Ich wusste schon lange, dass das Landesmuseum, äh Nationalmuseum, in der Romandie ein Schloss bespielt. In Prangins, am Genfersee. In meiner Vorstellung ist das weit weg vom Freiamt, also abgelegen. Jetzt flogen wir dorthin aus. Grosses Staunen, als der Zug aus dem Tunnel fährt und ...
Ich wusste schon lange, dass das Landesmuseum, äh Nationalmuseum, in der Romandie ein Schloss bespielt. In Prangins, am Genfersee. In meiner Vorstellung ist das weit weg vom Freiamt, also abgelegen. Jetzt flogen wir dorthin aus. Grosses Staunen, als der Zug aus dem Tunnel fährt und sich die Rebberge des Lavaux vor unseren Augen ausbreiten. Der Genfersee von einem überirdisch schönen Blau.
Nach Nyon noch eine kleine Busfahrt – und schon steht man vor Château Prangins. Weil wir im Zug auf Landjäger, Tiki und Ovosport verzichtet hatten, stehen wir jetzt mit Hunger vor der Menü-Schiefertafel des Museumsrestaurants, und was wir lesen, gefällt uns.
Doch der Bescheid der Chefin ist klar: alles reserviert! Hier müsse man zum Voraus einen Tisch bestellen, den ganzen Sommer lang. Mir wird klar, leider zu spät: die Lage dieser Gartenwirtschaft ist atemberaubend schön, da kommt man auch zum Essen, wenn man mit dem Schloss nichts am Hut hat. Zum Glück gibt es eine Alternative, wir finden direkt unten am See den zweitletzten Tisch.
Nach dem Essen wollen wir uns der Kultur widmen. Im Museumsshop beim Eingang bleibe ich schon hängen. Nur gut, dass das Portemonnaie im Garderobekasten eingeschlossen ist.
Endlich starte ich die Besichtigung mit dem Audioguide, der mir alles auf Deutsch erklärt. Ich mag Audioguides, weil sie mich in meinem Tempo gucken lassen und Ruhe ins Museum bringen. Heute sind wir allerdings fast die Einzigen im Schloss. Wir schmunzeln, weil die Präsentation witzig ist, wir staunen über die kluge Art der Ausstellung und gehen durch Räume und Zeiten. Die Zeit der verstaubten Vitrinen in den Museen ist vorbei. Man wird ermuntert, Schubladen zu öffnen – und schon erfährt man ein neues Kapitel aus dem Leben einer Person, die einmal hier gewohnt hat.
Nachher setzen wir uns in den Garten und sind hingerissen von dem, was wir sehen. Das Blau des Sees, die Turmfalken, die riesigen alten Bäume – und in der Ferne der Mont Blanc.
Ist das ein Segen, dass das Schloss nun im Besitz der Eidgenossenschaft ist, sonst hätte sich wohl ein Oligarch das riesige Anwesen gekrallt. Château Prangins ist nur gute drei Bahnstunden von uns entfernt. Gar nicht so abgelegen.