losgehen kann.

Sprenger und Heiniger sind die beiden Köpfe hinter dem Freiämter Maislabyrinth. Doch alleine hätten sie ein solches Projekt nicht stemmen können. «Wir haben enorm grosse Unterstützung erhalten von allen Seiten», schwärmen sie. Und wenn Stefan Sprenger anfängt, diese Leute aufzuzählen, kommt er kaum an ein Ende. Und doch ist es wichtig, einige besonders hervorzuheben. So etwa seine Kollegen von Handball Wohlen, die mit 25 Mann tatkräftig mitgeholfen haben, den Mais aus dem Feld zu schleppen. «Das war ganz schön anstrengend», berichtet er.

Gemeinsam eine tolle Zeit erleben

Oder Landwirt Marc Meier, Besitzer des Luegentenhofs, der nicht nur sofort Ja gesagt hat zur Idee, sondern mit seinem Know-how vom «Maisfäscht» in Waltenschwil auch wertvolle Inputs gab. Unbedingt erwähnen will Sprenger aber auch die Crew vom Motocross Wohlen, allen voran Ueli und Mathias Hilfiker (aus Boswil). Treppe, Bänke, Absperrung: Ihre Hilfe war Gold wert. Oder die Wohler Familie Caduff, die extra einen Bauwagen anschaffte und umbaute. Dieser dient nun als Verpflegungsort, wo es Glace und Getränke gibt – dazu Früchte und Gemüse, natürlich vom Biohof Farngut. Auch der Kindergarten Villmergen half bei der Dekoration mit. «Es ist einfach schön, wie ein solches Projekt die Leute zu begeistern vermag. Die finanzielle, ideelle und auch tatkräftige Unterstützung ist riesig und nur positiv», so Sprenger.

Kindern und Familien etwas bieten, die Liebe zur Natur und zur eigenen Region wecken und gemeinsame Erlebnisse ermöglichen, das treibt den Journalisten und Autor der Kinderbücher von Chnorrlimorrli schon länger an. Das Projekt nimmt denn auch «Chnorrlis» Motto auf: «Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.» Sprengers Wunsch ist es, dass Familien eine tolle Zeit zusammen erleben. Und das zu einem günstigen Preis. Aber auch für Schulklassen und Kindergärten eignet sich der Besuch – es haben sich schon einige angemeldet. Denn im Labyrinth warten spannende Rätselaufgaben (samt Wettbewerb und tollen Preisen) und es werden lehrreiche Informationen vermittelt. Auch warten hinter bestimmten Ecken auch aufregende Figuren der Bildhauer Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger. Beim Start und Ziel können sich die Besucher verpflegen und das alte Silo wurde zu einem Spielplatz umfunktioniert. Nach dem erfolgreichen Meistern des Labyrinths muss also niemand gleich nach Hause.

Zwei Anlässe mit der Bibliothek

Organisiert ist das Ganze möglichst einfach. Es ist niemand da, der Eintritt kassiert, man geht davon aus, dass auch so bezahlt wird, am besten mit Twint. Es ist auch keiner vor Ort, der den Kiosk führt – auch hier zählt man auf die Ehrlichkeit der Besucher. «Wir vertrauen den Menschen», sagt Sprenger. Grössere Anlässe rund um das Labyrinth sind aus Rücksicht auf die Anwohner nicht geplant, vorgesehen sind lediglich zwei Geschichtenzeiten mit Lese-Animatorin in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken Villmergen und Wohlen. Bei der Zufahrt hat man sich etwas überlegt. Um die Anwohner zu entlasten, wird diese von zwei Seiten her signalisiert – vom Schützenhaus Villmergen und vom Huserhof in Wohlen. «Aber am besten macht man mit den Kindern einen Velo-Ausflug oder einen Spaziergang hierher», findet Sprenger. Die Bushalte-Stelle Bullenberg ist rund 10 Gehminuten vom Maislabyrinth entfernt.

Landwirt Reto Heiniger wiederum ist es ein Anliegen, auch auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. So werden wichtige Facts zum Mais vermittelt. Zudem stattet er den Verpflegungsstand auch mit Produkten aus seinem Hofladen aus. Aber: Den beiden geht es mit diesem Projekt nicht um den Profit. «Wir wollen den Menschen eine Freude machen», betonen sie. Und wer total begeistert ist vom neuen Maislabyrinth, der kann auch gleich hier übernachten. Beim Start und Ziel steht das Planzer-Motel, das wohl kleinste mobile Motel der Schweiz. Dies ist möglich dank einer Zusammenarbeit mit dem Freiämter Verein Top Challenge und der Planzer AG. «Es ist einfach toll, wie gut der Zusammenhalt hier in der Region funktioniert», so Sprenger.

Geöffnet ist das Labyrinth bis Ende September

Einen ganz besonderen Dank spricht er aber seiner Familie aus. Allen voran seiner Frau Manuela Frabetti, die beim Projekt ebenfalls tatkräftig anpackte. «Und es war schön zu sehen, dass meine Kids ebenfalls sehr grossen Spass daran haben. Sie sagten, dass sie auch einmal ein Maislabyrinth machen wollen, wenn sie gross sind, und haben im Garten schon einen kleinen Irrgarten selbst erstellt», erzählt er schmunzelnd. Diese Reaktion beweist, dass die Idee Potenzial hat und sich Kinder von diesem besonderen Abenteuer packen lassen. Geöffnet ist das Labyrinth bis Ende September. Dann wird das Feld gemäht und die Pflanzen landen wieder als Futtermais im Silo. «Nachhaltiger geht es kaum», betont denn auch Landwirt Heiniger.


Infos: www.maislabyrinth-freiamt.ch

 


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