«Zeiten ändern sich»

  23.06.2026 Sport, Fussball

Pietro Bascio, Präsident des FC Mutschellen, äussert sich zur Kritik

Kritische Stimmen werden lauter. Der FC Mutschellen integriere zu wenig Eigengewächse und das Vereinsleben lässt nach. FCM-Präsident Pietro Bascio sagt: «Wir geben alles, um den familiären Grundgedanken im Verein weiterzuführen.» Nur wird dies immer schwieriger.

Stefan Sprenger

Nach 18 Jahren verlässt Goalie-Legende Fabian Riesen seinen FC Mutschellen. Mit 35 Jahren ist er nicht mehr der Jüngste, doch nicht nur das Alter war ausschlaggebend für den Abgang der Identifikationsfigur. Einerseits fehlte ihm persönlich die Perspektive, denn Riesen spielte immer weniger. Andererseits könne er sich auch mit der Vereinsphilosophie immer weniger identifizieren (wie er in der Ausgabe am letzten Freitag sagt). «Im Verein hat sich einiges geändert. Meine Meinung ist, dass wir aktuell zu wenig eigene junge Spieler integrieren in die erste Mannschaft. Aus welchen Gründen auch immer», so Riesen. Im Umfeld des FC Mutschellen ist er nicht der Einzige, der sich kritisch äussert.

Nur mit Mutschellern? «Ein Nostalgie-Gedanke»

Mit diesen Worten konfrontiert, sagt FC-Mutschellen-Präsident Pietro Bascio: «In den letzten Jahren hatten wir immer wieder eigene Spieler in der 1. Mannschaft. Es ist aber ein Nostalgie-Gedanke, dass man nur mit lauter Mutschellern in der 2. Liga bestehen kann.» So habe man auch externe Spieler geholt. Und es kommen auch für die neue Saison wieder Spieler hinzu (siehe Kasten). «Wir wollen den familiären Grundgedanken weiterführen. Aber der Fussball verändert sich. Das Vereinsleben verändert sich.» Bevor Bascio Präsident war, ist er 10 Jahre Trainer im Nachwuchs, darunter fünf Jahre bei den A- und B-Junioren. Er sagt: «Ich kann mich nicht erinnern, dass während dieser Zeit sehr viele eigene Junioren in der 1. Mannschaft integriert wurden.»

Er verstehe die Kritik von Fabian Riesen. Aber: Die damalige Zeit mit Aufstiegen (und Cupsieg 2019) war in Sachen Zusammenhalt richtig stark. «Und das ist unheimlich schwierig aufrechtzuerhalten», sagt Bascio, der seit sieben Jahren Präsident ist. «Es wird auch von Jahr zu Jahr immer herausfordernder.» Damals, mit Charakterköpfen und Identifikationsfiguren wie Fabian Riesen, Manuel Brunner, Fabrice Moser oder Nico Stadelmann (übrigens auch nicht alles Mutscheller), war es eine erfolgreiche Zeit, «die viel Spass gemacht hat». Er selbst sagt: «Wegen solchen Charakteren bin ich damals auch Präsident geworden. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass es solche Spieler immer weniger gibt.» Mittlerweile gab es einen Generationenwechsel in der 1. Mannschaft.

Die Welle beim Nachwuchs

Das Leben ist Resonanz, mal geht es auf, mal geht es ab. Und natürlich ist das auch in einem Fussballteam so. Wo ist denn der FC Mutschellen aktuell? Bascio meint: «Es könnte gut sein, dass wir wieder sehr gute Zeiten einläuten.» Der Grund: Die Juniorenteams (A, B und C) spielen alle in der Youth League. Es kommt eine Welle aus guten Nachwuchsspielern auf die 1. Mannschaft zu. «In der Vorbereitung zur neuen Saison haben wir vier A-Junioren und zwei B-Junioren mit dabei. Sie sollen integriert werden. Und bislang sieht es gut aus», verrät Bascio. «Wir haben auch in Vergangenheit versucht, die eigenen jungen Spieler beim Sprung in die Aktivteams zu unterstützen. So wurden in den letzten Jahren jeweils vier bis fünf Junioren ins Trainingslager mitgenommen, um sie frühzeitig heranzuführen», sagt Bascio. Mit Jannick Seiler, Saviano D’Incau, Joel Anneler, Luca Bozzolo, Leo Palladini und Gion Thoma gibt es mehrere A-Junioren, die im Kader der 1. Mannschaft sind (oder waren).

Lässt der Zusammenhalt nach?

Auch wenn sich in der Vergangenheit nicht jeder eigene Nachwuchsspieler in der 1. Mannschaft etablieren konnte, blieben viele dem Verein erhalten und fanden ihren Platz in anderen Teams. «Vor diesem Hintergrund ist die Kritik an der Nachwuchsförderung differenziert zu betrachten. Denn es zeigt sich, dass wir die Integration unserer Nachwuchsspieler stets aktiv gefördert haben. Der Übertritt in eine 1. Mannschaft gelingt jedoch nicht immer gleich gut.» Es gab auch kritische Stimmen, die behaupten, dass der Zusammenhalt im Verein nachlasse. Da hat Bascio eine klare Haltung: «Auch das verändert sich. Zeiten ändern sich. Ich glaube, aktuell spüren diese Veränderung ganz viele Vereine. Egal, ob Fussball, Handball oder Turnverein. Es wird beispielsweise immer schwieriger, Leute zu finden, die mithelfen. Sei es im Vorstand oder an einem Anlass.» Er selbst würde sich mehr Zusammenhalt sehr wünschen. «Als Erster», wie er meint. «Mit einem neuen Vorstand sind Veränderungen natürlich. Wir haben versucht, nach dem Prinzip ‹luege, lose, laufe› an die Sache heranzugehen – zuerst beobachten, zuhören und verstehen, bevor gehandelt wird. Die Führung bemüht sich, den Verein an neue Gegebenheiten und Herausforderungen anzupassen. Das bedingt manchmal auch unbequeme Entscheidungen, die nicht immer auf Anhieb von allen verstanden oder mitgetragen werden.

Dennoch stehen dabei stets das Wohl des Vereins und seine langfristige Entwicklung im Vordergrund. Veränderungen gehören dazu und bieten auch Chancen, Bewährtes weiterzuentwickeln und neue Impulse zu setzen.»

Auf Druck von Spielern: Heimspiele nur noch am Freitag?

Last, but not least ist zu hören, dass der FC Mutschellen seine Heimspiele in Zukunft nicht nur am Samstagabend ausrichten will, sondern auch am Freitagabend. Dies, weil sich zwei Spieler aus dem Team das so wünschen (und sonst nicht weiterspielen würden). «Das stimmt so nicht», sagt Bascio. «Unter anderem ist dies ein Wunsch des Fussballverbandes aufgrund des Schiedsrichtermangels», wie er sagt. Wann der FC Mutschellen spielt, sei ohnehin nicht ausschlaggebend. «Wichtig ist, dass wir guten und erfolgreichen Fussball zeigen. Und natürlich wünschenswert mit möglichst vielen einheimischen Spielern», sagt Bascio. Man werde beim FC Mutschellen auch in Zukunft externe Spieler engagieren, «weil es anders nicht geht». Und wenn doch genügend starke Eigengewächse vorhanden sind, «dann bin ich auch sehr glücklich».


Zugänge fix – Abgänge auch

Der FC Mutschellen kann bereits einige hochkarätige Verpflichtungen für die neue Saison mitteilen. Mittelfeldspieler Laze Stojkovski (Ex-Muri und Ex-Wohlen) kehrt vom FC Thalwil zurück auf die Burkertsmatt. Weitere Rückkehrer sind Stürmer Dennison und Kirill Iloski (beide von Wettswil-Bonstetten II). Von der U18 des FC Schaffhausen kommt Verteidiger Mattia Valencia, der neu auf dem Mutschellen wohnt.

Goalie mit Profi-Erfahrung

Weil Goalie Orlando Gyr in der Rückrunde in der Rekrutenschule sein wird, hat man sich auf die Suche nach einem Torhüter gemacht. Der 30-jährige Novem Baumann (aus Bergdietikon, Bruder von Stürmer Devin) kommt von YF Juventus auf den Mutschellen. 2015 stand er für den FC Zürich im Tor (ein Super-League-Einsatz). Baumann war auch Teil der Schweizer Nachwuchs-Nati. Ein weiterer namhafter Neuzugang ist Innenverteidiger Genti Shehi, der letzte Saison Captain des FC Spreitenbach war. Und: Leo Nascimento kehrt aus seiner Verletzung zurück, und auch Albin Hoti wird nach seiner Rekrutenschule den Fokus wieder mehr auf dem Fussball legen.

Tarashaj: «Weg weiterführen»

Dazu sollen sechs Spieler aus der Nachwuchsabteilung die Vorbereitung mitmachen (Julian Meier, Pietro Mori, Donato Longo, Memet Elmazi, Fabio Da Silva, Gabriel Barac). Shani Tarashaj, Trainer des FC Mutschellen, sagt dazu: «Als ich für den Trainerjob beim FC Mutschellen zugesagt hatte, war für mich klar, eigene Junioren einzusetzen. Dies ist in der letzten Saison mehrfach vorgekommen und hat mich auch persönlich gefreut. Diesen Weg versuchen wir gerne weiterzuführen.»

Wechsel, Rücktritte, Pausen

Es gibt auch namhafte Abgänge beim FC Mutschellen, wie Präsident Bascio mitteilt: Identifikationsfigur Roger Pfyl geht zum FC Oetwil-Geroldswil, Samuel Staubli und Fabian Riesen – ebenfalls zwei langjährige «Eis»-Spieler – treten beide zurück, Gianluca Sforza und Semier Krasniqi legen beide eine fussballerische Pause ein. Tim Janz (FC Wettswil-Bonstetten II), Kenneth Baumann (2. Mannschaft FC Mutschellen) und Mattia Bellisario (FC Juventina Wettingen) gehen ebenso.

--red


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote