Zwei beste Offensivspieler sind weg
10.01.2023 Fussball, SportDer FC Wohlen verliert Alessandro Vogt an den FC St. Gallen – und vermutlich auch Nathan Tayey
Der 17-jährige Alessandro Vogt wechselt zum FC St.Gallen und erhält einen Profivertrag. Und auch der Offensivwirbler Nathan Tayey ist auf dem Absprung. Der FC ...
Der FC Wohlen verliert Alessandro Vogt an den FC St. Gallen – und vermutlich auch Nathan Tayey
Der 17-jährige Alessandro Vogt wechselt zum FC St.Gallen und erhält einen Profivertrag. Und auch der Offensivwirbler Nathan Tayey ist auf dem Absprung. Der FC Bulle vermeldete bereits seinen Abgang – obwohl der FC Wohlen von nichts wusste.
Stefan Sprenger
Der FC Bulle zeigt, wie man einen Transfer ganz sicher nicht tätigt. Die Westschweizer vermelden am 28. Dezember auf ihrer Homepage, dass Nathan Tayey vom FC Wohlen zum FC Bulle in die 1. Liga Promotion wechselt. Beim FC Wohlen weiss man zu diesem Zeitpunkt aber nichts davon. Tayey hat nach wie vor einen laufenden Vertrag. «Und wir lassen einen der besten Spieler sicherlich nicht einfach so ziehen», sagt FC-Wohlen-Sportchef Marko Muslin. «Er ist nach wie vor bei uns unter Vertrag.»
«Respektlos» und «dreist»
Marko Muslin ist diplomatisch unterwegs. So wählt er auch seine Worte. Von anderen FCW-Protagonisten fallen Worte wie «respektlos» oder «dreist» in Bezug auf das Vorgehen des FC Bulle. Mittlerweile hat Muslin Kontakt gehabt mit dem FC Bulle und der FCW hat den Westschweizern eine Offerte unterbreitet. Der wirblige Tayey, der kein Wort Deutsch spricht, hat sich im Cupspiel gegen den FC Servette Genf im November ins Rampenlicht gespielt, als er die Gegner aus der Super League schwindlig spielte. Mit seinen zehn Toren ist der Franzose der beste Skorer des FC Wohlen. Challenge-League-Vereine wurden auf ihn aufmerksam. Beispielsweise der FC Schaffhausen. Schliesslich wurde es anscheinend ernst mit dem FC Bulle, der vergangene Saison den Aufstieg in die 1. Liga Promotion schaffte. Wieso die Vereinsführung von Bulle allerdings beim vermeintlichen Transfer ein solches Vorgehen wählt, ist kaum zu erklären. Bei den Aufstiegsspielen der letzten Saison duellierten sich Wohlen und Bulle noch – mit dem besseren Ende für die Westschweizer. Tayey hat auf Anfrage dieser Zeitung nicht reagiert. Ein weiteres Indiz, dass nicht alles mit fairen Dingen zu und her ging. Muslin sagt: «Er wird den FCW höchstwahrscheinlich verlassen. Aber man sollte es erst vermelden, wenn sich alle Parteien gefunden haben.»
Steve Guillod, Co-Präsident des FC Bulle, schreibt auf Anfrage, er sei mit FCW-Sportchef Muslin in Kontakt gewesen. Und mit FCW-Präsident von Wyl habe man Mails ausgetauscht – allerdings erst ab dem 29. Dezember, also erst nach der Veröffentlichung des Transfers auf der Homepage des FC Bulle. Guillod sagt weiter: «Nathan Tayey hat einen Agenten, der den FC Wohlen nach dem Ende der Meisterschaft über seinen Abgang informiert hat.» Das Problem: Tayey hat einen laufenden Vertrag. Der (wahrscheinliche) Abgang von Tayey ist nicht der einzige Rückschlag im Wintertransferfenster beim FC Wohlen. Wobei der Wechsel von Alessandro Vogt zum FC St. Gallen zumindest für den 17-Jährigen eine Riesenchance ist. «Für ihn ist dieser Wechsel super. Auch wenn es mir lieber gewesen wäre, er hätte die Saison bei uns zu Ende gespielt. Aber ein Profiverein klopft nicht alle Tage an. Ich verstehe, dass er diese Chance packen will. Und wir haben ihm keine Steine in den Weg gelegt», sagt Muslin. Vogt erhält einen Profivertrag und wird mit der zweiten Mannschaft des Super-League-Teams trainieren. Muslin sagt weiter: «Auch für uns ist dieser Wechsel ein Kompliment. Es zeigt, dass wir gut arbeiten beim FC Wohlen und der Verein nach wie vor ein Sprungbrett ist.» Übrigens ist auch bei Vogt ein gewisser «Servette-Effekt» vorhanden. Auch er zeigte im Cupspiel gegen die Genfer eine starke Partie und schoss gar das 1:0. «Er hat sich das verdient. Ich bin happy für ihn. Für uns bedeutet es aber, dass wir einen unserer besten Offensivspieler verlieren.»
Finanziell profitiert der FC Wohlen aktuell nur gering vom Wechsel von Vogt zum FC St.Gallen. Je nachdem, ob er den Sprung in die erste Mannschaft schafft – oder in ferner Zukunft vielleicht auch bei einem anderen Club spielt –, würde der FC Wohlen auch dann noch finanziell etwas erhalten.
FCW-Trainer Komornicki meint zu den beiden Abgängen: «Was soll ich sagen? Ich dachte eigentlich, Nathan Tayey wechselt in die Challenge League, denn er hat mehr Qualität als nur 1. Liga Promotion. Alessandro Vogt sollte noch bei Wohlen die Saison zu Ende spielen, aber sie haben sich beide anders entschieden.»
Der FC Wohlen selbst hat keinen Transfer zu melden und ist unter Zugzwang. «Wir sind dran. Wir brauchen einen Sechser, einen Innenverteidiger, einen torgefährlichen Mann in der Offensive und einen Goalie.» Die Rückrunde startet am 25. Februar. Mit einem Torhüter ist man sich fast einig. «Wir kommunizieren erst, wenn der Wechsel zu 100 Prozent fix ist.» So, wie man es eigentlich macht.


