«Allein wäre ich chancenlos»
31.07.2026 Wohlen, Vereine, KulturInterview mit Jonas Arnet, Präsident des Vereins für Kultur Wohlen
Mit der Eröffnung des Kulturwerks Bleichi hat der noch junge Verein ein grosses Projekt zum erfolgreichen Abschluss gebracht. Die erste Saison war positiv, bald geht es in die zweite. Aber ...
Interview mit Jonas Arnet, Präsident des Vereins für Kultur Wohlen
Mit der Eröffnung des Kulturwerks Bleichi hat der noch junge Verein ein grosses Projekt zum erfolgreichen Abschluss gebracht. Die erste Saison war positiv, bald geht es in die zweite. Aber auch sonst läuft ganz viel in Sachen Kultur.
Daniel Marti
Das Kulturwerk Bleichi. Ein grosses Werk ist entstanden. Wie sieht Ihre Bilanz aus von der Idee über den Entstehungsprozess bis zur Eröffnung?
Jonas Arnet: Bis jetzt ist es eine Erfolgsgeschichte. Was mal eine Idee war, ist nun Tatsache: ein Kulturzentrum, in dem unter einem Dach Kultur geschaffen und erlebt wird. Die Eröffnung im letzten Oktober war ein wichtiger Meilenstein in einem Prozess, der schon viele Jahre dauert. Zuerst kursierte in ein paar kreativen Köpfen die vage Idee einer kulturellen Zwischennutzung im ehemaligen Werkhof. Diese Idee wurde dann in einem Konzept ausgearbeitet und dem Gemeinderat vorgelegt. Dieser begegnete uns mit grossem Vertrauen und wir konnten mit der Planung beginnen.
Was waren die grössten Herausforderungen in diesem Prozess?
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich während der Planung und auch später während des Umbaus einige Dinge als nicht umsetzbar erwiesen. Umgekehrt entstehen aber auch viele neue Ideen in dieser Phase. So war und ist das Konzept nie ein starres Konstrukt, sondern ein hochdynamischer Prozess, der viel Raum für Ideen und Kreativität lässt. Was dieses Projekt eigentlich im Innersten auszeichnet, ist die Tatsache, dass hier ein Gemeinschaftswerk geschaffen wurde, zu dem sich viele Leute zugehörig fühlen. Dass wir letztes Jahr die erste Saison in der Konzerthalle eröffnen durften, verdanken wir einer grossen Schar von Leuten, die das Werk mittragen. Von jung bis alt, ob aktiv am Umbau beteiligt, für den Betrieb mitverantwortlich oder im Hintergrund bei der Organisation involviert – das Kulturwerk bringt viele Menschen zusammen. Das erachte ich als den grössten Erfolg des Projekts.
Die erste Programmsaison ist beendet. Was war gut, was ist verbesserungsfähig?
Wir hatten viele musikalische Sternstunden, und die budgetierten Publikumszahlen wurden sogar leicht übertroffen. Hier gilt es, den ausverkauften Saisonschluss mit Jan Seven Dettwyler herauszuheben, aber auch den wunderbar nostalgischen Abend mit Dirty Venus und Tie and Tuxedo. Ebenfalls positiv hervorzuheben gilt es die Leistung des ganzen Betriebsteams. Damit ein Konzertabend reibungslos über die Bühne geht, müssen etliche Zahnräder ineinandergreifen. Vom Tourmanager eines Künstlers wurde ich mal gefragt, ob wir das beruflich machen. Als ich ihm dann erklärte, dass ein Grossteil der Arbeiten im Ehrenamt verrichtet würde, staunte er nicht schlecht. Ich denke also, wir werden unserem Anspruch, ein professioneller Veranstaltungsort zu sein, gerecht.
Also ist alles positiv.
Es gibt natürlich einige Dinge, die wir auf die nächste Saison verbessern möchten. So haben wir beispielsweise gemerkt, dass es sinnvoller ist, den Fokus auf eine Band pro Abend zu legen. Doppelshows laufen etwas Gefahr, die Aufmerksamkeit des Publikums zu sehr zu strapazieren. Wir setzen in der zweiten Saison also vermehrt auf ein Konzert pro Abend, läuten den Abend aber öfters mal mit einem kurzen Set eines Support Acts ein. Ebenfalls eine Lehre ziehen wir aus den nicht gut besuchten Konzerten während der Schulferien. Zudem wäre es schön, die Besucherzahlen würden weiter steigen. Wir haben zwar die budgetierten Publikumszahlen erreicht, aber wir haben eher vorsichtig budgetiert.
Das Kulturwerk ist auch ein Begegnungsort mit Ateliers und einem Kunstraum der Kunstkommission. Wie sind die Feedbacks der Partner ausgefallen?
Ich nehme das Ganze als ein grosses Miteinander wahr. Es gibt Leute, die sieht man öfters in den Gängen, und solche, denen man seltener begegnet. Dass wir mit der Kunstkommission eine Kooperation haben, freut mich, denn durch sie wird das Kulturwerk noch auf eine andere Weise und einem anderen Publikum zugänglich gemacht. Kultur ist ja weit mehr als Musik. Die Mietenden nehme ich als sehr unkompliziert und flexibel wahr. Dafür bin ich dankbar. Nicht selten mussten sie «ihren» Trakt mit den Bands teilen, weil dort derzeit noch der Backstage-Raum ist. Aber auch der Umbau tangiert sie immer wieder mal und es ist schön zu sehen, mit welch grossem Verständnis sie darauf reagieren.
Das neue Programm steht. Hat man schon vom guten Ruf des Kulturwerks profitieren können oder war es Knochenarbeit, die Künstler zu engagieren?
Es spricht sich in der Szene schnell rum, wenn ein neues, gut eingerichtetes Konzertlokal entsteht. Dass der Ruf uns überregional schon vorauseilt, würde ich aber nicht behaupten. Was uns hilft, ist die gute Vernetzung der Mitglieder der Programmgruppe. Kontakte zur Schweizer Musikszene und eine profunde Kenntnis ebendieser sind hilfreich.
Es gibt ja etliche andere Bereiche, in denen der Verein für Kultur tätig ist. Wie zufrieden sind Sie mit der Frühlingssaison beim Wochenmarkt?
Aus Sicht des OKs war es eine gute Saison. Der Samstags-Wochenmarkt lebt immer noch, und das im sechsten Jahr. Die Chance ist da, dass das einstige Experiment zur Institution wird. Das vielseitige Angebot, die kulturellen Darbietungen und das gute Wetter stimmten auf jeden Fall und liessen den Markt für viele zum gemütlichen Treffpunkt und entstressten Einkauf werden. Die Leute, die den Samstagmorgen oder zumindest einen Teil davon auf dem Sternenplatz verbringen, gehen auf jeden Fall bereichert nach Hause. Aber es ist immer schwierig zu sagen, wie es dann monetär für die Stände und die durchwegs netten und freundlichen Marktleute aussieht. Eine Herausforderung bleibt es, neue Besuchergruppen anzusprechen. Die Bewohnerinnen und Bewohner jeglicher Couleur unserer kulturell aktiven Wohngemeinde sind eingeladen, dem Samstags-Wochenmarkt einen Besuch abzustatten. Leider endet die schöne Zusammenarbeit mit dem «Sternen». Rita und Remus haben über all die Jahre das «Märtkafi» geführt – kulant und grosszügig. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch dafür eine gute Lösung gefunden werden kann.
Wie ist die Vorfreude auf das Comeback des Open Airs Stoppelfäld?
Die Vorfreude ist riesig. Das Stoppelfäld wird sich auch heuer wieder in die Herzen der Leute spielen. Ein hochwertiges, abwechslungsreiches Musikprogramm und ein topmotiviertes OK wartet auf die Gäste. Das OK hat sich neu formiert, Energie getankt und ist mit fast doppelt so vielen Leuten wie zu Beginn bestens aufgestellt.
Im Verein und bei den eigenen Projekten ist vieles am Laufen. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Tatsächlich ist es viel und ich muss schon darauf achten, dass ich mich nicht zu sehr verzettle. Als wir vor acht Jahren den Verein für Kultur Wohlen in der Kulturbeiz spontan gegründet haben, hatte ich keine Ahnung, was noch aus dem Verein und meinem Präsidentenamt werden würde. Die Entwicklung war dann ziemlich rasant und jemand musste etwas die Fäden zusammenhalten. Als Präsident nahm ich diese Rolle wahr. Und ohne es am Anfang so richtig zu merken, habe ich mehr und mehr mein Leben so eingerichtet, dass der Verein für Kultur darin Platz hat. Inzwischen nimmt der Verein einen beachtlichen Teil meines Alltags ein und es erfüllt mich mit grosser Freude, diese Verantwortung wahrzunehmen. Es ist aber auch wichtig zu erwähnen, dass eine solche Institution ein Gemeinschaftswerk ist und ich allein absolut chancenlos wäre, diesen Verein zu führen. Zudem gibt es auch viele Projekte, in denen ich mal im OK war, mich aber aus operativen Funktionen zurückzog.
Zurück zum Kulturwerk. Wenn Sie wählen dürften, welche Band, welche Musiker wären für Sie eine Traumbesetzung?
Nicht stemmbar, aber man darf ja träumen: die Band Parcels. Eine australische Band, die zum Besten gehört, was man im Bereich Pop/Rock derzeit live erleben kann.
Die Gemeinde, welche die Tätigkeiten des Vereins unterstützt, hat mit Sonja Isler-Rüttimann eine neue Kulturministerin. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit?
Das Verhältnis zur Gemeinde ist seit Anbeginn gut und wir wissen das entgegengebrachte Vertrauen sehr zu schätzen. Über die Besetzung des Kulturministeriums freue ich mich überaus und ich schätze Sonja Isler-Rüttimann sehr. Sie zeigt grosses Interesse an unserer Arbeit und der Wohler Kulturszene im Allgemeinen und hat den Anspruch, genau zu wissen, wie wir aufgestellt sind und wie wir funktionieren. Das signalisiert Vertrauen und gibt uns das Gefühl, ernst genommen zu werden. Das bedeutet mir viel und auf die Zusammenarbeit mit ihr in den nächsten Jahren freue ich mich.
Und welche Erwartungen haben Sie an die Gemeinde generell?
Dass wir weiterhin die Wertschätzung für unsere Mitgestaltung dieses Dorfes erhalten und dass wir weiterhin ein Miteinander und kein Gegeneinander pflegen können. Dass uns keine Steine in den Weg gelegt werden und dass man stets gesunden Pragmatismus walten lässt. Auf diesem Weg gehen wir seit einigen Jahren zusammen und ich bin guter Dinge, dass das so bleibt.


