Sehnsucht und Leidenschaft
04.05.2021 WohlenKonzertfonds Wohlen: Das «Trio 77» begeisterte das Publikum
Es ist ein gelungener Neustart. Der Konzertfonds Wohlen hat nach coronabedingter Pause in die Kantonsschule eingeladen. Das in Wohlen bekannte «Trio 77» begeisterte das Publikum mit einem ...
Konzertfonds Wohlen: Das «Trio 77» begeisterte das Publikum
Es ist ein gelungener Neustart. Der Konzertfonds Wohlen hat nach coronabedingter Pause in die Kantonsschule eingeladen. Das in Wohlen bekannte «Trio 77» begeisterte das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm.
Klara Bosshart
«Und jedem Anfang liegt ein Zauber inne.» Es ist, als hätte das «Trio 77» diesen Satz in Musik umgesetzt. Es spielen Judith Flury, Klavier, Christina Gallati, Violine, Sabina Diergarten-Leemann, Cello. Die drei Musikerinnen spielen auf und verzaubern vom ersten Takt an. Im Klaviertrio des jungen Claude Debussy legt das Klavier ein rassiges Tempo vor. Geschmeidig und charmant übernimmt die Geige und gibt den schnellen Musikfluss ans Cello weiter. Im Klavier schimmern Licht und Leichtigkeit der späteren Werke von Debussy vereinzelt auf. Den beiden Streichern ist es in einem satten Klang ganz wohl. Herrlich ist die Dynamik, dieses Anund Abschwellen der Lautstärke. Goldplättchen liegen in den Tönen der Streicher und geben ein besonderes Timbre.
Musik berührt das Herz
Überraschend witzig beginnt das Scherzo. Das Pizzicato der Streicher gibt einen hübschen, rhythmischen Akzent. Und das Klavier übernimmt kurz die Rolle des walking bass. Frisch, keck, ja übermütig spielt die Geige und wie von Zauberhand lässt das Klavier seine Töne in den Übermut purzeln. Das Klavier beginnt das Intermezzo. Es hat eine Melodie voll Sehnsucht und Leidenschaft. Bald ist die Musik dreistimmig, lebhaft und oft im Forte. Doch da stimmt die Geige eine zarte Melodie an, piano und glasklar intoniert. Und die beiden anderen dürfen diese subtil und filigran begleiten.
Das Finale erinnert stellenweise an den «Jazz train». Da wird der Kessel eingeheizt. Dampfwolken fliegen mit der Geige davon. Cello und Klavier beschleunigen das Tempo. Mit Volldampf gehts voran. Und immer wieder überrascht ein sanftes Zurücksinken ins Piano. Herrlich! Dann das erneute Beschleunigen und Abbremsen, um geschickt in die nächste Kurve zu brausen. Das Zusammenspiel der drei Musikerinnen ist bemerkenswert. Ein Anheben der Augenbraue, ein dezenter Blickkontakt, eine unauffällige Kopfbewegung zur Nachbarin und schon ist eine atemberaubende Präzision da. Die Dynamik geht wie eine Welle durch alle drei Instrumente. Verzaubert hört das Publikum zu. Als Nächstes folgen Lieder von Johannes Brahms, bearbeitet für Klavier und Cello. Es sind Lieder, doch die Singstimme übernimmt das Cello. Und wie es singt! Dieses dickbauchige Instrument hat es in sich. Tiefe, fast klagende Töne werden gesungen, zwischendurch mit hohen Tönen gespickt. Hell und fröhlich ist die Stimmung. Die Klavierbegleitung ist ein Traum. Zauberhände berühren die Tasten, mal im Forte, mal im Piano, immer zum Cellolied passend. Da wird nichts zugedeckt. Den berührenden Melodien des Cellos wird Vorrang gegeben. Sie dürfen sich aufbauen und strahlen. Manchmal setzt das Klavier am Schluss einer Phrase mit einer minimalen Verzögerung einen lustigen Akzent.
Als das Cello das bekannte Lied «Guten Abend, gut Nacht, mit Rosen bedacht» singt, lauscht das Publikum mit Andacht. Einigen mag es dabei heiss und kalt über den Rücken gehen. Diese Musik berührt das Herz, denn darin liegt eine ganze Seele. Und die Mimik der Cellistin, ja der ganze Körper singt mit. Ruhe und Trost liegen in diesem Lied. Der Anfang des folgenden Liedes ist schwerer, doch rasch verscheucht das Cello mit seinem Gesang die Schwermut. Und das letzte Lied ist in einem heiteren Dur, das in Wohlklang schwelgt und frohlockt.
Ein Geschenk
Ein Klaviertrio der Komponistin Rebecca Clarke ist an der Reihe. Es ist Musik aus dem 20. Jahrhundert. Mit einem Paukenschlageffekt beginnt das Klavier. Was hat diese Komponistin in ihrer Zauberkiste? Eine grossartige Vielfalt, Eigenwilligkeit, Spielfreude, Aufbegehren. Die Musik verbreitet eine expressive Stimmung. Klangmalerisch ist sie voll Abwechslung. Die Musik brodelt, steigert sich zum Forte, bricht ab und beginnt von Neuem. Wildheit, vor allem bei den Streichern, führt überraschend zu einem lieblichen Gesang.
Wenn die Streicher davonjagen wollen, beruhigt das Klavier mit einem einfachen Ostinato. Dann wieder singen die Streicher ihre langen Linien, wunderschön rein intoniert. Es entwickelt sich ein lustiges Zwiegespräch und das Klavier fabuliert dabei schmunzelnd vor sich hin. Sehr bewegend ist das Plaudern von Klavier und Geige. Farbige, kurze Motive streut das Klavier wie schimmernde Perlen ins Gespräch. Doch bald drohen sie davonzukullern. Nur scheinbar, denn das Cello fängt sie auf und spielt auf seine Weise mit der eingefangenen Leichtigkeit. Plötzlich gibt das Cello mit wilden Läufen einen rasanten Rhythmus an. Es stampft und zischt, aber immer mit Mass. Das Klavier nimmt den lebhaften Anfang auf und entwickelt mit den quirligen Motiven Fanfarenstösse. Das führt zu einem überzeugenden Schluss.
Es ist ein Geschenk, nach langer Pause wieder bei einer Konzertaufführung dabei zu sein. Das Publikum dankt mit einem herzlichen Applaus. Und der Zauber dieser Musik hallt noch lange nach.

