Zwei Erntezeiten pro Jahr
02.12.2022 WohlenDen Wohler Wochenmarkt auf dem Sternenplatz soll es auch nächstes Jahr geben
Gibt es den Markt auch im nächsten Jahr? Diese Frage beschäftigt viele. Jetzt haben die Initianten entschieden.
Chregi Hansen
Der ...
Den Wohler Wochenmarkt auf dem Sternenplatz soll es auch nächstes Jahr geben
Gibt es den Markt auch im nächsten Jahr? Diese Frage beschäftigt viele. Jetzt haben die Initianten entschieden.
Chregi Hansen
Der Entscheid fiel nicht leicht. Zum einen erhält der samstägliche Markt auf dem Sternenplatz viel Lob. Andererseits stimmt es finanziell nicht für alle Standbetreiber. «Viele unserer Ziele konnten wir erreichen», stellt denn auch Initiant Andreas Weber fest. So wurde ein Ort geschaffen, an dem sich Menschen begegnen, die Ambiance geniessen und sich mit frischen Lebensmitteln aus der Region eindecken. «Aber wenn es für die Marktfahrer unter dem Strich nicht aufgeht, dann macht es keinen Sinn», macht Weber deutlich. «Sie sind die wichtigsten Protagonisten.»
Und letztes Jahr ging die Rechnung nicht für alle auf. «Wir sind sehr gut gestartet im Frühling. Aber mit dem Start in den Hitzesommer nahmen auch die Besucherzahlen ab», berichtet der Initiant. Schon damals stellten gewisse Marktfahrer ihre weitere Teilnahme infrage, liessen sich aber überzeugen, das Jahr doch noch zu beenden. «Sie haben der Sache zuliebe weitergemacht, das freut uns sehr», so Weber.
Aber: Nicht alle sind nächstes Jahr wieder dabei. Lange war daher unklar, wie es weitergeht. Nun aber steht fest: Der Wohler Wochenmarkt startet 2023 ins dritte Jahr. Allerdings verkürzt: sechs Wochen im Frühling, acht Wochen im Herbst. Es wird also quasi zweimal im Jahr geerntet. «Wir geben noch nicht auf», erklärt Andreas Weber.
Das «ominöse dritte Jahr» wagen
Der Wohler Wochenmärt auf dem Sternensaal startet am 22. April (mit Vorbehalt) in die neue Saison
Das fünfköpfige OK-Team hat diskutiert und entschieden. Den samstäglichen Markt auf dem Sternenplatz soll es auch im kommenden Jahr wieder geben. Jedoch wird die Sommerpause verlängert. Und für das definitive Ja muss erst das Grundangebot gesichert sein.
Chregi Hansen
Andreas Weber liebt Märkte. Und darum besucht er regelmässig auch solche an anderen Orten, etwa in Aarau, Bremgarten oder Baden. Deshalb versteht er auch die Kritik nicht, dass der Wohler Wochenmärt «ab vom Schuss» sei. Erstens gebe es keinen anderen Ort im Zentrum, der sich dafür eignet. Und zum anderen richte sich der Markt nicht primär an die Laufkundschaft. «Wer auf den Märt geht, tut das bewusst. Er sucht das andere Einkaufsvergnügen», ist Weber überzeugt.
Und das bietet der Wohler Märt im grossen Mass. Dank Andreas Weber und seinen Mitstreitern (Christa Meier, Julia Wohler, Franz Schmid sowie Julie Marcé) konnte das frühere Zentrum Wohlens neu belebt werden. Inmitten der vielen historischen Gebäude treffen sich Samstag für Samstag Menschen aller Art. «Es war immer unser Ziel, Begegnungen zu ermöglichen. Das ist uns gelungen, wie die vielen positiven Rückmeldungen beweisen», sagt Weber. Dazu trägt auch das Märtkafi im «Sternen» bei, die verschiedenen kulturellen Darbietungen und das breite kulinarische Angebot. «Viele verlängern ihren Einkaufsbummel und essen hier gleich noch ihr Zmittag», berichtet Weber, der fast jeden Samstag auf dem Sternenplatz anzutreffen ist. Selbst dann, wenn er selber gar nicht die Aufsicht hat. Einfach, weil es ihm so gut gefällt.
Ganz viel Abwechslung
Wenn der Initiant vom Wochenmarkt spricht, dann kommt er schnell ins Schwärmen. Und das aus gutem Grund. Das Konzept mit dem Mix aus Basis-Ständen und einem stets wechselnden Angebot sorgt sowohl für Sicherheit und Abwechslung. Vom Wirtepaar Rita Seiler und Remus Lochmann werden sie in einem grossen Mass unterstützt. Das wechselnde kulinarische Angebot, von den Nudelgerichten aus dem Wok über Pulled Pork, Pizzas bis zu Würsten vom Grill und Bratkäse, hält für jeden Besucher und jede Besucherin etwas bereit. Der Märt ist farbig und vielfältig. Dafür sorgen die Auftritte von verschiedenen Ensembles und Musikern, aber auch die kreativen Artikel an den Wechselständen. Sie reichen von Trüffeln der Familie Küchler über Waren aus der Brockenstube bis zu Gebäcken und Blumen einer Gruppe Ukrainerinnen. «Das Interesse an den Wechselständen ist gross», kann denn auch Weber konstatieren.
Zu wenig Umsatz für die professionellen Standbetreiber
Doch das Wichtigste ist eben ein möglichst komplettes Grundangebot. Dazu zählen Gemüse und Obst, Brot, Käse, aber auch länderspezifische Spezialitäten, etwa aus Italien oder dem Libanon. Produkte aus der Region und für die Region. Für diese Standbetreiber ist Markt nicht Hobby, sondern Beruf, für sie geht es nicht um das Erlebnis, für sie muss sich der Stand lohnen. «Sie nehmen einen grossen Aufwand auf sich, personell und zeitlich. Wenn sie dann nicht schwarze Zahlen schreiben, verstehe ich, dass sie ihr Weitermachen infrage stellen», sagt Andreas Weber. Bereits im Hitzesommer, als die Besucherzahlen abnahmen, haben die Ersten über einen Ausstieg nachgedacht. «Glücklicherweise haben sich alle Beteiligten der Sache zuliebe und aus Solidarität den anderen Marktfahrern gegenüber überzeugen lassen, die Saison noch zu beenden», so Weber weiter.
Nach der Saison hat das OK-Team die Rückmeldungen aller eingeholt. Und dann lange und intensiv diskutiert, wie es weitergeht. Sie selber haben noch Energie zum Weitermachen. Dank der Unterstützung der Partner und Partnerinnen und guten Absprachen hält sich der Aufwand in Grenzen. Aber: «Es ist klar, ohne ein breites Basisangebot hat der Markt keine Chance», sind sich die Macher bewusst. Und hier genügend Standbetreiber zu finden, das ist nicht einfach. «Wir wissen jetzt schon, dass nicht mehr alle dabei sind. Es gilt also, Ersatz zu organisieren», sagt Weber. Und das Basisangebot allenfalls noch auszubauen – noch immer hofft man auf jemanden, der Fleisch und Fisch verkauft. Aber da bleibe man dran.
Mit dem Entscheid Zeit gelassen
Weitermachen oder aufhören? Diese Frage hat das Team lange beschäftigt. Und auf die Antwort waren viele in Wohlen gespannt. «Wir wurden sehr oft darauf angesprochen. Aber wir wollten uns Zeit lassen», so der Initiant. Man habe ganz viele Aspekte besprochen. Und vieles wieder verworfen. So will man am Ort festhalten – gerade auch, weil man hier Platz und Musse für Begegnungen hat, das wäre im Zentrum anders. «Der soziale Aspekt ist uns eben auch sehr wichtig», so Weber. Auch über eine zweiwöchentliche Durchführung wurde diskutiert. «Das ist schwierig zu kommunizieren; viele werden sich fragen: Ist heute Markt oder nicht? Und wenn man unsicher ist, bleibt man daheim.» Auf grosse Resonanz stossen jeweils die Konzerte. Könnte man diese noch ausbauen? «Theoretisch ist das möglich. Aber wir haben schon erlebt, dass viele Besucher an ein Konzert kamen, aber die Marktfahrer deswegen nicht mehr verkauft haben. Im Zentrum sollen die Stände sein», macht Weber deutlich.
Verkürzte Saison
Nun aber hat man entschieden. «Trotz der nicht so rosigen Aussichten werden wir das ominöse dritte Jahr in Angriff nehmen.» Allerdings mit einem geänderten Konzept. Stattfinden wird der Markt sechs Wochen lang im Frühling (22. April bis 27. Mai) und acht Wochen im Herbst (9. September bis 28. Oktober). «Wir hoffen, dass die verkürzte Saison für mehr Standbetreiber machbar ist», erklärt Weber.
Die Organisatoren sagen also Ja zur neuen Saison. Allerdings nur mit Vorbehalt. Zum einen ist es nötig, dass die Gemeinde den Anlass im bisherigen Rahmen unterstützt. Zum anderen braucht es ein genügend grosses Grundangebot. Gelingt dies nicht, geht das Team nochmals über die Bücher. Spätestens Ende Februar oder Anfang März soll der definitive Entscheid fallen. Aber: «Wir sind optimistisch, dass es klappt», schaut Weber voraus. Ideen, wie man es noch besser machen könnte, haben die fünf Macher schon einige.
Viel Goodwill spürbar
Zum Glauben an das Gelingen trägt auch die grosse Unterstützung bei, welche sie erhalten. Von der Gemeinde. Dem Gemeinnützigen Ortsverein. Dem Gemeinnützigen Frauenverein. Den Ortsbürgern und Sponsoren. Und auch von den vielen Besuchern, die einmal oder regemässig auf dem Sternenplatz dabei waren. «Die vielen Komplimente spornen uns an, weiterhin unser Bestes zu geben», so Andreas Weber zum Schluss.
Der Wohler Wochenmarkt auf dem Sternenplatz macht derzeit Winterpause. Alle Infos zum Markt findet man unter www.wohler-wochenmarkt.ch. Interessenten für Stände und musikalische Beiträge können sich melden unter info@wohler-wochenmarkt.ch.



