«Zeit, Adieu zu sagen»
14.01.2025 BremgartenKarpf muss schliessen
Das Ehepaar Esther und Walter Karpf hat über Jahrzehnte ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und betrieben. Lange in Wohlen und bis zuletzt in Bremgarten führten die beiden ein Haushaltsgeschäft mit gutem Ruf. Nach dem Tod ihres ...
Karpf muss schliessen
Das Ehepaar Esther und Walter Karpf hat über Jahrzehnte ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und betrieben. Lange in Wohlen und bis zuletzt in Bremgarten führten die beiden ein Haushaltsgeschäft mit gutem Ruf. Nach dem Tod ihres Ehemanns war Esther Karpf alleinige Eigentümerin. Nun muss sie sich schweren Herzens dazu entschliessen, ihr Lebenswerk aufzugeben. --huy
E. W. Karpf schliesst Ende April
Nach 20 Jahren verlässt das Haushaltwarengeschäft Karpf das Plaza Center. Mit dem Vermieter ist man sich nicht über eine Verlängerung einig geworden. Es ist gleichzeitig das endgültige Aus eines Familienunternehmens, das lange in der Region verankert war.
Marco Huwyler
Esther Karpf fällt es nicht leicht, das ist zu spüren. Und doch ist da auch ein Urvertrauen, «Es ist schon gut so. Und wird weiterhin gut kommen», sagt sie mehrfach. «Irgendwann musste ein Zeitpunkt und ein Grund kommen, zu schliessen.» Und jetzt sei es halt dieser April 2025 geworden.
Zwingend war das beileibe nicht. Denn Karpfs Haushaltgeschäft ist bis zuletzt gut gelaufen. «Ich hätte gerne noch eine Weile weitergemacht», sagt sie. Doch ist da leider die komplizierte Lage mit dem Mietverhältnis. Der Vertrag läuft aus. Und der Vermieter, die Swisscanto Anlagestiftung, würde diesen zwar verlängern, aber nur in einem erneut langjährigen Vertragsverhältnis. «Das kommt für mich aber aufgrund meines fortgeschrittenen Alters nicht mehr infrage», sagt Karpf.
Ein Ehepaar mit Herzblut
Die Geschäftseigentümerin ist mittlerweile 70-jährig. E. + W. Karpf AG hatte sie vor über 40 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Walter in Reinach gegründet. «Damals war es noch ein Eisenwarenhandelsgeschäft», erinnert sich Karpf. Als das Ehepaar nach ein paar Jahren ein grösseres Lokal beziehen konnte, wurde das Sortiment auf Haushaltwaren ausgeweitet. Und so führten es die Karpfs jahrzehntelang. Walter war eher für das Werkzeug und die Grillwaren zuständig, Esther für die Küchen-, Geschenk- und Haushaltsabteilungen, welche immer bedeutsamer wurden. Die beiden bauten sich einen Namen auf. Um die Jahrtausendwende eröffneten sie eine zweite Filiale in Wohlen. «Weil damals viele ähnliche Geschäfte in dieser Region eingingen», erinnert sich Esther Karpf. «Da sagten wir uns – dieses Vakuum wollen wir füllen.»
Stetig aufwärts in Bremgarten
Die Rechnung ging auf. Auch an der Wohler Zentralstrasse und später im Bünz-Märt überzeugte das Ehepaar mit seinen Mitarbeitern und seinem Sortiment durch Qualität und Kompetenz. So sehr, dass man es alsbald wagte, auch noch in Bremgarten eine Niederlassung im Plaza Shopping Center zu eröffnen. «Der Start hier, war eher harzig», sagt sich Karpf. Doch mit den Jahren sei es stetig aufwärts gegangen.
Die Bremgarter schlossen ihr Haushaltwarengeschäft ins Herz. Und auch vom Mutschellen pilgerten viele Stammkunden zu Karpfs ins Plaza Center. Der Standort etablierte sich gar dergestalt, dass sich das Ehepaar später, als es schwieriger wurde (Konkurrenz Online-Shopping, Fachkräftemangel, Alter) ab 2016 ganz auf Bremgarten konzentrierte und seine anderen Filialen aufgab. «Sicherlich der richtige Entscheid», findet Karpf. «Wir hatten hier nochmals fast 10 wirklich gute, schöne Jahre.»
Unklare Neuausrichtung des Centers als Hindernis
Nach dem Tod ihres Mannes 2021 hatte sich die Gründerin indes sukzessive vom Tagesgeschäft zurückgezogen. Die interne Nachfolge schien auf gutem Weg. Und doch kam es schlussendlich anders. In jüngerer Vergangenheit war Esther Karpf wieder stark in ihrem Laden gefordert. Eine Arbeit, die ihr zwar auch Spass macht. «Gerade der Kontakt mit vielen langjährigen Kunden.» Und doch wäre sie lieber heute als morgen wieder ins zweite Glied zurückgetreten.
«Unter diesen Voraussetzungen einen neuen langjährigen Vertrag abzuschliessen, wäre unverantwortlich gewesen», findet Karpf. Seit rund einem Jahr versuchte die 70-Jährige deshalb ihr Geschäft in neue Hände zu geben und gemeinsam mit der Nachfolge ein neues Mietverhältnis aufzugleisen. Die Bemühungen scheiterten aber. «Obwohl es ernsthaftes Interesse gab», wie Karpf sagt. Doch die ungewisse Neuausrichtung des Plaza Centers nach dem Wegzug der Migros-Fachgeschäfte sei für potenzielle Nachfolger letztlich ein zu grosses Risiko gewesen.
Grosse Resonanz
Umso bedauerlicher deshalb, dass sich der Vermieter nicht auf einen vorerst flexibleren kurzfristigeren Mietvertrag einliess und Karpf so die Gelegenheit verwehrte, doch noch einen langsamen Übergang und einen Fortbestand ihres Geschäfts zu ermöglichen. So ist es nun halt der harte Schnitt per Ende April. Die Stammkunden wurden bereits schriftlich informiert. «Das Bedauern ist riesig», sagt Esther Karpf. «Und für mich auch ziemlich überwältigend, was da so alles an Reaktionen gekommen ist.» Sie und ihr Mann hätten das Glück gehabt, eine wirklich treue langjährige Stammkundschaft aufgebaut zu haben, die dem Laden auch emotional verbunden war. «Von ihnen fühlten wir uns auch in schwierigen Zeiten getragen – es gab viele, die auch aus Solidarität nur bei uns eingekauft haben.»
Ein Funken Hoffnung bleibt
Aber eben – es ist primär nicht die Geschäftslage, die Karpf nun zum Aufgeben zwingt. Ganz die Hoffnung aufgegeben hat sie indes noch nicht, dass sich auf den letzten Drücker jemand findet. «Vielleicht meldet sich ja jemand auf den Zeitungsartikel», lächelt sie. Ein allfälliger Nachfolger könnte alles fixfertig übernehmen. Ein funktionierendes Geschäft, das allen Widrigkeiten zum Trotz schwarze Zahlen schreibt. Eine langjährige kompetente Mitarbeiterschaft. Und er dürfte auch weiterhin auf die Unterstützung der Gründerin zählen. «Bloss bekennen und Verantwortung übernehmen müsste man sich», sagt Karpf. Was die künftigen Nebenmieter anbelangt, zeichnet sich derweil langsam Klarheit ab – auch wenn dies noch nicht spruchreif ist (siehe Box).
Kommt es nicht zu einem unverhofften Happy End in letzter Minute, hadert Karpf aber nicht. Dann hat es halt nicht sollen sein und ein Lebenswerk findet Ende April seinen Abschluss. «Es war mir all die Jahre eine Freude», sagt die Betreiberin. «Ich möchte allen, die mit uns verbunden gewesen sind, für ihre Treue danken. Nun ist es für mich Zeit, Adieu zu sagen.»
E. + W. Karpf im Bremgarter Plaza Center ist noch bis am 30. April geöffnet. Ab sofort startet ein Totalausverkauf mit 20 Prozent Rabatt auf das ganze Sortiment und mit bis zu 50 Prozent auf gekennzeichnete Artikel. Gutscheinbesitzer werden gebeten, diese baldmöglichst einzulösen.
Das sagt der Vermieter
Diese Zeitung hat bei der Eigentümerin bzw. dem Management des Plaza Centers nachgefragt, weshalb es zu keinem Entgegenkommen an Karpf gekommen sei und wie es mit dem Plaza Center künftig weitergeht. Im Namen der Swisscanto Anlagestiftung antwortet die Zürcher Kantonalbank als Verwalterin auf die Anfrage. Zu aktuellen Mietverhältnissen könne man sich leider nicht spezifisch äussern. «Die Eigentümerschaft ist aber zusammen mit dem Center Management von Apleona interessiert, im Plaza langfristig ein attraktives Angebot für die Kundinnen und Kunden zu bieten.» Die frei werdenden Migros-Flächen hätten zu einem grossen Teil bereits an einen neuen Mieter vermietet werden können. Es würden zudem Gespräche mit weiteren potenziellen Mietern geführt. Gegen aussen wolle man aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt kommunizieren. --huy


