Auf welchem Boden wächst eine solch erschreckende Tat, fragt man sich betroffen nach dem schlimmen Ereignis von Berikon. Denn sie kam zwar wie aus dem Nichts, aber wie alles Gute oder eben Böse hat es Gründe und Abgründe, die sich auftun, wenn solches geschieht. Von ...
Auf welchem Boden wächst eine solch erschreckende Tat, fragt man sich betroffen nach dem schlimmen Ereignis von Berikon. Denn sie kam zwar wie aus dem Nichts, aber wie alles Gute oder eben Böse hat es Gründe und Abgründe, die sich auftun, wenn solches geschieht. Von Persönlichkeitsstrukturen, die gerade bei introvertierten Menschen plötzliche Ausbrüche möglich machen, bis zu gesellschaftlichen Vorgaben, die den Boden für Auseinandersetzungen bereiten, die unvermittelt ausarten können.
Da frage ich mich schon, wie weit unsere auf Wettbewerb getrimmte Gesellschaft Voraussetzungen schafft, wo man das Gegenüber nicht mehr als Ergänzung und Bereicherung wahrnimmt, sondern als Konkurrenz und Bedro- hung. Wo es gilt, einen Gegner zu bodigen oder zumindest seinen Erfolg zu verhindern, statt ein kooperatives Konzept zu pflegen, wo es nicht darauf ankommt, wer der oder die Beste ist, sondern wo alle ihr Bestes geben können.
Wäre es da nicht angebracht, wenn nicht nur die junge Frau, die nun wohl ein Leben lang eine Last zu tragen hat, sich einer Therapie unterziehen müsste, sondern auch wir als Gesellschaft uns einer Therapie unterziehen würden, die zum Ziel hat, uns nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch kooperationsfähig zu machen. Und damit einen Boden zu schaffen, auf dem Leben gelingt und nicht zerstört wird.
Martin Köchli, Weissenbach