STROHFÜÜR
15.05.2026 Wohlen, KolumneAls Sängerin und seit Kurzem zudem als Schauspielerin ist sich Julia Frischknecht gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Auch als Präsidentin des Einwohnerrates steht sie oft im Mittelpunkt. Aber das, was am Montagabend passierte, war ihr dann doch zu viel. Mit der ...
Als Sängerin und seit Kurzem zudem als Schauspielerin ist sich Julia Frischknecht gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Auch als Präsidentin des Einwohnerrates steht sie oft im Mittelpunkt. Aber das, was am Montagabend passierte, war ihr dann doch zu viel. Mit der Sitzungseröffnung gingen die Schweinwerfer auf der Bühne an und dafür die Lichter im Saal aus. Eine Beleuchtung wie an einem Konzert – davon hatte Frischknecht an diesem Tag aber schon eins gehabt. Darum sorgte sie dafür, dass es wieder überall im Saal Licht gibt – und man auch in den hinteren Reihen die Unterlagen lesen konnte.
Bekannt ist Frischknecht dafür, dass sie die maximalen Redezeiten kontrolliert und auch mal kommentiert. «2.57, quasi eine Punktlandung», lobte sie beispielsweise Manfred Breitschmid, dem für sein Einzelvotum 3 Minuten zur Verfügung standen. «Zum Glück warst du Fraktionssprecher, der hat bekanntlich 5 Minuten zur Verfügung, meinte sie nach dem Auftritt von Ruedi Donat, der sich sehr ausführlich zum Thema Forstwerkhof ausliess. Die Sprüche scheinen jedenfalls Wirkung zu zeigen, die Voten fallen durchs Band kürzer aus. Und wie heisst es doch so schön: «In der Kürze liegt die Würze.»
Dass das Ratspräsidium aktuell von zwei Frauen besetzt ist, gefällt einigen. «Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin – mir macht die Anrede einfach Freude», sagte etwa Simone Allenspach von der SP. «Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin», so begann dann auch Philipp Stäger sein Votum. Und sorgte damit für Schmunzeln im Saal und auf der Bühne. Schliesslich ist er mit der Frau Vizepräsidentin verheiratet. Ob er sie zu Hause auch so anspricht?
In der Debatte um den neuen Kindergarten bezeichnete Manfred Breitschmid Gemeinderat Olivier Parvex als talentierten Verkäufer.
Er gebe nur die Informationen preis, die für das Projekt positiv seien. Er mache einen Vergleich mit dem Projektierungskredit für den Kindergarten Farn und verschweige, dass dieser günstiger ausfalle als budgetiert. Parvex bedankte sich für die Bezeichnung als guter Verkäufer. «Daran hätte mein früherer Arbeitgeber sicher Freude gehabt, dann hätte ich vielleicht mehr Autos verkauft», gab er schlagfertig zurück. Bevor er klarmachte, dass der Projektierungskredit im Farn noch gar nicht abgerechnet ist.
Es gab schon deutlich mehr Teilnehmer am beliebten «Gang durch Wohlen» der Volkshochschule. Vielleicht lag es daran, dass es diesmal eben ein «Gang durch Anglikon» war. Immerhin: Lokalhistoriker Daniel Güntert freut sich über Gäste aus Wohlen und Anglikon: «Schön, dass Wohler den Weg in diesen Dorfteil auf sich nehmen. Und noch schöner, dass sich Angliker von einem Wohler ihr Dorf erklären lassen.»
Auf seinem Rundgang wusste Güntert viele Anekdoten zu erzählen. Eine betrifft den Bach, der vom Anglikerberg in den Winkel führt, offiziell Reservoirbach genannt. In Anglikon kennen ihn alle nur als Schisbach und den Fussweg daneben als Schisgass. Der Begriff ist zwar nicht amtlich, aber Schisgass hat es immerhin in die Karte der Suchmaschine search.ch geschafft.
Chregi Hansen
