Im Dienst der Bevölkerung
08.07.2022 WohlenMarco Veil ist Chef der Regionalpolizei und seit 30 Jahren bei der Gemeinde Wohlen
Er steht seit drei Jahrzehnten im Dienst für die Bevölkerung. Repolchef Marco Veil erlebte dabei einen grossen Wandel. Die Delikte nehmen zu, sein Spass an der Arbeit bleibt. ...
Marco Veil ist Chef der Regionalpolizei und seit 30 Jahren bei der Gemeinde Wohlen
Er steht seit drei Jahrzehnten im Dienst für die Bevölkerung. Repolchef Marco Veil erlebte dabei einen grossen Wandel. Die Delikte nehmen zu, sein Spass an der Arbeit bleibt.
Daniel Marti
Heute ist diese Situation kaum vorstellbar: Marco Veil war in seinen ersten Jahren als Gemeindepolizist auch schon mal auf dem Kirchenplatz im Einsatz. Verkehr regeln, Stauzeiten verringern. Das war in den Neunzigern, und der Gedanke daran lässt ihn schmunzeln. Heute lenkt Marco Veil ebenfalls: Als Repolchef schaut er zu einem Corps mit 22 Personen. Sein Werdegang ist beeindruckend. Aspirant, Gemeindepolizist, Chef-Stv. der Repol und seit Juni 2009 Chef der Regionalpolizei Wohlen. Seit April 1992 ist Veil bei der Gemeinde Wohlen angestellt. Und er ist immer geblieben – trotz oder wegen dem ständigen Wandel. Früher war am späteren Freitagnachmittag Feierabend, heute gibt es nur den 24-Stunden-Dienst. Immer bereit – für die Bevölkerung und für die acht an der Repol Wohlen angeschlossenen Gemeinden.
Veil kann es bestätigen: Der Beruf des Polizisten hat sich in den letzten 30 Jahren sehr gewandelt. Der Repolchef nennt zwei Beispiele: Früher sei man als Polizist freundlich gegrüsst worden, das sei gänzlich verschwunden. Und die Gewaltbereitschaft gegen die Polizei nimmt laufend zu. «Diese Zahlen gehen durch die Decke. Das spüren wir auch», sagt er. Im Jahr 2021 mussten schweizweit 3557 Fälle von Gewalt und Drohungen gegen Behörden registriert werden. «Das ist äusserst bedenklich.» Vor drei Jahrzehnten seien solche Angriffe undenkbar gewesen. Trotzdem stellt sich der 53-Jährige diesem Spannungsbogen – denn ihm macht die Polizei-Arbeit nach wie vor viel Spass. Und zwar jeden Tag.
Der Treue, der die Menschen mag
Marco Veil, Chef der Regionalpolizei Wohlen, ist seit 30 Jahren bei der Gemeinde Wohlen
Er ist wahrlich eine treue Seele. Und ein Polizeichef, der an jedem Tag Spass an seiner Arbeit hat. Seit 30 Jahren ist Marco Veil in Wohlen einer der Hüter des Gesetzes. Vom Gemeindepolizisten zum Chef der Regionalpolizei. Dabei durchlebte er praktisch verschiedene Welten.
Daniel Marti
Als Chef der Regionalpolizei befehligt er fast zwei Dutzend Polizei-Angehörige. Er sorgt mit seinem Corps für Sicherheit in insgesamt acht Gemeinden. Marco Veil, eine Persönlichkeit, die im Dienste der Bevölkerung steht. Nunmehr seit 30 Jahren. Eine stolze Zahl, eine Leistung, die Anerkennung verdient. Die Repol Wohlen ist seine Berufung. Und dabei wollte er gar nicht lange bleiben.
Ein, zwei Jahre werde er nach der Polizeischule hier in Wohlen im Einsatz sein. Das dachte sich Marco Veil, als er in Wohlen seinen Dienst antrat. Zuerst Polizeischule in Neuenburg, dann ein wenig Erfahrungen sammeln, «dann gehe ich wieder», gesteht er heute. Der Reiz, in einem grösseren Corps zu arbeiten, war beim jungen Polizisten Veil lange vorhanden – bis die Erkenntnis reifte, dass ihm die Nähe zu den Menschen gefällt, dass der Umgang in Wohlen mit der «Kundschaft» recht positiv ist. Und Marco Veil – am 1. April 1992 hat er seine Stelle im Gemeindehaus angetreten – ist immer noch hier.
1992 und 2022 – das sind Welten
Vieles veränderte sich in den drei Jahrzehnten: das Bevölkerungswachstum, die Polizeimannschaft, das Gefahrenpotenzial. Und seine Stellung. Erst stellvertretender Chef der Repol, dann Repolchef, seit nunmehr 13 Jahren.
Der Arbeitsort ist hingegen noch der gleiche: Im Wohler Gemeindehaus wurde es jedoch immer enger, aus sechs Gemeindepolizisten ist eine Stärke von 22 Personen geworden. Das sind 16 ausgebildete Polizisten, zwei Aspiranten, vier Zivilangestellte, die alle praktisch keinen Platz mehr haben und sich nach dem neuen Polizeiposten an der Wilstrasse sehnen.
Der ehemalige Boswiler fühlt sich wohl in seiner Rolle. Auch nach so langer Zeit als Polizist. «Mein Job macht mir Spass, jeder Tag ist anders, und stets stehen bei meiner Arbeit Menschen dahinter.» Der Bezug zur Bevölkerung, der passt ihm.
Vor drei Jahrzehnten zählte Wohlen 12 500 Einwohner, jetzt sind es 17 000. Vor 30 Jahren musste nur Wohlen betreut werden, jetzt sind es mit der Repol total acht Gemeinden. Vor drei Jahrzehnten war praktisch am Freitag, so um 16 Uhr, Feierabend. Heute herrscht 24-Stunden-Betrieb. «Damals und heute, das ist nicht vergleichbar», sagt Veil, «das sind Welten.»
Auf dem Kirchenplatz im Einsatz
Und beim Einstieg in Wohlen war er die Nummer sechs. Der Polizeichef hiess Grüninger. Seine Berufskollegen waren die bekannten Dorfpolizisten Albert Konrad, Franz Meier, Robert Müller. Und alle mussten irgendwann zu Stosszeiten den Verkehr auf dem Kirchenplatz regeln, das war vor dem Kreiselbau.
«Ja», gibt er zu, «damals war Polizist werden nicht mein Bubentraum.» Aber es hatte seinen Reiz. Die Lehre machte er auf der Post, dann ging es für zwei Jahre zur Schweizergarde nach Rom. Die Bindung zur Ewigen Stadt ist übrigens geblieben. Als Veil aus Rom zurückkehrte, hielt ihm sein Bruder ein Inserat unter die Nase: In Wohlen suchten sie einen Gemeindepolizisten. So begann seine Wohler Karriere im April 1992. Und heute ist er immer noch hier. Bei der Polizei, deinem Freund und Helfer. Trifft das immer noch zu? Oder wirkt der Slogan kitschig? «Der ist okay», so Veil, «ich habe ein sehr gutes Team mit aufgestellten Menschen. Und wir versuchen, immer freundlich aufzutreten.» Und den Menschen Unterstützung zu leisten.
Jeden Tag in jeder Gemeinde präsent
Zudem stuft er die Regionalpolizei als «ideale Einheit ein. Das duale System greift besser.» Jedes System habe Vor- und Nachteile. Seit Juni 2004 gibt es die Regionalpolizei Wohlen, anfänglich war Marco Veil der Stellvertreter des Chefs. Den Chefsessel hat er dann am 1. Juni 2009 von Peter Christen übernommen. Diese Beständigkeit und Kontinuität hat nur Vorteile – für das Corps, für die Bevölkerung, für die Gemeinden. Büttikon, Dintikon, Dottikon, Hägglingen, Uezwil, Villmergen, Waltenschwil und Wohlen gehören dem Gemeindeverband an. Die Repol ist über einen Gemeindeverband unter den Gemeinden organisiert, wobei der Lead bei der Gemeinde Wohlen ist.
Aber keine dieser Gemeinden kommt zu kurz. «Im Gegenteil», betont er, «man sieht uns an jedem Tag in jeder Gemeinde.» Dieses Patrouillenkonzept sei ein Erfolgsrezept. «Und oft sieht man uns nicht, denn bei zivilen Patrouillen sind die Erfolgschancen grösser.»
Und jetzt kommt das Überraschende: «In jeder der acht Gemeinden hat es einen Hotspot.» Da könne er die ganze Palette anbieten, vom Littering bis zum Dauerbrenner Eltern-Taxi, das ein wahrer Dorn im Auge sei. Schulhausplätze, Treffpunkte, Bahnhöfe, Grillstellen am Waldrand – es gibt sie, die problematischen Standorte.
Einen Standort stellt Veil besser dar, als die Bevölkerung glauben mag. Beim Bahnhof Wohlen habe es praktisch nie grosse Probleme gegeben, erklärt er. Er sei sogar erstaunt über die öffentlichen Wahrnehmungen. Früher habe es beim Pärkli ein paar Kunden gegeben. Mehr nicht. «Im Vergleich mit Aarau, Baden und Wettingen haben wir beim Bahnhof kaum Probleme, aber hier in Wohlen haben wir auch kein Ausgangsverhalten wie in den grösseren Aargauer Ortschaften.»
Neuer Polizeiposten sorgt auch für viel Motivation
Eine viel grössere Herausforderung als der Bahnhof stellt das Gemeindehaus dar. Nein, nicht wegen Politik und Verwaltung. Es platzt aus allen Nähten, und die Repol steht seit Jahren an räumlichen Grenzen. Mit der Corpsgrösse von 22 Personen sind die räumlichen Zustände kaum noch zu tragen. Als erste Massnahme wurden kürzlich fünf Arbeitsplätze in die ehemalige Hauswartwohnung in der Anlage Hofmatten ausquartiert. «Das ist eine kleine Entlastung», seufzt der Polizeichef. «Der Gemeinderat hat unsere Probleme erkannt.» Grundsätzlich gehen Einwohnerrat und Gemeinderat mit den Anliegen der Repol wohlwollend um, betont Veil. «Sicherheit kostet etwas. Und wir spüren die Rückendeckung der Politik immer wieder.» Das sei auch in der Repolkommission der Fall.
«Zu Beginn hatten wir es im Gemeindehaus sogar feudal», blickt er zurück. Dann ist aber die Polizeimannschaft mit der Einführung der Repol und dem Bevölkerungswachstum dermassen gewachsen, dass man nun den bevorstehenden Standortwechsel herbeisehnt. An der Wilstrasse – bei Feuerwehr und Zivilschutz – wird die Repol Wohlen im nächsten Frühling einquartiert. Die ganze Mannschaft verspürt eine riesige Vorfreude, «und das trägt zur Motivation bei». Marco Veil durfte sich bei der Planung des Umbaus einbringen, das schätzt er sehr. «Der neue Posten wird modern und er deckt für die nächsten fünfzehn Jahre alles ab.» Endlich sind zeitgemässe Bedingungen in Sicht.
Und mit dem Wegzug aus dem Gemeindehaus entfernt sich die Repol auch von der politischen Führung. Das sei nicht wesentlich, sagt er und schmunzelt ein wenig. «Die politische Führung ist immer präsent, und die darf auch nicht verloren gehen.»
Zunahmen bei häuslicher Gewalt und Drohungen
Zurück zum stetigen Bevölkerungswachstum. Das sei ausschlaggebend für manchen Trend. Delikte wie häusliche Gewalt und Drohungen nehmen laufend zu, «und sie benötigen viele Ressourcen». Marco Veil sagt es ganz vorsichtig: «Das Multikulturelle spielt uns nicht in die Hände.» Und bei den sogenannten Hotspots seien es die 12- bis 16-Jährigen, die etliche Polizeieinsätze verursachen.
Die Repol ist also vielschichtig gefordert, und oft knapp besetzt. «Es braucht einfach mehr Polizisten», folgert er, «wir sind zu knapp aufgestellt.» Noch gilt die Regel: ein Polizist auf 700 Einwohnerinnen und Einwohner. Diese Formel scheint überholt zu sein, denn der Aargau schliesst im Vergleich mit anderen Kantonen schlecht ab. Und der Kanton Aargau wird sich diesbezüglich gegen Ende Jahr verlauten lassen. Veil würde die Formel 1:500 begrüssen. «Nur», seufzt er, «ist das finanzierbar?» Und gibt es überhaupt genügend Aspiranten? «Wer sich heutzutage sicher fühlen will, der muss investieren.» Oder eben: Sicherheit ist ein Kostenfaktor.
Was jedoch gut funktioniert, ist das Zusammenspiel mit der Kantonspolizei. «Dem Bürger ist es doch egal, ob hinten auf dem Rücken Kantonspolizei oder Regionalpolizei steht.» Hauptsache, die Hilfe kommt schnell und professionell. Ein Polizist wolle so rasch wie möglich auf dem Einsatzplatz sein, «das ist eine persönliche Einstellung».
Dass für die Zukunft überhaupt genügend Polizisten gefunden werden können, das beschäftigt den Repolchef, das bereitet ihm echte Sorgen. «Gut qualifiziertes Personal wäre sehr wichtig.» Bereits bei Bewerbungen sei die Auswahl sehr dünn. Dieses Problem zeichnet sich in der ganzen Schweiz ab. Kommt hinzu, dass sich ein Gefahrenpotenzial erst jetzt ausbreitet und so richtig bemerkbar macht. «Delikte wie Cyber- und Internetbetrug sind stark zunehmend. Und es ist zu befürchten, dass die jetzige Welle nur die Spitze des Eisberges ist.»
Grosse Wandlung – und immer noch viel Spass daran
Marco Veil hat also einen riesigen Wandel miterlebt: vom kleinen, sechsköpfigen Team zur 22 Personen umfassenden Mannschaft. Vom Aspiranten zum Repolchef. Vom aus den Nähten platzenden Gemeindehaus zum baldigen neuen modernen Posten. Und von der Verkehrsregelung auf dem Kirchenplatz bis zur Cyber-Kriminalität. «Einiges hat sich verändert, aber noch immer ist der Beruf des Polizisten hochinteressant», sagt er. Und der Posten des Repolchefs sei so vielfältig und abwechslungsreich, «dass er mir immer noch viel Spass bereitet».
Darum liegt die Zukunft von Marco Veil bei der Regionalpolizei Wohlen. Auf das nächste Jahrzehnt. Der 53-Jährige sieht in Wohlen eben ganz klare Perspektiven. «Wir geniessen sehr viel Vertrauen und spüren die Rückendeckung von der Politik. Wir sind eine motivierte Truppe und mit dem neuen Polizeiposten warten auch neue Herausforderungen.» Diese Ausgangslage ist optimal, und die hat sich Repolchef Marco Veil auch erarbeitet.
Die Polizei, dein Freund und Helfer, ja, es klingt leicht abgedroschen. Aber auf Persönlichkeiten wie Marco Veil trifft das zu. Denn er will das Beste nicht nur für seine Truppe, sondern auch für die Menschen im grossen Einzugsgebiet «seiner» Regionalpolizei.
Ein Ärgernis
Häusliche Gewalt und Drohungen nehmen laufend zu, neuerdings sind Cyber- und Internetbetrug gross am Aufkommen. Das alles beschäftigt die Polizei schon genug.
Inzwischen gibt es aber auch im Strassenverkehr neue Probleme, und die betreffen hauptsächlich die Elektrotrottinetts. Dahinter setzt Marco Veil ein grosses Fragezeichen. «Viele sind sich gar nicht bewusst, was sie da genau anstellen. Elektrotrottinetts sind ein echtes Ärgernis.» Etwa 90 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer haben laut Polizeichef «keine Ahnung, was sie dürfen und was nicht». Elektrotrottinetts sind ab dem Alter von 14 Jahren im öffentlichen Verkehr zwar zulässig. «Aber es braucht einen Ausweis wie beim Motorfahrrad.» Und sämtliche Elektrotrottinetts dürfen nicht schneller als 25 km/h fahren. --dm


