Das Dorf schöner machen
09.11.2021 Region Unterfreiamt16. Stifterversammlung der Ortsbürgerstiftung Villmergen
Erstmals seit Jahren vergaben die Villmerger Ortsbürger wieder ihren Ehrenpreis «Filmar». Er geht an Pensionär Hermann Widmer, der auf seinen Spaziergängen durchs Dorf jeweils den Abfall ...
16. Stifterversammlung der Ortsbürgerstiftung Villmergen
Erstmals seit Jahren vergaben die Villmerger Ortsbürger wieder ihren Ehrenpreis «Filmar». Er geht an Pensionär Hermann Widmer, der auf seinen Spaziergängen durchs Dorf jeweils den Abfall einsammelt – einfach so. Weil er es kann.
Chregi Hansen
Hermann Widmer ist in Villmergen ein Begriff. Ausgerüstet mit Leuchtweste und Greifzange spaziert er fast täglich durchs Dorf. Und sammelt den liegengebliebenen Abfall ein. Den bringt er dann ein- bis zweimal pro Woche im Werkhof vorbei. Die dummen Kommentare, die er ab und zu einstecken muss, ignoriert er. Umso mehr freut er sich über die lobenden Worte vieler Mitbürger, die sich bei ihm bedanken.
Ein grosses Dankeschön gab es nun auch von der Ortsbürgerstiftung. Präsident Roger Buchacek überreichte Widmer den Ehrenpreis «Filmar». Damit zeichnet die Ortsbürgerstiftung Personen aus, die sich aufgrund ihrer ausserordentlichen Leistungen und Aktivitäten zugunsten der Villmerger Gemeinde und deren Dorfbevölkerung eine besondere Anerkennung verdient haben. «Er hat den Preis mehr als verdient, er kann für uns alle ein Vorbild sein», erklärte der Präsident.
Erste Preisvergabe seit 2014
Widmer ist im Dorf kein Unbekannter. Der ehemalige Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung hatte sich in früheren Jahren enorm für die Samichlaus-Tradition eingesetzt. Nach seiner Pensionierung begegnete man ihm immer wieder auf Spaziergängen im und ums Dorf. «Irgendwann fand er, dass er diese Ausflüge nutzen kann, um Abfall aufzusammeln. Von Papierli bis zu Zigarettenkippen», so Buchacek in seiner Laudatio. Seither hat Widmer auf seinen Gängen durchs Dorf stets einen Abfallsack dabei. «Während sich andere über die Sauerei auf der Strasse aufregen, entlocken sie ihm lediglich ein Schulterzucken», berichtet der Präsident weiter. «Sie werfen es weg, ich lese es auf», sagt Widmer selber, angesprochen auf seine Motivation. Und er habe ja Zeit.
Sein Wirken ist in Villmergen nicht unentdeckt geblieben, denn viele sind ihm auf ihren Spaziergängen schon begegnet. Gerade in der Coronazeit. Mehrere Personen haben ihn diesen Sommer für den «Filmar» vorgeschlagen. «Sie waren alle zu spät, der Stiftungsrat hatte schon lange beschlossen, ihm den Preis zu übergeben», erklärte der Präsident. Es ist die erste Preisvergabe seit dem Jahr 2014. «Wir wollen den Preis nicht einfach jedes Jahr vergeben, damit würde er an Bedeutung verlieren. Es soll wirklich eine besondere Auszeichnung sein», machte Buchacek deutlich. «Aber Hermann Widmer hat ihn wirklich verdient.»
Die Preisvergabe an ihn war der Höhepunkt des Abends. Die übrigen Traktanden waren schnell erledigt. Weil wegen Corona nur wenige Veranstaltungen stattfanden, waren auch die finanziellen Beiträge der Ortsbürger weniger gefragt. Einen kleinen Batzen gab es für den Stern des Weihnachtsbaums auf dem Dorfplatz, einen grossen in der Höhe von 200 000 Franken für den Sinnespark des Altersheims. «Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir uns für alle Generationen einsetzen», so Buchacek.
Weiterhin finanziert die Stiftung die zwei SBB-Tageskarten der Gemeinde. Die damit erzielten Einnahmen werden für soziale Zwecke eingesetzt. Coronabedingt waren diese Einnahmen in den letzten zwei Jahren rückläufig. Trotzdem: Seit Start der Aktion im Jahr 2007 konnten bereits 345 000 Franken für soziale Projekte eingesetzt werden. Die Ortsbürger werden die Aktion darum fortsetzen. Und die Benutzerzahlen sind bereits wieder am Steigen. Im Juni dieses Jahres erreichte die Auslastung einen Rekordwert von mehr als 98Prozent.
Für das Wohl Villmergens
Im Weiteren ist es der Stiftung ein Anliegen, die Dorfvereine zu unterstützen. «Sie leisten einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt im Dorf», betont der Präsident. Trotzdem könne die Stiftung nicht jedes Gesuch bewilligen, fuhr er fort. «Manchmal müssen wir auch eine Absage erteilen, obwohl es uns selber wehtut. Aber wir wollen uns strikt an die Vorgaben halten.» In den letzten zwei Jahren wurden elf Gesuche eingereicht, davon wurden fünf abgelehnt und eines zurückgestellt, ein weiterer Anlass fand dann gar nicht statt.
Mit einem Vermögen von 9,1 Millionen Franken sind die Konten der Stiftung gut gefüllt. Weil das angelegte Geld aber kaum noch Zins abwirft, musste unter dem Strich ein Minus von knapp 25 000 Franken ausgewiesen werden. Und das Budget rechnet auch für das Jahr 2022 mit roten Zahlen.
Im kommenden Jahr steht die Ortsbürgerstiftung vor grossen Veränderungen. Gleich drei Mitglieder des Stiftungsrates werden auf die nächste Versammlung hin zurücktreten. Schon jetzt beginnt die Suche nach geeigneten Nachfolgern. Und eine klare Absage erteilte Präsident Roger Buchacek all jenen Stimmen, die finden, die Ortsbürgerstiftung solle ihr Geld doch dazu einsetzen, die Schulden der Gemeinde abzubauen. «Das ist weder in unserem noch im Sinne des Gemeinderates. Und es wäre rechtlich nicht möglich», machte er deutlich. Man bleibe dem damals gewählten Weg treu – und unterstütze das Wohl Villmergens auf andere Art und Weise. «Wir nehmen unsere Verantwortung wahr – ohne politisch zu werden», betonte der Präsident.

