STROHFÜÜR
03.07.2026 Wohlen, KolumneEs kann schon mal passieren, dass man den Namen verwechselt, wenn gleich zwei SVP-Exponenten den gleichen Vornamen besitzen. Doch Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht passierte es am Montag sogar zweimal. Sie nannte Roland Büchi Roland Vogt, als er ums Wort ...
Es kann schon mal passieren, dass man den Namen verwechselt, wenn gleich zwei SVP-Exponenten den gleichen Vornamen besitzen. Doch Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht passierte es am Montag sogar zweimal. Sie nannte Roland Büchi Roland Vogt, als er ums Wort bat. Entschuldigte sich natürlich sogleich. Und trotzdem nannte sie ihn nach dem Votum wieder Vogt. Büchi selber nahm dies mit einem Lachen zur Kenntnis. «Wenigstens 50 Prozent des Namens waren richtig», meinte er.
Nach dem Lapsus meldete sich niemand mehr zu Wort. Dies zum Erstaunen der Präsidentin. «Habt ihr jetzt alle Angst, dass ich euren Namen falsch sage? Das muss nicht sein, ab jetzt bin ich ganz konzentriert», versicherte sie.
Dass der Gemeinderat bei der Behandlung vieler Vorstösse aus dem Parlament hinterherhinkt, ist bekannt. Ruedi Donat hat ihn nun etwas entlastet. Er zog ein Postulat aus dem August 2020 selber zurück. In diesem hatten er und Stefanie Dietrich den Gemeinderat aufgefordert, die Verlegung der Bibliothek in den Chappelehof zu prüfen (siehe auch Artikel in dieser Ausgabe). Er wäre gespannt gewesen auf den Bericht, der seit sechs Jahren den Status «in Bearbeitung» hat, der müsse dann ja riesig werden, so Donat. «Nachdem die Sanierung abgeschlossen ist und der Betrieb im Chappelehof auf Hochtouren läuft, macht ein Festhalten am Postulat aber keinen Sinn», so der Vertreter der Mitte. So kann man es mit Vorstössen eben auch machen – einfach warten, bis sich das Problem von selbst löst. Immerhin: Ammann Roland Vogt versicherte, dass der Gemeinderat am Thema Bibliothek dranbleibt.
Die Gemeinde Wohlen hat (Stand Ende 2025) so ziemlich genau 95 Millionen Franken Schulden. Tendenz weiterhin steigend. Sämtliche Fraktionen äusserten bei der Behandlung der Jahresrechnung ihre Bedenken. Die Höhe der Nettoschuld wurde als Gefahr bezeichnet – vor allem wenn dann noch irgendwann die Hypothekarzinsen steigen sollten. Diese Summe sei nicht zu fassen, die finanzielle Lage sei katastrophal, die Sorgen seien riesig. So lauteten die Voten im Dorfparlament. Gewiss, man soll seinen grossen Respekt vor den gigantischen finanziellen Herausforderungen und der schwierigen Zukunft mitteilen. Richtig so.
Aber warum werden gerade jetzt diese warnenden Stimmen lauter? Zur Erinnerung: Der aktuelle Finanzplan 2026–2035 geht von einer Spitzenverschuldung im Jahr 2031 aus. Happige 157,5 Millionen Franken werden prognostiziert – Trendwende danach eher winzig. Dieses Dokument wurde im Einwohnerrat im letzten Jahr zur Kenntnis genommen – und durchgewinkt, wenn auch zähneknirschend. Dass die Schuldengrenze explosionsartig nach oben steigt, das ist gar nichts Neues. Und dass ebendiese Nettoschuld bald die dreistellige Millionen-Marke übersteigen wird, das wurde bereits vor neun Jahren erstmals mehr als angedeutet. Im Finanzplan 2017–2026 wurde der Spitzenwert mit 97 Millionen beziffert, also erstmals ganz nahe an der 100-Millionen-Grenze. Seit knapp zehn Jahren nimmt man diese Entwicklung immer wieder zur Kenntnis – aber eine politische Gegenreaktion gab es bisher eigentlich nie.
--chh/dm
