STROHFÜÜR
08.05.2026 Wohlen, KolumneDer «Sternen» sorgte für ein heftiges Strohfüür. Denn das Gerücht hat sich wie ein Lauffeuer im Dorf verbreitet. Rita Seiler und Remus Lochmann beenden nach 18 Jahren ihre Wirtetätigkeit im Restaurant Sternen (siehe Bericht in der Dienstagsausgabe). Nachdem ...
Der «Sternen» sorgte für ein heftiges Strohfüür. Denn das Gerücht hat sich wie ein Lauffeuer im Dorf verbreitet. Rita Seiler und Remus Lochmann beenden nach 18 Jahren ihre Wirtetätigkeit im Restaurant Sternen (siehe Bericht in der Dienstagsausgabe). Nachdem sie es Gemeindeammann Roland Vogt letzten Freitag mitgeteilt hatten, «wurden wir 3 kg leichter», wie das Kult-Wirtepaar sagt. Doch die grosse Welle folgte erst ab Dienstag und dem Bericht in dieser Zeitung. Praktisch jeder Gast spricht sie seither an. «Rita kann es kaum noch hören», so Lochmann. Doch da müssen sie durch. Irgendwie ist es auch ein Kompliment an das Wirtepaar. Denn alle bedauern ihren Entscheid.
Sie werden bis zum letzten Tag – das wird der 22. Dezember 2026 sein – alles geben. Das versprechen sie. «Damit wir mit gutem Gewissen übergeben können», sagt Remus Lochmann. Bis dahin werden sie noch oft von ihren Gästen den Spruch hören: «Ich nehme Menü 1.» Jenes Menü ist aber bei jedem einzelnen Gast etwas anderes. Rita Seiler und Remus Lochmann haben über die Jahre hinweg alle Vorlieben der Gäste abgespeichert. Auch, weil sie ihre Kundschaft mögen. Und viele von den Stammgästen heute quasi zur Familie zählen. «Es war eine wunderbare Zeit mit ganz vielen lieben Menschen», sagt Rita Seiler. Dann erzählt sie von einem Telefonat eines früheren Stammgastes. Er ist über 90 Jahre alt und lebt im Altersheim Bifang. Er kann nur noch ganz selten in den «Sternen» kommen. Aber er ruft sie manchmal an und meint: «Rita, ich denke jeden Tag an dich.» Schön.
Grossaufmarsch beim Gemeinnützigen Frauenverein. Irgendwie logisch. Denn neben den üblichen Geschäften einer Generalversammlung waren diverse Highlights angekündigt: Präsidiumswechsel, Verabschiedung der Präsidentin und Kulturpreisverleihung. Und als die abtretende Präsidentin Christine Bächer gleich zu Beginn in die Versammlung schaute, war sie ziemlich baff. 122 Vereinsmitglieder und Dutzende Gäste warteten gespannt auf das Geschehen. So viele Leute. «Das haut mich ja fast um», meinte eine strahlende Chregi Bächer.
Das passierte dann tatsächlich beinahe. Standing Ovations gab es bei ihrer Verabschiedung und einen genau gleich anhaltenden Applaus bei der Kulturpreisverleihung. Zweimal gross gefeiert, das haut tatsächlich auch die starken Frauen vom Gemeinnützigen Frauenverein fast um. Aber sie waren standhaft. Und Christine Bächer wurde praktisch zur Wahrsagerin. Nämlich 35 Personen haben sich für den Anlass abgemeldet. Und was sagte die scheidende Präsidentin zu Beginn der Versammlung dazu? «Schade, die werden etwas verpassen.» Stimmt doch.
Eine wichtige Person von auswärts liess sich die Einladung nicht entgehen. Josefine Krumm von «die Tanten» überbrachte Grüsse aus Sarmenstorf. «Hut ab, was dieser Frauenverein leistet», war Krumm voll des Lobes. Ihr Verein hat übrigens eine sehr ähnliche Zielgruppe wie die neuen Kulturpreisträgerinnen. «Die Tanten» begleiten vor allem junge Menschen, «die nicht wissen, wie sie die nächste Kurve meistern können». Auch das würde eine Auszeichnung verdienen.
--dm/spr
