Zwischen Tradition und Neudesign
13.01.2026 Bremgarten, VereineGeneralversammlung der Schodoler Gesellschaft
Im Schellenhaus fand die GV des Herausgebers der Bremgarter Neujahrsblätter statt. Im darauffolgenden Referat erläuterte Stiftungsleiter Thomas Bopp die eindrückliche Historie der St. ...
Generalversammlung der Schodoler Gesellschaft
Im Schellenhaus fand die GV des Herausgebers der Bremgarter Neujahrsblätter statt. Im darauffolgenden Referat erläuterte Stiftungsleiter Thomas Bopp die eindrückliche Historie der St. Josef-Stiftung.
Gianna Schläpfer
Wie viel Veränderung vertragen Tradition und historische Berichterstattung? Diese Frage zog sich mal augenzwinkernd, mal nachdenklich durch das Vereinsjahr 2025 und war auch Thema bei der diesjährigen Generalversammlung der Schodoler Gesellschaft, die am vergangenen Samstagnachmittag im Bremgarter Schellenhaus stattfand. Im Zentrum standen dabei die Neujahrsblätter, welche nach abgeschlossenem Redesign in neuem Kleid erschienen sind.
Ein Werk wächst mit Bedacht
«Wenn um uns herum die Autos und Kinderwagen immer grösser werden, müssen denn auch die Neujahrsblätter wachsen?» Schauspieler und Gestalter des Redesigns Willy Müller hat jede Menge schlagfertiger Antworten auf die provokanten Fragen des Vorstands auf Lager. In langen Diskussionen sei das neue Erscheinungsbild entstanden: ein etwas grösseres Format, durchgehend farbig, soll lesefreundlicher und handlicher wirken.
Dabei, so Müller, gehe es nicht um einen Bruch mit der Tradition, sondern um deren behutsame Weiterentwicklung. Während das Schwarz-Weiss der vergangenen Jahrzehnte für Seriosität stand, sollen die Farben heute eine Art «Restaurierung» sein: nichts verdrängend, sondern ergänzend. Ziel sei es auch, jüngere Leserinnen und Leser anzusprechen, ohne den Charakter der Neujahrsblätter zu verlieren.
Schritt für Schritt auch online
Passend dazu verwies Versammlungsleiter und Vorstandspräsident Fridolin Kurmann auf die wachsende Onlinepräsenz. Mit der neuen Website ist das Magazin nun auch digital zugänglich. Künftig sollen Quer-Verlinkungen, beispielsweise mit der Kantonsbibliothek und dem Tourismuscenter, vereinfacht werden. Schritt für Schritt werden zudem Schätze aus dem Archiv online gestellt.
Abschied mit langem Applaus
In der kollegial-familiären Atmosphäre, welche man sich von Bremgarter Events und Vereinen gewöhnt ist, folgte daraufhin ein emotionaler Moment: Nach 20 Jahren zieht sich Fridolin Kurmann, welcher für seine ehrenamtlichen Beiträge zur Bremgarten Kulturlandschaft schon unterschiedliche Preise verliehen bekam, aus dem Vorstand und Präsidium zurück. Vorstandsmitglied Reto Jäger würdigte ihn als unermüdlichen Geschichtsforscher, der «von A wie Autorensuche bis Z wie Zasterbeschaffung» alles für das Neujahrsblatt gegeben habe. Immer wieder kam der Applaus im Saal auf. Die neue Präsidentin oder der neue Präsident wird der Vorstand im Kommenden aus seinen Reihen bestimmen.
Thomas Bopp, Leiter der St. Josef-Stiftung, nahm das Publikum im darauffolgenden Referat mit auf eine Reise in die Geschichte der 1889 gegründeten Institution.
Geschichte, die weiterwirkt
Besonderen Dank richtete Bopp an die Ordensgemeinschaft der Ingenbohler Schwestern, deren Pionierarbeit viele Care-Angebote im Aargau erst möglich gemacht habe: von Physiotherapie über Heilpädagogik bis zur Früherziehung. Dieses «ungeheure Wissen, über Generationen weitergetragen», dürfe nicht in Vergessenheit geraten. «Diese Frauen haben nicht nur ihren Glauben gelebt, sondern mit alltäglicher Arbeit viel für uns erarbeitet», betonte Bopp.
Vorbehaltlose Wertschätzung und Liebe gegenüber den Pflegebedürftigen seien von Beginn an Grundhaltung gewesen. Die St. Josef-Stiftung versteht sich heute als Lebensort, Bildungseinrichtung und Arbeitgeberin mit klaren Standards in Sachen Inklusion. Durch offene Begegnungsräume ohne Trennmauern wird hier der Austausch mit der Nachbarschaft aktiv gefördert – ein Wandel, der auch im Publikum bestätigt wurde. Was früher als abgeschottete, einschüchternde Anlage wahrgenommen wurde, sei heute ein selbstverständlicher Teil der Stadt. Passend dazu findet sich im aktuellen Neujahrsblatt ein Beitrag über den Umbau des Hauses Allegra: «Vom Beton zum grünen Leuchtturm».
Mit diesem spannenden Vortrag zeigte die Generalversammlung eindrücklich: Geschichte lebt nicht vom Weitererzählen selbst, sondern auch vom Weiterdenken, dem täglichen Weiterund Ausarbeiten, und manchmal vom Mut, Format und Horizont zu vergrössern.

