Wie eine Materialschlacht
27.01.2023 WohlenSchulzentrum Halde: Grosse Züglete und Verschiebungen der Primar- und der Bezirksschule – Neustart nach den Sportferien
Es ist eine grosse Baustelle. Denn das Schulzentrum Halde wird rundum erweitert und saniert. Die Umsetzung des 56-Millionen-Projekts ...
Schulzentrum Halde: Grosse Züglete und Verschiebungen der Primar- und der Bezirksschule – Neustart nach den Sportferien
Es ist eine grosse Baustelle. Denn das Schulzentrum Halde wird rundum erweitert und saniert. Die Umsetzung des 56-Millionen-Projekts benötigt viel Zeit, Geduld und eine intensive Planung. Nun haben sich im grossen Stil die Klassen verschieben müssen.
Daniel Marti
Das Schulzentrum Halde ist nicht nur Unterrichtsort, sondern seit vergangenem Frühling auch eine grosse Baustelle. Der Baustart zur umfassenden Modernisierung des Schulzentrums ist gelungen. Nun geht es jedoch an die erste Sanierung eines bestehenden Schulhauses – und das macht die Angelegenheit noch komplexer. Während der Rohbau des neuen Primarschulhauses Formen annimmt, wird das alte Primarschulhaus für die Sanierung vorbereitet.
Bedeutet: Start zur grossen Züglete. Die Primarschulklassen müssen ins alte Bezirksschulhaus wechseln. Und sieben Bez-Klassen müssen sich ins Provisorium an den Oberdorfweg und in den dortigen Containerbau verabschieden.
Auch ein Blick ins letzte Jahrhundert
In der Woche vor den Sportferien herrschte grosses Treiben. Die neuen Belegungen bleiben nun so, bis der Neubau der Primarschule und die Sanierung des alten Primarschulhauses fertiggestellt sind. Gemäss Zeitplan dauert diese Phase bis August 2024. Bis die Bezirksschule wieder vollumfänglich ins alte, erweiterte und sanierte Schulhaus wechseln kann, dauert es bis Sommer 2026. Zum Schuljahresstart im August 2026 sollte auch die gesamte Grossbaustelle abgeschlossen sein.
Jetzt jedenfalls war aufräumen, entrümpeln, entsorgen und zügeln angesagt. «Es war wie ein Blick ins vergangene Jahrhundert», sagt Bez-Schulleiter Paul Bitschnau. In den bisherigen Gebäuden der Bezirksschule (erbaut 1898) und der Primarschule (erbaut 1854) wurden diverse Utensilien von früher gehortet. Lehrmittel, Fahnen, alte Karten vom Dorf Wohlen. Allerlei Fundstücke sind der Historischen Gesellschaft Freiamt übergeben worden. Vieles, dem Zerfall nahe, wurde entsorgt. «In den alten Schulhäusern hatte man sich eben wie in einem Zuhause eingenistet», erklärt Bitschnau.
Anfang Woche zügelten insgesamt sieben Klassen von der bisherigen Bez ins Provisorium an den Oberdorfweg. Dabei waren alle Fachzimmer wie Biologie, Chemie, Musik. «Das war eine kleinere Materialschlacht.» Die Schülerinnen und Schüler mussten ihr Material an den neuen Schulort zügeln. «Alle haben angepackt», lobt der Schulleiter. «Alle Schülerinnen und Schüler waren mit Herzblut dabei und fanden es echt cool.» Danach wurde das Bez-Schulhaus gereinigt – damit sämtliche Primarschulklassen einziehen konnten.
Profis als Unterstützung
Gewiss doch, Lehrpersonen, Schüler und Schülerinnen mussten nicht nur selber anpacken. Ein Umzugsunternehmen, das für Schulen spezialisiert ist, war eine wichtige Stütze. «Die haben gewusst, was auf sie zukommt.» Die schweren Stücke packten die Profis des Umzugsunternehmens an.
Die ruhigste Zeit in der Zügelwoche erlebten die Kinder der Primarschule. Die durften gar nicht anpacken und wurden spielerisch beschäftigt. In der Turnhalle oder auf der Eisbahn. Letztlich haben zehn Klassen der Primarschule ihren Unterrichtsort in die bestehende Bez gewechselt.
Die Baustelle und das Zügeln sind laut Brigitte Thurnherr eine Belastung. Thurnherr ist Lehrperson an der Primarschule Halde und Mitglied der Arbeitsgruppe Züglete. Sie betont, dass die Kinder auch Freude haben an der Baustelle. Da gibt es immer viel zu beobachten. «Und auf die Sicherheit wird ganz viel Wert gelegt», sagen Thurnherr und Bitschnau.
Wieder vereint – und zwischen Erschöpfung und Vorfreude
Nach den Sportferien werden Primarschule und Bezirksschule an einem neuen Ort konzentriert sein. Der Alltag als «geteilte Schule», verteilt auf diverse Gebäude, wird dann vorbei sein. Die Bez ist dann am Oberdorfweg zu Hause, inklusive Container-Schulstätte. Die Primarschule gastiert dann in der alten Bez. «Fürs Team ist das viel besser», sagt Bitschnau. «Der Containerbau funktioniert, der Pausenplatz am Oberdorfweg ist grösser als zuerst gedacht. Und den Schülerinnen und Schülern gefällt es recht gut.» Einzig fürs Textile Werken, fürs Kochen in der Schulküche und fürs Turnen in der Hofmattenhalle muss man den Standort wechseln. «In diesen Bereichen gehen wir halt einen gewissen Kompromiss ein», so Bitschnau.
Jedenfalls ist die Stimmung in beiden Schulbereichen recht gut. «Zwischen Erschöpfung und Vorfreude», meint Brigitte Thurnherr. Erschöpfung wegen der stressigen Züglete, Vorfreude auf den geregelten Unterricht nach den Sportferien. Aber auch Vorfreude auf das neue und das sanierte Primarschulhaus, die gemäss Zeitplan auf den Schulstart im August 2024 bezugsbereit sein sollten.
Bei Paul Bitschnau schwingt auch ein wenig Wehmut mit. Der Abschied von der bisherigen Bez-Schulstätte bedeutet auch, dass es gegenwärtig Schülerinnen und Schüler gibt, die bei der Einweihung der sanierten Gebäude die Schulzeit bereits abgeschlossen haben werden.
Über 100Sitzungen für die Bauerei
Die aktuelle Phase mit Elterngesprächen, Zeugnissen, Baustelle und Züglete sei «streng und intensiv» gewesen, so Bitschnau weiter. Aber die Kinder haben diese stressige Zeit gut gemeistert. «Der Mensch ist anpassungsfähig», sagt er pragmatisch, «und die Jugendlichen sind recht begeistert. Das Neue macht eben auch neugierig.»
Brigitte Thurnherr und Paul Bitschnau feiern dieses Jahr übrigens Jubiläen. Thurnherr ist 40 Jahre an der Schule Wohlen tätig, bei Bitschnau sind es 30 Jahre. Er begann als Lehrer, war dann Schulleiter-Stellvertreter und wurde 2014 Nachfolger von Rolf Wernli.
Als Schulleiter ist bei ihm neben der Bezirksschule immer die Baubegleitung das Thema Nummer eins gewesen, blickt er zurück. Erst ging es um den möglichen Standort an der Pilatusstrasse, nach dem Nein folgten die ersten Workshops betreffend Erweiterung und Sanierung des Schulzentrums Halde am bestehenden Standort. Seitdem hat er an über 100 Sitzungen zur Bauerei rund um das Schulzentrum teilgenommen. Diesen Einbezug seiner Person und von ihm als Schulleiter bezeichnet er selbst als vorbildlich. Dafür ist er der Gemeinde Wohlen dankbar. So habe er auf die Pädagogik wesentlich Einfluss nehmen können. «Das war für den gesamten Prozess sehr wertvoll und spannend.»
Es werden wohl noch Dutzende von Sitzungen folgen. Noch ist nicht einmal ein Jahr Bauzeit verstrichen, es folgen noch diverse Etappen bis im August 2026. Erst dann wird das neue Schulzentrum Halde komplett neu und zeitgemäss sein.
Es sei in seiner 30-jährigen Tätigkeit im Schulzentrum Halde nie langweilig gewesen, sagt Paul Bitschnau. Dies trifft zumindest auf die kommenden drei Jahre auch zu. Bis im August 2026 wird er weiterhin als Bez-Schulleiter, Bauberater, Schulleitungskonferenz-Vizepräsident und als Halde-Spezialist eine abwechslungsreiche und intensive Zeit erleben. Ganz bestimmt.





