Wo es auch mal wild sein darf
06.12.2024 Wohlen«Kirche Kunterbunt»: Neuer ökumenischer Glaubensanlass in der Region Wohlen
Derzeit wird intensiv gebastelt im Kirchgemeindehaus. Bei der Premiere des neuen Angebots will das Kernteam Kinder und Erwachsene gleichermassen begeistern. «Kirche ...
«Kirche Kunterbunt»: Neuer ökumenischer Glaubensanlass in der Region Wohlen
Derzeit wird intensiv gebastelt im Kirchgemeindehaus. Bei der Premiere des neuen Angebots will das Kernteam Kinder und Erwachsene gleichermassen begeistern. «Kirche Kunterbunt» richtet sich primär an Familien und will den Glauben erlebbar machen.
Chregi Hansen
Es geht laut, wild und etwas chaotisch zu im Raum «Waltenschwil» des reformierten Kirchgemeindehauses. Vier Erwachsene und drei Kinder sind hier am Basteln und Vorbereiten des ersten Anlasses der Reihe «Kirche Kunterbunt». Am Samstag, 14. Dezember, sind erstmals Kinder von 3 bis 12 Jahren mit ihren Familien und Bezugspersonen zu dieser besonderen Form eines Gottesdienstes geladen. «Dann wird es vermutlich ebenfalls wild und chaotisch», lacht der reformierte Pfarrer Markus Opitz.
Zusammen mit seiner Frau Tabea, der Jugendarbeiterin Nicole Schriber, der reformierten Katechetin Bernadette Menia und dem katholischen Religionspädagogen Andreas Hopf bildet er das Kernteam des neuen Angebots. Dazu kommen verschiedene Helfer aus den beiden Landeskirchen. «Wir sind selber gespannt, wie diese neue Form ankommt», erklärt Opitz. Alle zwei Monate wollen sie zur «Kirche Kunterbunt» einladen, abwechselnd in Wohlen, Villmergen und Waltenschwil. Auch die Lokalitäten sollen wechseln – mal findet der Event in der Kirche statt, ein andermal im Kirchgemeindehaus oder auch mal im Chappelehof. Sogar der Tag und die Zeit sind variabel. «Es muss nicht mehr der Sonntagmorgen sein, denn für Familien ist das nicht immer einfach zu handeln», weiss der reformierte Pfarrer.
Von England her über Deutschland in die Schweiz
«Kirche Kunterbunt» ist keine neue Erfindung der Wohler Kirchen. Das Konzept wurde unter dem Begriff «Messy Church» 2004 in England entwickelt und hat sich seither in über 30 Ländern verbreitet. Seit 2019 gibt es diese Form von Anlässen in Deutschland, auch in der Schweiz ist das Konzept bereits angekommen. «Vor allem in der Ostschweiz ist es schon an einigen Orten verankert», weiss Tabea Opitz. In Wohlen gab es mit «Fiire mit de Chline» schon bisher ein ökumenisches Angebot, welches sich an Familien mit kleinen Kindern richtet. «Wir möchten den Kreis der Angesprochenen erweitern und damit auf die veränderten Bedürfnisse reagieren», sagt der reformierte Pfarrer. Und er ist überzeugt: Was an anderen Orten gut ankommt, das wird auch hier im Freiamt funktionieren.
Kinder dürfen aktiv sein
Mit dem neuen Angebot will sich die Kirche weiter öffnen. «Kindern fällt es schwer, lange stillzusitzen und einfach zuzuhören», weiss Opitz aus eigener Erfahrung. «Kirche Kunterbunt» reagiert auf den Bewegungs- und Spieldrang der Kinder. Nach einem gemeinsamen Willkommen folgt als Erstes eine Aktivphase, in der die Kinder sich austoben können und es verschiedene Stationen zu einem bestimmten Thema zu entdecken gibt. Dabei wird auch gebastelt und dürfen alle kreativ sein. Danach folgt die Feier-Zeit mit Musik, Theater und kreativer Verkündigung. «Wir werden uns hier immer wieder etwas Neues einfallen lassen, abhängig vom Motto», erklärt Jugendarbeiterin Nicole Schriber. Und zum Abschluss der dreistündigen Veranstaltung folgt ein gemeinsames Essen. «Dabei kommt man ins Gespräch und kann sich über den Inhalt des Morgens, aber auch über ganz verschiedene Themen austauschen», so Opitz. Damit wird eine zweite Ebene geschaffen und die Vernetzung innerhalb der Gemeinde gefördert.
Als Gastgeber Angebote machen
Die Idee der «Kirche Kunterbunt» kommt bei den beteiligten Kirchgemeinden nach anfänglicher Skepsis gut an. «Wir müssen uns bewegen und neue Angebote machen», findet Pfarrer Opitz. Wobei sich lediglich die Form ändere, die Botschaft bleibe die gleiche. Man schaffe so ein niederschwelliges Angebot, das möglichst viele ansprechen soll. Gerade auch Menschen, die bisher eher wenig zur Kirche gehen. «Kinder sind durchaus an religiösen Themen interessiert, das erleben wir immer wieder», sagt Katechetin Bernadette Menia. Aber es brauche heute eben moderne Veranstaltungsformen. «Wir sehen uns als Gastgeber, die ein Angebot machen. Man kann die ganzen drei Stunden dabei sein, aber auch nur einen Teil der Zeit», macht Markus Opitz deutlich.
Gastfreundlich. Generationenübergreifend. Kreativ. Fröhlich feiernd. Und Christus-zentriert: Das sind die fünf Grundwerte der «Kirche Kunterbunt». Und diese fünf Grundwerte sollen auch bei den alle zwei Monate geplanten Anlässen in Wohlen, Villmergen und Waltenschwil im Zentrum stehen. Mindestens ein Jahr lang soll es das Angebot jetzt geben, dann wollen die Verantwortlichen Bilanz ziehen, wie gut das Konzept hier in der Region ankommt. Wobei Pfarrer Markus Opitz positiv gestimmt ist und an den Erfolg glaubt.
«Wir selber waren im Frühling erstmals an einem solchen Anlass mit dabei und waren sofort begeistert von der neuen Form», sagt er. Und er denkt schon einen Schritt weiter. Warum soll es solch neue Anlässe nur für Familien geben. Warum nicht auch etwas Ähnliches für alle Erwachsene aufbauen? Opitz ist überzeugt, dass es die Kirche auch im 21. Jahrhundert noch braucht. Die Form aber dürfe sich durchaus verändern, fügt er an.
«Kirche Kunterbunt» für Kinder von 3 bis 12 Jahren mit ihren Familien und Bezugspersonen zum Thema «Die drei Weisen aus dem Morgenland»: Samstag, 14. Dezember, 10 bis 13 Uhr, reformierte Kirche Wohlen.

